Ölraffinerie in Leuna: "Deutschlands Kanzlerin betreibt eine Lobbyarbeit, die schädlich ist"
Foto: dapdDas Europaparlament hat sich gegen eine obligatorische EU-weite Erhöhung der Dieselsteuer ausgesprochen. Ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission fand am Donnerstag im Straßburger Parlament keine Mehrheit. Grundsätzlich nahmen die Parlamentarier aber den Vorschlag der Brüsseler Behörde an, der eine EU-weite einheitliche Grundlage für die Besteuerung von Energie vorsieht.
Grund für den Reformvorschlag ist die unterschiedliche Besteuerung von Kraftstoffen. Benzin wird zur Zeit deutlich höher besteuert, obwohl Diesel eine höhere Energiedichte hat. Die Reform hätte eine Besteuerung nach Energieeinheit vorgesehen - und den Wettbewerbsvorteil von Diesel aufgehoben.
Eine höhere Dieselsteuer hätte mittelfristig durchaus Vorteile, wie Experten glauben. Denn Europa ist ein Dieselbiotop, wie es auf der Welt sonst kaum vorkommt. In anderen Märkten, wo Diesel nicht anders besteuert wird, werden Autos mit Selbstzünder-Motor kaum nachgefragt, stattdessen deutlich mehr Hybridautos verkauft.
Die EU-Volksvertretung hat in Fragen der Steuerpolitik allerdings kein Mitentscheidungsrecht. Das letzte Wort hat der Rat als Vertretung der Mitgliedstaaten, der zudem einstimmig entscheiden muss. Da einige Länder - darunter Deutschland - bereits ein Veto angekündigt haben, hat die EU-Kommission keine Chancen, sich mit ihrem Vorschlag durchzusetzen.
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.
Woraus bestehen Kraftstoffe? Teil I: Basis für alle Kraftstoffe ist Erdöl. Um Kraftstoffe zu gewinnen, wird das Erdöl zunächst von Wasser und anderen Verunreinigungen wie Gestein gereinigt, man spricht jetzt von Rohöl. Es besteht unter anderem aus verschiedenen Kohlenstoffverbindungen, die sich vor allem in ihrer Länge und der Anzahl der Kohlenstoffatome unterscheiden.
Woraus bestehen Kraftstoffe? Teil II: Im Rohöl sind etliche Kraftstoffe enthalten, unter anderem Autogas (LPG), Benzin und Diesel. Durch das Erhitzen (destillieren) des Rohöls trennt man die Kraftstoffe von einander. Bei rund 40 Grad entweicht Propan und Butan, das es an der Tankstelle als LPG oder Autogas zu kaufen gibt. Bei einer Temperatur zwischen 150 und 180 Grad wird die Chemikalie Naphtha frei, die durch den Zusatz von Additiven. zu Benzin veredelt wird. Das restliche Rohöl wird nun auf rund 350 Grad erhitzt, es entsteht das sogenannte Mitteldestillat, dass ebenfalls durch den Einsatz von Additiven zu Diesel veredelt wird.
Warum ist Diesel billiger als Benzin: Der Preis an der Tankstelle setzt sich aus dem Einkaufspreis, der Energiesteuer und dem Deckungsbeitrag zusammen. Aufgeschlagen wird dann noch die übliche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent. Für Dieselkraftstoff wird eine Energiesteuer von 47,04 Cent pro Liter fällig. Für Benzin jedoch 65,45 Cent. Rein rechnerisch müsste Diesel also stets 18,41 Cent günstiger sein. In der Vergangenheit war die Differenz oft deutlich geringer. Die Mineralölkonzerne begründen dies mit der stärkeren Nachfrage nach den Dieselkraftstoff.
Warum verbrauchen Dieselfahrzeuge weniger: Entscheidend für den Verbrauchsunterschied ist der unterschiedliche Energiegehalt der beiden Kraftstoffe. Wegen der langkettigen Kohlenstoffverbindungen enthält Dieselkraftstoff mehr Energie als Benzin. Sie wird bei der Verbrennung im Motor frei und treibt den Wagen voran. Im Prinzip ist es wie beim Essen. Fettreiche Nahrung liefert dem Körper wegen der chemischen Zusammensetzung mehr Kraft als kohlenhydratreiche Speisen.
Warum ist der CO2-Ausstoß beim Diesel höher: Die längeren Kohlenstoffketten des Diesels enthalten zwar mehr Energie, haben aber auch Nachteile. Denn aus dem Kohlen- und Wasserstoff der enthaltenden Moleküle entsteht bei der Verbrennung eines Liter Diesels mit dem Luftsauerstoff 2,64 Kilogramm CO2. Weil - vereinfacht gesagt - ein Liter Diesel mehr Kohlenstoff enthält, entsteht auch mehr CO2 als bei der Benzinverbrennung. Dort fallen nur 2,33 Kilogramm des Treibhausgases an.
Warum zieht ein Diesel besser? Für die Beschleunigung eines Autos ist das Drehmoment die entscheidende Größe. Bei einem Selbstzünder ist dieser Wert meist höher, weil unter anderem das Kraftstoff-Luft-Gemisch höher verdichtet wird. Ein Mercedes-Diesel komprimiert zum Beispiel im Verhältnis 16,2 zu 1, ein Benziner jedoch nur 9,3 zu 1 - das Kraftstoff-Luft-Gemisch wird also beim Diesel viel stärker zusammengepresst. Deswegen kommt der Selbstzünder bei 88 PS auf ein Drehmoment von 300 Nm, der Benziner leistet jedoch bei deutlich höherer Drehzahl 150 PS und kommt auf vergleichbar bescheidene 310 Nm
Im Prinzip bietet sich der Vergleich zwischen einem Gewichtheber (Diesel) und einem Sprintläufer (Benziner). Der Gewichtheber muss mehr Gewicht (Drehmoment) stemmen, bewegt sich aber langsamer (Drehzahl). Der Sprinter hingegen ist möglichst leicht, sehr flink - kann aber nicht so viel stemmen.
Melden Sie sich an und diskutieren Sie mit
Anmelden