Motorräder Vorstoß der Stotterbremse

Fahrspaß oder ABS. Für Motorradfahrer schloss bisher das eine das andere aus. Doch zögernd setzt ein Umdenken ein. Neue Studien beweisen, dass sich viele Stürze mit dem System vermeiden lassen.


Das Motorrad mit kürzerem Bremsweg ist mit ABS ausgestattet
GMS

Das Motorrad mit kürzerem Bremsweg ist mit ABS ausgestattet

Was beim Auto eine Selbstverständlichkeit ist, hat in Biker-Kreisen noch Exotenstatus. Gerade einmal zwei bis fünf Prozent der in Deutschland zugelassenen Motorräder sind mit einem Anti-Blockier-System (ABS) ausgerüstet. Dabei könnte ABS in vielen Fällen Leben und Gesundheit der Fahrer retten.

Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer Studie herausfand, haben Motorradfahrer in 65 Prozent alle Zusammenstöße zwischen Pkw und Zweirad noch genügend Zeit zum Bremsen. Doch bei dem Versuch die Kollision zu verhindern stürze jeder fünfte Fahrer. In 93 Prozent der Fälle, so das Ergebnis der Untersuchung, hätte ABS den Sturz verhindern können.

Dass ABS bisher als ausgesuchte Rarität gehandelt wird, liegt nicht nur an der Politik der Industrie, die Modelle entweder gar nicht oder nur gegen hohen Aufpreis mit dem Sicherheitssystem auszurüsten. ABS hat unter passionierten Bikern nämlich einen ausgesprochen schlechten Ruf. Nicht zuletzt, weil sich in der Startphase des Systems zuerst längere Bremswege als mit konventionellen Bremsen ergeben hatten. Erst langsam setzt in der Gemeinde ein Umdenken ein. So verzeichnet zum einen der Hersteller BMW Verkaufserfolge mit ABS-gebremsten Fahrzeugen. Auch die Fachzeitschriften bewerten in ihren Tests eines Motorrads mit ABS heute positiv. "Während viele ABS früher abgelehnt haben, ist das Thema heute in den Köpfen wesentlich positiver besetzt", sagt Wolfgang Berke, Sprecher des Industrie-Verbandes-Motorrad (IVM).

Auch am Institut für Zweiradsicherheit (IfZ) ist man sicher: Bei jedem Unfall bestehen für den Motorradfahrer weniger Gefahren, wenn er aufrecht gegen ein Auto prallt, als wenn der Fahrer stürzt und so Gefahr läuft, im wahrsten Sinn unter die Räder zu kommen. Ganz genaue Aufschlüsse erwartet sich das Institut im nächsten Jahr. Dann wollen die Forscher die bislang größte europaweite Studie zum Thema Motorrad-Unfälle abgeschlossen haben.

Um bis dahin das dürftige Image der Stotterbremse wieder aufzupolieren, haben ADAC und GDV eine gemeinsame Aktion ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Besser bremsen" sollen die Biker endlich für das ungeliebte Bremssystem begeistert werden.



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