MPU Von wegen "Idiotentest"

Der Volksmund spricht vom „Idiotentest", wenn die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, kurz MPU, gemeint ist. Diese soll ermitteln, ob der Betreffende zum Fahren eines Kfz fähig ist. Wie der Test funktioniert? SPIEGEL ONLINE hat ihn ausprobiert.

Wer Ende der achtziger Jahre den Führerschein gemacht hat, erinnert sich wohl noch an die Androhung, dass, wer dreimal durch die Prüfung fällt, zum "Idiotentest" muss. Allerdings wurde diese Regelung Ende der neunziger Jahre abgeschafft. Wer an einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung teilnehmen muss, ist klar geregelt. In den meisten Fällen wurden die betroffenen Verkehrsteilnehmer mit sehr viel Alkohol (mehr als 1,6 Promille) oder Drogen im Blut ertappt, oder sie haben das Limit von 18 Punkten in der Verkehrssünder-Kartei in Flensburg überschritten. Während die Zahl der alkoholbedingten MPU in jüngster Zeit deutlich zurückgegangen ist, stieg die Zahl der Untersuchungen aufgrund von Drogen am Lenker oder Steuer an.

Bei Verkehrsdelikten dieser Art wird zunächst der Führerschein entzogen. Der Betroffene muss also seine Fahrerlaubnis erneut beantragen – und im Rahmen dieses Prozederes wird die Führerscheinstelle oder ein Gericht eine MPU anordnen. Ziel der Untersuchung ist es, die Fahreignung zu ermitteln. Hierfür spielt der Intelligenzquotient natürlich keine Rolle. Übrigens: Wer nach massivem Alkohol- oder Drogenkonsum bei einer Fahrt mit dem Fahrrad gestoppt wird, dem droht ebenfalls eine MPU. Allerdings wird in diesem Fall erst anhand des Gutachtens entschieden, ob die Fahrerlaubnis entzogen wird.

Eine MPU besteht in der Regel aus drei Teilen, und die Details der Untersuchung orientieren sich individuell am Vergehen des Betroffenen. Ein Verkehrsteilnehmer beispielsweise, der seinen Führerschein wegen einer Trunkenheitsfahrt abgeben musste, wird andere Fragen beantworten müssen, als einer, der 18 Punkte wegen Geschwindigkeitsdelikten angesammelt hat. Im ersten Teil der MPU wird die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit ermittelt. An einem Testgerät muss der Teilnehmer beim Erscheinen bestimmter Symbole auf einem Bildschirm mit den Füßen auf Pedale treten oder mit den Fingern Tasten drücken.

Gibt es Bedenken, werden auch die Leberwerte ermittelt

Den zweiten Teil bildet die medizinische Untersuchung, wobei vor allem jene Befunde von Interesse sind, die im Zusammenhang mit dem Delikt stehen. So kann etwa anhand der Leberwerte auf das Trinkverhalten geschlossen werden. Aber auch Diabetes, Herz-Kreislaufprobleme und Erkrankungen der Augen und Ohren können von Relevanz sein. Im Übrigen können auch bestimmte körperliche oder neurologisch-psychiatrische Erkrankungen eine MPU zur Folge haben, wenn diese Einfluss auf die Fahreignung haben.

Den Kern der MPU bildet die psychologische Untersuchung im dritten Teil. In diesem zirka einstündigen Gespräch geht es um das Verhalten des Betroffenen und natürlich um seine Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Vergehen. Es wird erwartet, dass der Betroffene seinen Fehler einsieht und sein Verhalten im Straßenverkehr dauerhaft ändert. Thomas Wagenpfeil, Diplom-Psychologe beim TÜV Süd, sagt dazu: "Ziel ist ja nicht nur, dass der Kandidat den Führerschein schnell zurück bekommt, er soll ihn dann auch auf Dauer behalten."

Das Gespräch mit dem Psychologen ist entscheidend

Da speziell geschulte Psychologen die Gespräche führen, reicht es nicht einfach aus, lapidar zu behaupten, das Vergehen sei ein einmaliger Fauxpas gewesen. Wer mit 1,6 Promille Blutalkohol überhaupt noch in der Lage ist, ein Fahrzeug zu steuern, dürfte an regelmäßigen Alkoholkonsum gewohnt sein. Deshalb müsste ein solcher Teilnehmer bei einer MPU glaubhaft machen, dass er sich mit seinen Trinkgewohnheiten kritisch auseinandergesetzt hat. Kann er glaubhaft machen, dass er sich seiner Schuld bewusst ist und dass er künftig anders reagieren wird, ist eine positive Beurteilung wahrscheinlich.

Aufgrund des Gesprächs wird dann ein Gutachten erstellt, das dem Teilnehmer entweder die Fahreignung bescheinigt oder eben nicht. Für den Fall, dass das Gutachten negativ ausfällt – im vergangenen Jahr war das bei immerhin 37 Prozent der MPU-Teilnehmer der Fall –, muss man dieses negative Gutachten nicht der Führerscheinstelle bekannt machen.

Die Untersuchung ist ein sattes Geschäft

Natürlich ist eine MPU mit Kosten für den Betroffenen verbunden. Je nach Untersuchungsanlass variieren die Gebühren. Für eine alkoholbedingte MPU werden fast 400 Euro fällig, teurer wird es bei Alkohol in Kombination mit anderen Drogen, hierfür werden 700 Euro berechnet. Die Untersuchungen sind also auch ein einträgliches Geschäft für die Anbieter – vor allem den TÜV und die Dekra, aber auch private Anbieter. Vor allem, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr mehr als 100.000 MPU stattgefunden haben.

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