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04. Dezember 2006, 14:14 Uhr

Mustang von Giugiaro

Spiel mir das Lied vom Ford

Er galoppiert und galoppiert und galoppiert - der Ford Mustang, der 1964 auf die Autowelt kam und sie gehörig aufmischte. Das gilt auch heute noch. Gerade hat der italienische Designer Giugiaro eine muskulöse Interpretation des Wildpferds auf Rädern enthüllt.

Werden italienischer Stil und amerikanisches Lebensgefühl kombiniert, ergibt das meist eigenwillige Produkte. Italo-Western zum Beispiel oder Getränke wie Latte-Macchiato-Hazelnut. Oder auch eigenwillige und aufsehenerregende Autos: wie etwa den "Ford Mustang by Giugiaro", der gerade in Los Angeles enthüllt wurde. "Als wir den neuen Mustang sahen, wussten wir gleich, dass wir den in die Finger bekommen wollen", sagt Fabrizio Giugiaro, der Sohn von Design-Großmeister Giorgetto Giugiaro, aus dessen Feder unter anderem der erste VW Golf floss.

Der Sohnemann ist inzwischen 41 Jahre alt und leitet das Familienunternehmen Italdesign in Moncalieri bei Turin. Und wie weiland der Herr Papa vor 41 Jahren einen der ersten Ford Mustang für Bertone als filigranes Coupé gestaltete, so nahm sich nun Fabrizio den Mustang vor. Auch diesmal kam ein besonders schnittiges Coupé heraus, bei dem vor allem die durchgehende Glasbrücke von der Windschutzscheibe bis zum Heckfenster auffällt. Die Komplettkuppel stammt vom Hersteller Solutia aus Detroit und filtert nach Unternehmensangaben sämtliche UVA-Strahlung aus dem Sonnenlicht, so dass eine Fahrt im Wagen auch für Menschen mit blassem Teint unbedenklich ist.

Signore Giugiaro hat den Mustang tiefer gelegt, das Heck gekürzt, die Frontpartie etwas verlängert und das Auto in die Breite gehen lassen. Am Heck etwa schwoll die Spur um acht Zentimeter an, und die 315er-Breitreifen auf den 20-Zoll-Felgen passen kaum in die stolz ausgestellten Radhäuser. Doch neben diesen deutlichen Anspielungen auf die Leistungsbereitschaft des Autos sieht der Giugiaro-Mustang vor allem schlank, elegant und geschmeidig aus. Ein paar Kanten und einige wenige Zitate wie die Fächer hinter der B-Säule oder die typischen dreiteiligen Rückleuchten sowie der mittig am Heck platzierte Benzineinfüllstutzen reichen aus, um das Auto einerseits unverkennbar, andererseits aber auch völlig neu und interessant erscheinen zu lassen.

Motor und Fahrwerk stammen aus einem Rennauto

Die Technik des in leuchtendem Orange lackierten Einzelstücks stammt von der Ford-Rennabteilung und lehnt sich stark an jene an, die für die Mustang-FR500C-Racer der Rennserie Grand-Am Koni Challenge entwickelt wurde, in der Ford die Konstrukteursmeisterschaft gewann. Das bedeutet: Der 4,6-Liter-V8-Motor leistet rund 500 PS und dürfte das Auto hinreichend auf Trab bringen.

"Das Auto fährt sich ebenso gut wie es aussieht", sagt Fabrizio Giugiaro selbstbewußt. "Nachdem ich mit dem Wagen außerhalb von Turin an die Grenzen gegangen bin, kann ich sagen, dass die 30.000 Arbeitsstunden gut investiert waren, die wir in dieses Projekt gesteckt haben." Hoffentlich bleibt diesem neuen Italo-Mustang von Giugiaro wenigstens das Schicksal des Bertone-Mustang erspart: Das von Vater Giugiaro designte Modell gilt als verschollen.

jüp

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