Neuer Farbtrend Lack matt

Am Samstag ist das Auto dran: aussaugen, waschen und polieren. Bis der Lack glänzt wie eine Glatze im Hochsommer. Doch dieses Pkw-Schönheitsideal verliert an Reiz. Immer öfter stellen Autohersteller neue Modelle vor, die statt zu schillern seidenmatt schimmern.


Das sieht aber matt aus - dieser Satz klingt nicht nach einem Kompliment. Doch das könnte sich rasch ändern, zumindest wenn es um Autos geht. Denn immer öfter tauchen auf Messen Modelle auf, die nicht auf Hochglanz poliert sind, sondern deren Karosserie eher stumpf aussieht, beinahe rau, auf jeden Fall aber ungewöhnlich und besonders. "Die Lichteffekte sind sehr interessant und Konturen sind viel besser zu erkennen", sagt Mercedes-Sprecher Gerd Eßer, wenn man ihn nach den Vorteilen von Mattlack fragt. Die Stuttgarter haben jetzt erstmals ein Serienmodell mit matter Lackierung vorgestellt.

Mercedes SLK "Edition 10": Schimmerndes Experiment mit Mattlack

Mercedes SLK "Edition 10": Schimmerndes Experiment mit Mattlack

Die Sonderserie des Cabrio-Coupés SLK "Edition 10" gibt es auf Wunsch in "Allanitgrau Magno", einem metallisch schimmernden Grauton, der nicht wie üblich mit einer glänzenden Klarlackschicht überzogen ist, sondern mit einem matten Klarlack. "Wir wollen sehen, wie der Markt auf diese neuartige Lackierung reagiert", sagt Eßer. Es ist bereits der dritte und bislang größte Mercedes-Vorstoß in Sachen Mattlack nach einem von Giorgio Armani gestylten CLK vor vier Jahren und einem Sondermodell der G-Klasse im vergangenen Jahr. Es muss also was dran sein am Mattlack-Trend, der auf den Messen schon länger zu beobachten ist.

"Auch die Oberfläche eines Autos ist entscheidend für die Kaufentscheidung", sagt Designerin Michaela Finkenzeller von der Firma BASF Coatings, die den Mattlack für Mercedes herstellt. "Bei den vergangenen Automessen kam es bei den in matt lackierten Autos immer wieder zu Streichelszenen. Die seidig-sanfte Anmutung verführt offenbar dazu, die Oberfläche anzufassen." Ein Effekt, den sich immer mehr Autohersteller zunutze machen möchten. VW etwa bietet für ein Golf-GTI-Sondermodell zumindest matt lackierte Felgen an. Lamborghini zeigte auf dem Salon in Paris matt lackierte Supersportwagen - und Seat stellte bereits vor knapp einem Jahr eine Studie in einem betörenden Blau vor, das beinahe so aussah, als ob man es eben noch mit einem 500er-Schleifpapier behandelt hätte.

Die Kunst des gleichmäßigen Lackauftrags

Aus technischer Sicht wird, um diesen Effekt zu erhalten, eine Mattierung in den Klarlack eingearbeitet, der die abschließende Schicht über dem sogenannten Basislack - das ist die farbgebende Lackschicht - bildet. Heikel ist die Verarbeitung des matten Klarlacks, denn der muss bislang noch per Hand aufgetragen werden. Denn während es beim hochglänzenden Klarlack keine Rolle spielt, wenn die Schicht nicht an jeder Stelle die exakt gleiche Dicke aufweist, entstünde bei mattem Klarlack durch solche Schwankungen der Eindruck, als sei die Lackierung fleckig und der Farbton nicht gleichmäßig.

BASF Coatings und Mercedes experimentieren derzeit mit dem Einsatz von Mattlacken im Serienprozess, also in Lackierrobotern. Denn sollte sich der Trend durchsetzen, wäre das Auftragen des matten Klarlacks per Hand viel zu umständlich und teuer. Während der Lackhersteller DuPont, der noch keinen matten Klarlack anbietet, auf die mangelhafte Reparaturfähigkeit der Mattlacke hinweist, behauptet BASF Coatings, dass man bereits solche Reparaturlacke entwickelt habe.

Sollten sich matte Lackierungen durchsetzen, würde sich auch der Ablauf des Samstags für Besitzer solcher Fahrzeuge ein wenig ändern. Denn poliert werden dürfen die Mattlacke keinesfalls, weil sonst die Wirkung dahin ist. Ein Lackexperte: "Das sähe dann aus, wie eine satinierte Sektflasche, die man mit frisch eingecremten Fingern angefasst hat."



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