Neue Mercedes-Kompaktwagen Der Sandwich ist gegessen

Stuttgart rüstet auf: Mit in der sogenannten Sandwich-Bauweise konstruierten Modellen der A- und B-Klasse ist Mercedes bereits in der Kompaktklasse aktiv. In Zukunft soll es vier verschiedene Typen geben - die werden allerdings wieder in klassischer Manier gebaut.


Mit der A-Klasse, dem spektakulären Elchtest sei Dank, machte Mercedes vom Start weg im Jahre 1997 Furore. Das lag aber nicht nur am überraschenden Umfaller bei den Testfahrten eines schwedischen Journalisten, sondern vor allem an der für Mercedes bis dahin eigentlich kaum vorstellbaren Auto-Kategorie. Denn Kompaktwagen mit Stern auf der Haube hatte es noch nie gegeben.

Mercedes A-Klasse: Das gerade renovierte Modell wird in voraussichtlich fünf Jahren von einem komplett neuen Auto abgelöst

Mercedes A-Klasse: Das gerade renovierte Modell wird in voraussichtlich fünf Jahren von einem komplett neuen Auto abgelöst

Inzwischen sind die Stuttgarter froh, dass sie den Schritt ins automobile Unterhaus getan haben. Von der ersten Generation der A-Klasse wurden zwischen 1997 und 2004 rund 1,1 Millionen Exemplare verkauft, die zweite Generation des Modells kommt seither auf gut 600.000 Fahrzeuge. Und von der etwas größeren B-Klasse wurden seit deren Debüt 2005 bis heute rund 350.000 Fahrzeuge verkauft. Beide Autos fallen durch ihre hoch aufragende Keilform auf, die wiederum ein Ausdruck des sogenannten Sandwich-Konzepts ist, bei dem Motor und Getriebe nicht direkt vor der Fahrgastzelle sitzen, sondern schräg unterhalb vor den Insassen angeordnet sind.

Dies sollt die Crashsicherheit der vergleichsweise kleinen Autos verbessern, erhöhte aber zugleich den Aufbau. Damit blieb Mercedes kaum Spielraum für andere Modellvarianten, doch das soll sich in Zukunft ändern. "Es wird künftig vier eigenständige Modelle im Kompaktwagen-Segment von Mercedes-Benz geben", sagt Unternehmenssprecher Marc Binder. Und zwar in klassischer Bauart.

Die Vorbereitungen zur Produktion dieser Autos laufen derzeit an. Im Werk Rastatt, wo bislang A- und B-Klasse gebaut werden, investieren die Schwaben 600 Millionen Euro, "um langfristig die volle Nutzung der Kapazitäten" zu gewährleisten, wie es nebulös heißt. Zugleich soll in den kommenden fünf Jahren eine neue Fabrik im ungarischen Kecskemét südlich von Budapest entstehen, wo ebenfalls die Modelle der neuen Kompaktklasse vom Band laufen sollen. Der "Mercedes-Modulbaukasten macht das möglich", erklärt Binder, denn die technischen Komponenten der Fahrzeuge werden immer austauschbarer.

Kooperation mit BMW bei einzelnen Bauteilen möglich

Gut möglich, dass einige Bauteile auch von BMW kommen werden, denn die Gespräche über etwaige Kooperationen "laufen gut", sagt Binder. Vom Tisch seien allerdings anfängliche Überlegungen, auch bei der Plattform mit einem anderen Hersteller zu kooperieren.

Trotz der vielen Gleichteile - im Fachjargon ist von "hoher technischer Integration" die Rede - wird es sich beim künftigen Quartett um äußerlich völlig unterschiedliche Autos handeln. Die neue Kompaktklasse von Mercedes wird vermutlich aus einem Auto mit dem in diesem Segment typischen Schrägheck bestehen, aus einem sportlichen Coupé, aus einem eher familienorientierten Kompaktvan und voraussichtlich auch aus einem kompakten SUV. Mit welchen Buchstabenkürzeln die Autos bezeichnet werden, sei noch nicht klar. "Aber da bietet unsere Nomenklatura ja reichlich Möglichkeiten", sagt Binder.

Wichtige Autos, um den Flottenverbrauch zu drücken

Für Mercedes-Chef Dieter Zetsche ist die Auffächerung der kleineren Modellreihen auch aus politisch-ökologischen Gründen wichtig. "In der besonders verbrauchseffizienten Kompaktwagenklasse wird Mercedes-Benz noch mehr faszinierende Premium-Automobile anbieten", sagt Zetsche. Was er nicht extra erwähnen muss ist die Tatsache, dass durch den geringeren CO2-Ausstoß dieser sparsameren Modelle die nach wie vor erheblichen Schadstoffemissionen der dicken Luxusschlitten seines Hauses ausgeglichen werden können.

Wie es aussieht, könnten die neuen Kompaktmodelle pünktlich zu den strengeren EU-Vorschriften, die 2012 in Kraft treten sollen, auf die Straßen rollen. Denn nachdem beide Modellreihen, A- und B-Klasse, eben noch einmal renoviert wurden, dürften sie in vier bis fünf Jahren von ihren jeweiligen Nachfolgern und deren neuen Derivaten abgelöst werden.

jüp



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