Neuer BMW 1er Fitnesskur gegen den Hängebauch

Audi hat bereits Skizzen vom kommenden A3 verschickt und Mercedes eine Studie der künftigen A-Klasse gezeigt. Beginnen aber wird BMW den Premierenreigen in der gehobenen Kompaktklasse. Noch vor den Konkurrenzmodellen tritt der neue 1er an. Hier sind die ersten Fotos.


Es war ein Einstand nach Maß. Mehr als eine Million Fahrzeuge seit Herbst 2004 machen den 1er für BMW zum Erfolgsmodell. "Wir haben uns mit dem ersten BMW-Angebot in diesem Segment aus dem Stand ganz oben in der Kompaktklasse etabliert", prahlt Dietmar Zimmerhackl. Er ist Entwicklungsleiter der Baureihe und wird im September auf der IAA in Frankfurt die zweite Generation des Autos an den Start bringen. Keine leichte Aufgabe, denn die wichtigsten Konkurrenten stehen ebenfalls in den Startlöchern. Mercedes bringt im Herbst die B-Klasse auf die Straße, die nächste A-Klasse folgt kurz darauf, und Audi legt derzeit letzte Hand an den A3 - alle Neuen sollen natürlich sportlicher, sparsamer und nobler werden.

Während Mercedes einen radikalen Kurswechsel avisiert und Audis Marketingleute von einem großen Schritt nach vorn reden, setzt BMW auf Feinarbeit im Detail: Die ersten, jetzt veröffentlichten Fotos des neuen Fünftürers zeigen ein Auto mit durchaus neuer Optik. Stilistische Scharten wie den viel kritisierten Hängebauch, jene nach unten durchhängende Linie zwischen den beiden Achsen, haben die Bayern ausgewetzt. Und die zerklüfteten Flächen der ersten Baureihe wurden geglättet.

Geblieben sind die knackigen Proportionen und das hohe Heck. Weil das Auto aber in alle Richtungen wächst - neun Zentimeter in die Länge, zwei Zentimeter in die Breite - und auch die Spurweite zulegt, steht der 1er künftig noch satter auf der Straße. "Das war unsere Absicht", sagt Zimmerhackl. "Schließlich ist der Wagen in diesem Segment das einzige Auto mit Heckantrieb. Diese Alleinstellung und die daraus resultierende Fahrdynamik wollten wir bereits auf den ersten Blick erkennbar machen."

An die Bugpartie jedoch muss man sich erst gewöhnen. Zwar ist sie so eigenständig, dass - anders als bei der Konkurrenz - eine Verwechslung mit den größeren Modellen ausgeschlossen scheint. Doch die leicht nach vorn gekippten BMW-Nieren wirken ebenso wie die Scheinwerfer fast schon zu groß für den mit einer Länge von 4,32 Metern noch immer kompakten Wagen.

Neue Ausstattungslinien sollen mehr Differenzierung schaffen

Obwohl der 1er eher nach Evolution als Revolution aussieht, treiben es die Designer ziemlich bunt - zumindest bei den neuen Ausstattungslinien, die BMW mit dem Modellwechsel einführt. Es gibt das Einstiegsmodell der Bayern fortan als "Sport" und "Urban", die sich durch farbliche Akzente an etlichen Details - BMW-Nieren, Einsätze in den Stoßfängern oder Spiegelkappen - unterscheiden; im Innenraum gibt es jeweils spezielle Sitzpolster, Ziernähte und Konsolen. Beim Typ Sport ist die Grundfarbe des Zierrats außen schwarz und innen rot, und beim Typ Urban ist alles in weiß gehalten, so dass das Cockpit verdächtig nach Apple-Design aussieht.

Wichtigster Fortschritt aber ist das verbesserte Platzangebot. Vorn lässt die tiefe Sitzposition viel Luft über den Köpfen. Das Lenkrad liegt gut zur Hand und das um den Fahrer gebogene Cockpit ist übersichtlich gestaltet. Noch deutlicher ist das Wachstum aber im Fonds erkennbar. Knie- und Schulterfreiheit wuchsen jeweils um zwei Zentimeter, und größere Türen erleichtern überdies den Einstieg. Jetzt fühlen sich auch Erwachsene dort auf längeren Strecken wohl.

Die Technik teilt sich der 1er mit dem kommenden 3er, der ebenfalls im Herbst Premiere feiern wird. Das gilt für Bodengruppe und Fahrwerk, und es gilt zum Großteil auch für die Motoren, bei denen BMW jetzt ausschließlich auf Direkteinspritzung und Aufladung setzt. Es gibt zum Start drei Dieselaggregate mit 116 bis 184 PS und zwei in dieser Baureihe neue 1,6-Liter-Benziner. Im 116i leistet der Vierzylinder 136 PS und im 118i kommt er auf 170 PS. Mit diesen Motoren erreicht der 1er Spitzengeschwindigkeiten zwischen 200 und 228 km/h und Verbrauchswerte zwischen 4,3 und 5,9 Litern.

Auf Wunsch gibt es für alle Varianten Achtgang-Automatik

Alle Motoren kombiniert BMW mit einer Start-Stopp-Automatik, und zum ersten Mal in dieser Klasse gibt es durchgängig die Option auf eine Achtgang-Automatik. Ebenfalls neu ist das Eco-Pro-Programm, das man über den gleichen Schalter anwählt wie den Sportmodus. Dann werden nicht nur Motor- und Getriebesteuerung, sondern auch die Klimaanlage und weitere Verbraucher auf Effizienz getrimmt und der Verbrauch um bis zu 20 Prozent gesenkt.

Trotzdem avisiert BMW-Mann Zimmerhackl für das nächste Frühjahr eine spezielle Efficient-Dynamics-Edition des 116d, die mit verfeinerter Spartechnik auf einen Verbrauch von 3,8 Litern kommen soll. Aber auch für sportliche Kunden gibt es einen Nachschlag: Neben einem 128i steht auch wieder eine Sechszylinder-Variante auf dem Modellfahrplan. Der übrigens ist prall gefüllt. "Der Modellwechsel geht ja jetzt erst los," sagt der Projektleiter und kündigt als nächste Variante für Frühjahr 2012 den Dreitürer an. Coupé und Cabrio sind dann anschließend an der Reihe.

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insgesamt 78 Beiträge
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cor 06.06.2011
1. Alles sieht gleich aus
Also ich muss da schon sehr genau hinschauen um Unterschiede zum Vorgängermodell zu erkennen. Aber der Kunde möchte die Langeweile ja offensichtlich.
rgw_ch 06.06.2011
2. Wieso wachsen Autos?
Was mich nicht nur bei BMW nervt ist, dass der Nachfolger innerhalb derselben Modellreihe grundsätzlich grösser, breiter und schwerer sein muss. Wenn man auf kompakte Autos steht, kann man "seinem" Modell nie treu bleiben sondern muss bei jedem Wechsel wieder schauen, welcher Hersteller noch was passendes im Angebot hat... Auch der 1er BMW ist mir nun definitiv zu gross und etwas, was in mein Schema passt (rund 4m Länge, mind. 4 Plätze, gutes Fahrverhalten) gibt es bei BMW gar nicht mehr. Sowas findet man mittlerweile fast nur noch im japanischen oder französischen Kleinstwagensortiment.
freeride 06.06.2011
3. faceBUCK???
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-68798-8.html ihr habt euren sponautoredaktionsberufsorientierungspraktikanten nicht wirklich die kommentare zu den bildern schreiben lassen ohne anschiessend korrektur zu lesen, oder? wieviel kompetenz kann man da insgesamt ueberhaupt noch erwarten? freeride
audiotom 06.06.2011
4. bäh.
Gruselig was BMW da veranstaltet. Haben sie den 5er noch einigermaßen hübsch zurechtgemacht, greifen sie (zumindest für mich) optisch beim 1er total daneben. Erstmal diese komische Schnute mit den hängenden Augen und dann hinten eine Kopie des aktuellen Polo? Sehr schade, die Studien/Fotomontagen die man bisher sehen konnte sahen eigentlich vielversprechend aus.
johnmoneyshot 06.06.2011
5. Aber wirklich...
Zitat von audiotomGruselig was BMW da veranstaltet. Haben sie den 5er noch einigermaßen hübsch zurechtgemacht, greifen sie (zumindest für mich) optisch beim 1er total daneben. Erstmal diese komische Schnute mit den hängenden Augen und dann hinten eine Kopie des aktuellen Polo? Sehr schade, die Studien/Fotomontagen die man bisher sehen konnte sahen eigentlich vielversprechend aus.
Da bin ich voll bei Ihnen. Der 5er ist zwar nicht spektakulär, aber zumindest optisch recht ausgewogen und für mich gelungen. War der alte 1er auf den zweiten Blick ansprechend (dann aber richtig), ist der neue 1er m.E. eine optische Katastrophe. Man fragt sich, ob wirklich allen Ernstes jemand über mehrere Monate (oder Jahre) an diesem Design gefeilt hat. Aber vielleicht ist Letzteres sogar die Erklärung für dieses Unglück. Es sieht so aus, als wäre zu wenig Fahrgastkabine an zu viel Motorhaube angeflanscht.
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