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Neuer Range Extender: Strom aus der Ersatzradmulde

Foto: KSPG

Neuer Range Extender Wenn's mal länger dauern soll

Ein Automobilzulieferer will das Ausdauerproblem von Elektrofahrzeugen lösen. Mit einem neu entwickelten Range Extender sollen sogar kleine E-Mobile bis zu 500 Kilometer weit fahren. Dafür muss eigentlich nur das Ersatzrad weichen.

Allmählich wird es eng. Jetzt schnurrt der elektrisch angetriebene Fiat 500 schon 50 Kilometer durch die Kölner Peripherie, der Akku ist fast leer und weit und breit keine Ladesäule in Sicht. Erhöhte Nervosität beim Fahrer wäre jetzt eine völlig normale Reaktion. Doch in diesem Auto gibt es keinen Grund zur Reichweitenangst.

Denn wir sitzen nicht in einem Serienmodell, sondern in einem Prototyp des Automobilzulieferers KSPG und des Ingenieursdienstleisters FEV. Die Unternehmen haben den Kleinwagen mit einem Range Extender bestückt - also mit einem Verbrennungsmotor, der bei Bedarf während der Fahrt Strom produziert. Das Antriebsprinzip ist zwar bekannt, beispielsweise aus dem Opel Ampera oder als Option beim BMW i3. Aber dieser Prototyp ist etwas Besonderes.

Die interessanteste Neuerung des Vorserienmotors von KSPG sind die ultrakompakte Bauweise, das geringe Gewicht und die enorme Laufruhe. Motor plus Nebenaggregate benötigen kaum mehr Platz als das Reserverad und passen deshalb selbst in einen Kleinwagen. Das Gewicht liegt bei etwa 60 Kilo und ist im Vergleich zu größeren Akkus für einen ähnlichen Reichweitengewinn ein Witz, von den Kosten mal ganz abgesehen.

Ein V2-Benziner mit 0,8 Liter Hubraum und 41 PS ist im Heck unterm Ladeboden positioniert. Die Maschine hat keinerlei Verbindung zu den Rädern, sondern treibt zwei faustgroße Generatoren an. Die produzieren, von einer ausgeklügelten Betriebsstrategie gesteuert, während der Fahrt Strom und leiten ihn in das Akkupaket unter der Rückbank. Durch diesen Trick steigt die Reichweite des elektrischen Prototypen von 65 auf rund 500 Kilometer bei einem Normverbrauch von 1,4 Litern pro 100 Kilometer.

Das Merkmal eines Zwölfzylinders

Wenn man genau hinhört, kann man sachte Verbrennungsgeräusche hören, doch das leise Schnattern geht im Fahrtwindrauschen unter, zumal der Motor nur bei höherem Tempo gezündet wird. Und zu spüren ist der Zweizylinder tatsächlich nicht. Selbst eine Euro-Münze, hochkant auf den Motorblock gestellt, fällt nicht um - weder beim An- oder Ausschalten des Motors, noch im Betrieb.

Entwickler Jakob Andert sagt: "Das klappt sonst nur bei Zwölfzylindermotoren, und auch erst dann, wenn der Motor läuft." Die Erklärung des Ingenieurs: "Die beiden Generatoren sind so gewählt, dass sie mit ihrer gegenläufigen Drehrichtung die Schwingungen der aufrecht stehenden Kurbelwelle genau ausgleichen."

Dass der Motor dennoch je nach Beanspruchung bis zur Höchstdrehzahl von 4500 Touren dreht, bemerkt man nur beim Blick auf den Bordcomputer. Dort sieht man auch, wie trotz munterer elektrischer Fahrt die Reichweite auf einmal nicht mehr schmilzt, sondern sogar stetig zunimmt. Durch die komplexe Bauweise des Antriebs sind derzeit allerdings noch keine Nachrüstungen möglich.

Glaubt man KSPG-Sprecher Folke Heyer, sind die Autohersteller trotzdem durchweg neugierig auf den Motor. Die Entwicklungschefs aus Stuttgart, München oder Wolfsburg seien nach ersten Testfahrten voll des Lobes gewesen, so Heyer. Mehr allerdings wurde daraus bislang noch nicht. "Was uns noch fehlt, ist ein konkreter Auftrag", sagt Heyer. Sollte der erteilt werden, wären noch etwa eineinhalb Jahre Arbeit nötig, um das Aggregat serienreif zu machen. Der Preis des Motors? Läge nach Angaben des Zulieferers bei weniger als 2000 Euro.

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