Stadtrat beschließt Verkehrswende München nimmt Autos Platz weg - und gibt ihn Radfahrern

Mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger, weniger für Pkw - München setzt verstärkt auf umweltfreundliche Verkehrsmittel. Angedacht ist auch eine komplett autofreie Innenstadt.

Stau in München
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Stau in München


München zieht Konsequenzen aus Dauerstau und Luftverschmutzung: Deutschlands drittgrößte Stadt stärkt umweltfreundliche Mobilitätsformen statt Autoverkehr. Öffentliche Flächen sollen zugunsten von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fußgängern und Radlern neu aufgeteilt werden, wie der Stadtrat am Mittwoch beschloss. Dazu könnten etwa Parkplätze abgeschafft werden.

Bis Mitte des Jahres will das Gremium erste konkrete Entscheidungen unter anderem zu neuen Expressbuslinien und eigenen Busspuren treffen. Auch Radschnellwege und Sharingangebote wie Leihfahrräder und Leihautos sind im Gespräch.

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Möglicherweise müssen Autos aus weiteren Teilen der Münchener Innenstadt ganz draußen bleiben. Ein "Grundsatzbeschluss zu einer Vision 'autofreie/autoarme/verkehrsberuhigte Innenstadt'" mitsamt ersten konkreten Maßnahmen im Altstadtbereich solle bis zur Sommerpause fallen, heißt es in der Entscheidung des Stadtrats.

Keine Dieselfahrverbote geplant

Vermeiden will München hingegen Fahrverbote aufgrund hoher Luftverschmutzung. Gemeinsam mit der Landesregierung will die Stadt einen Luftreinhalteplan erarbeiten, in dem andere Maßnahmen die Abgasbelastung ausreichend reduzieren.

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Zwar sei die Luft am Mittleren Ring weiterhin schlechter als erlaubt, hatte am Dienstag Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ( Freie Wähler) eingestanden. Sobald Autofahrer allerdings ausweichen müssten, steige die Abgasbelastung in anderen Gebieten stark an, was unverhältnismäßig sei.

Der Verwaltungsgerichtshof hatte Fahrverbote für München angeordnet. Die Staatsregierung war der Aufforderung indes nicht nachgekommen, weshalb die Justiz Zwangsgelder verhängte. Möglich ist auch Zwangshaft für Regierungsverantwortliche. Messungen der Stadt hatten zuletzt allerdings ergeben, dass die Luft in München besser ist als zuvor angenommen.

nis/dpa



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JürgenHammerbeck 13.02.2019
1.
Ja, natürlich fährt jeder Fahrrad und das bei jedem Wetter zu jeder Jahreszeit und bei "Car-Sharing" verstopfen die "Cars" keine Strassen. In Bayern gibt es Flug-Taxis.
spon_5112961 13.02.2019
2. Vernunft siegt?
Einfach weniger von den Blechkisten, egal ob die fahren oder stehen. Derzeit wird mir nach ein. bis zwei Stunden Innenstadtaufenthalt aggressiv-übel. Leider wohne ich mittendrin. Es könnte wirklich schön werden in Minga!
112211 13.02.2019
3. Neu
Diese Entscheidung ist gerade für München neu. Klar, es gibt einige schöne und ruhige Radfahrstrecken, aber insgesamt macht es in München eigentlich gar keinen Spaß, sich mit dem Fahrrad durch die Stadt zu bewegen. Typischerweise wurden dort an einigen Straßen, an denen die Radwege alles andere als der heutigen Norm entsprechen, kurzerhand die blauen Radwegschilder aufgestellt, damit die Radfahrer ja nicht auf die Kfz Fahrbahn wechseln.
Flying Rain 13.02.2019
4. Die Frage
Die Frage ist ja das "Wie"?" S- und U-Bahn platzen ja jetzt schon aus allen Nähten und sind auch nicht gerade zuverlässig (täglich grüßt die Stellwerkstörung...). Also wie?
bluebill 13.02.2019
5. Attraktivität leidet
München kann es sich (noch) leisten, neben überteuertem Wohnraum jetzt auch noch mehr Verkehrsstau zu bieten. Andere Städte riskieren mit solchen Maßnahmen, dass die arbeitende Bevölkerung schlicht abwandert. Das heisst auch weniger Steuern und ein immer schlechteres Image. Auch über München hört man immer öfter Sprüche wie: "wer will da schon hinziehen?" Der öffentliche Nahverkehr in München selbst ist ok, die Anbindung an die Fläche aber miserabel. Für die Radfahrer-Hauptgruppe, junge Menschen, ist die Stadt zu teuer. Für die Älteren wird sie unerreichbar... Allzusehr übertreiben sollte eine Stadt es nicht mit grasgrüner Klientelpolitik.
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