Neuer Viertürer von Smart Lustloser Lückenfüller

Anscheinend ist kein Fehler zu groß, als dass man ihn nicht zweimal machen könnte: Obwohl Smart mit seinem Fünftürer Forfour auf Basis eines Mitsubishi-Modells grandios scheiterte, plant die Daimler-Tochter schon wieder einen Japan-Klon. Darunter wird die Marke weltweit leiden.


Die Kooperation mit Renault und Nissan ist unter Dach und Fach, die Modellplanung für die nächsten Jahre fertig; dank dem Carsharing-Projekt Car2Go gilt Smart plötzlich als einer der innovativsten Mobilitätsanbieter. Und mit seinem elektrischen Roller ist die Daimler-Tochter einer der Stars auf dem Pariser Salon - besser geht es kaum. Selbst wenn die Absatzzahlen der Kleinstwagenmarke noch immer im Keller sind, war Smart zuletzt auf einem sehr ordentlichen Kurs.

Doch jetzt macht der Bonsai-Benz einen wilden Schlenker, der die Marke gefährlich nah an den Abgrund bringen könnte: Obwohl Daimler-Chef Dieter Zetsche noch vor wenigen Monaten die Eigenständigkeit von Marke und Modellen versprach und jedem Smart seinen individuellen Charakter garantierte, bringen die Schwaben nun einen Smart-Klon aus Japan an den Start.

Grund dafür sind die schlecht laufenden Geschäfte in den USA - den Amis ist der Smart schlichtweg zu winzig. Um den Absturz zu bremsen, wird es dort bald einen Fünfsitzer geben, der nichts anders ist als ein schlecht verkleideter Nissan. Zwar hält sich Daimler selbst fein raus und kommuniziert das neue Modell als eigenständige Idee von Smart USA, einem Tochterunternehmen der Penske Group, die für Daimler jenseits des Atlantiks den Vertrieb übernommen hat. Doch so ganz ohne den Segen aus Stuttgart kann Importeur Roger Penske die Nissan-Nummer nicht eingefädelt haben.

Die Erweiterung des Modellportfolios tut zwar bitter Not. Und nirgendwo ist der Druck so groß wie in Amerika. Denn hatten die Schwaben dort in ihrem ersten Jahr 2008 einen Glanzstart mit über 24.000 Einheiten hingelegt, brach der Absatz danach dramatisch ein. Im vergangenen Jahr waren es nicht einmal 15.000 Smarts, und für dieses Jahr melden amerikanische Medien nur knapp 5000 Zulassungen.

"Um voran zu kommen, brauchen wir möglichst schnell ein weiteres Auto mit mehr Plätzen und mehr Türen", hatte die neue US-Markenchefin Jill Lajdziak deshalb bereits im Frühjahr gefordert. Und Penske sekundiert: "Wir verzeichnen eine kontinuierliche Nachfrage unserer Kunden nach einem Smart mit größerem Sitzplatzangebot."

"Wir werden die Einzigartigkeit des Smarts bewahren"

Trotzdem ist der Schnellschuss aus zwei Gründen kritikabel. Erstens hat Daimler im Frühjahr auch deshalb eine Entwicklungskooperation mit Renault-Nissan verkündet, weil in diesem Rahmen neben dem Nachfolger des Zweisitzers Fortwo auch ein neuer Viersitzer entwickelt werden sollte. Und zweitens hatten die Schwaben zuletzt immer wieder betont, dass ein Smart nur dann erfolgreich sein könne, wenn er seinen ganz eigenen Charakter habe.

Diese Lehre hatten die Stuttgarter sie dem Forfour-Desaster gezogen. Der XL-Smart wurde als Zwilling des Mitsubishi Colt konstruiert - und fiel bei den Kunden glatt durch. "Dem Auto fehlte das Alleinstellungsmerkmal, das war nur ein bunter und teurer, aber trotzdem konventioneller Kleinwagen", rekapitulierte ein Manager damals in seltener Offenheit. Deshalb hatte Vertriebsvorstand Joachim Schmidt im Vorfeld der Renault-Kooperation versprochen, dass genau so etwas nie mehr passiert: "Wir werden die Einzigartigkeit des Smarts bewahren."

Was jetzt passiert, ist das genaue Gegenteil. Statt auf den für 2014 oder 2015 avisierten XL-Smart - wieder mit Tridion-Sicherheitszelle und dem markentypischen Heckantrieb - aus den eigenen Reihen zu warten, hat US-Partner Penske offenbar so lange und laut genörgelt, dass jetzt der neue Nissan Micra als lustloser Lückenbüßer herhalten muss. Gebaut in Mexiko und zumindest in dieser Form eigentlich nicht für den US-Markt vorgesehen, bekommt er wie eine schlechtes Tuning-Modell neue Front- und Heckschürze und ein anderes Markenlogo - und fertig ist der Smart für vier.

Im Fachjargon heißt dieses Verfahren Badge Engineering, weil dabei nur das Markenlogo, also das "Badge" ausgetauscht wird. Doch für Smart könnte sich das Manöver als Bad Engineering erweisen und die Glaubwürdigkeit nachhaltig erschüttern. Denn auch wenn das Auto nur in den USA verkauft werden soll, strahlt der Smart-Schmuh weltweit aufs Image des Konzerns ab, der ansonsten mit dem Slogan "Das Beste oder nichts" wirbt.

US-Chefin Lajdziak müsste besser wissen, auf was sie sich einlässt. Schließlich war sie zuvor bei General Motors für die Marke Saturn verantwortlich, die den Amerikanern umgebadgte Opel-Modelle schmackhaft machen sollte. 2009 wurde Saturn beerdigt.



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mollinger, 07.10.2010
1. Erstmal im eigenen Laden gucken
Daimler hat schon längst einen fünfsitzigen Smart im Programm - die A-Klasse. In Komfort und Qualitätseindruck viel näher an Smart als an den größeren Mercedes-Modellen, und bislang in den USA nicht zu haben. Hier hätte sich Badge Engineering gelohnt.
Mr Bounz 07.10.2010
2. diese Amis
Immer die gleichen Fehler und die deutschen sind mal wieder zu wenig selbstbewusst um den ahnungslosen Amis die Meinung zu sagen. Wird der Marke Smart nicht gut tun. Sehr Schade!!! Die Herren werden schon sehen was Sie davon haben. MrBounz
obelix111 07.10.2010
3. Ansichtssache
Endlich mal vom Design her ein Modell, was zumindest halbwegs nach Auto aussieht und schon bärmeln manche, dass die Marke den Bach runtergeht. Nonsens!!! Design ist immer eine Geschmacksfrage und ich wette, dass 50% meiner Meinung sind und 50% Anhänger der Untergangstheorie. Fakt ist: Die Akzeptanz von Elefantenrollschuhen ist hierzulande schon sehr fragwürdig und bei den Amis brauchen wir nicht drüber zu reden! Es bringt nichts, die richtige Idee zur falschen Zeit zu haben, insofern wird sich mit dem neuen Auto nur am Markt orientiert - und dass man dies mit einem Partner zusammen tut ist in der Autowelt heute Usus. Nennt mir eine Autoklitsche, die ihre Teile nicht auch an andere verhökert ...
MDen 07.10.2010
4. mollinger ist smart
Die Idee, die A-Klasse und evtl. auch noch die B-Klasse in den USA als Smarts zu verkaufen, halte ich auch für die smartere Lösung. Diese Modelle passen von ihrem Konzept her nicht zu dem, was Mercedes in den USA darstellt, sehr wohl aber zu dem eh außergewöhnlichen Prinzip von Smart. Und deutsche Autos haben in den USA ihren ganz eigenen Ruf, den man besser von der japanischen Konkurrenz abgrenzt. Eigentlich will man deutsche Autos "made in Germany", schon die Produktion in den USA oder (schlimmer)in Mexico verwässert dieses Image. Und noch etwas zum Rebadging oder Umfirmieren: Nach dem Ende von Saturn wird der Opel Insignia in den USA jetzt als "first German engineered" Buick Regal und "if there was ever a time for an American Autobahn" beworben. - Die Autobahn-Idee ist dabei von VW geklaut ("Autobahn for all event"). - Und VW nun wieder verkauft in den USA den "Routan", der eigentlich ein Chrysler RT ist. - Vielleicht macht diese MArken-Augenwischerei ja doch irgendeinen Sinn...
Flightkit, 07.10.2010
5. also, ich finde den doll
den würde ich mir sofort kaufen. Ich sammele solche Autos. Auch der 2-türige Smart ist ja schon ein richtiger Renner, dem nur eines fehlt. Ich würde ihn halt noch etwas teurer machen, damit daraus das Szene-Auto wird. Was ich jedoch vermisse, ist ein kleiner Smart-Roadster. Vielleicht mit zwei originellen Dachführungen, unter denen man wählen könnte? Oder wie wäre es mit einem Dreirad? Ein Fünfrad? Und bitte mit ausgestellten Kotflügeln. Damit man das pimpen sich sparen kann. So wie bei der S- Klasse. Jaja, seit Merkel durchziehen inspirierende Emotionen den deutschen Automobilmarkt. Auch das Grün des Modells ist als Zitat durchaus dezent, udn doch aussagemächtig. Erinnert unterschwellig an die Jacken von Claudia Roth. Unsere nächste Bundeskanzlerin.
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