Neuheiten in der Luxus-Liga Schick, schnell und sündhaft teuer

Offenbar lässt sich Luxus in der Autoindustrie noch immer verkaufen. Während Hersteller von Otto-Normal-Autos um die Existenz ringen, stehen die Nobelmarken noch vergleichsweise gut da. Auf der Messe in Genf zeigen sie die rasanten Träume, für die man ein gut gefülltes Bankkonto braucht.

Volker Mornhinweg flaniert gut gelaunt durch die Messehallen. Während Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche zerknirscht nach einem Ausweg aus der Autokrise sucht, stapeln sich bei Mornhinweg, dem Chef der Mercedes-Tuningmarke AMG, die Vorbestellungen für einen neuen Flügeltürer, der demnächst gebaut werden soll. "Wir erleben eine Sonderkonjunktur, die losgelöst ist vom normalen Marktgeschehen", sagt Mornhinweg.

Gerade beim Autosalon in Genf wird die Schizophrenie der Branche deutlich. Auf der einen Seite wird der Ruf nach billigen Kleinwagen immer lauter, und Autos wie der Tata Nano oder der VW Polo stehlen klassischen Business-Modellen die Schau. Auf der anderen Seite aber können AMG, die M GmbH von BMW, Ferrari, Maserati oder Lamborghini Rekordbilanzen präsentieren und weitere Traumwagen vorstellen. Luxus läuft: 2008 war für viele Nobelmarken das beste Geschäftsjahr überhaupt.

Branchenkenner gehen zwar davon aus, dass angesichts ausbleibender Boni und kollabierter Aktiendepots in diesem Jahr auch das Luxussegment um bis zu 40 Prozent schrumpfen wird. Doch verglichen mit den Volumenherstellern geht es den Glamour-Marken noch gut.

Das gilt vor allem für die Sportwagenhersteller, die ihre Klientel mit limitierten Sonderserien bei Laune halten. Vollkommen neue Modelle gibt es in dieser Klasse kaum, dafür aber diverse Sondereditionen. Den Lamborghini Murciélago etwa als neue Variante "Super Veloce", die um 100 Kilogramm leichter und um 30 PS stärker ist. Angeblich wurden unmittelbar nach der Messepremiere bereits die ersten 100 der insgesamt 350 geplanten, je 300.000 Euro teuren Exemplare bestellt.

Nach dem gleichen Muster beschleunigt Mercedes den Abverkauf des SLR und rückt in Genf den Radikal-Roadster "Stirling Moss", der 850.000 Euro kostet, ins Blickfeld. Groß werben müssen die Schwaben für den offenen Zweisitzer ohne Dach und Scheiben nicht: Die meisten der lediglich 75 Exemplare sind längst vergeben.

Ferrari mit Formel-1-Technik, Aston Martin aus Kohlefaser

Noch kleiner ist die Auflage des 700 PS starken Ferrari 599XX, mit dem die italienische Marke den Gewinn des Konstrukteurstitels der vergangenen Formel-1-Saison feiert. Je nach Marktlage sollen rund zwei Dutzend der mit reichlich Karbon beplankten Flundern gebaut werden. Der Preis steht zwar noch nicht endgültig fest, wird aber sicher weit über den 250.000 Euro des Serienmodells liegen.

Trotzdem ist das Gerät aus Maranello fast noch ein Schnäppchen im Vergleich zu dem Supersportwagen, mit dem sich Aston Martin für den nächsten James-Bond-Film in Position bringt: One-77 heißt der Bolide, dessen Kohlefaserchassis aus dem Rennsport kommt und den Preis auf 1,4 Millionen Euro treibt. Dafür gibt es außerdem einen 7,3 Liter großen V12-Motor mit mehr als 700 PS und extreme Fahrleistungen (von 0 auf 100 in 3,5 Sekunden, Spitze über 320 km/h). Serienmäßig ist die Exklusivität, denn diesen Wagen werden lediglich 76 Gleichgesinnte fahren. Dagegen ist das offene Modell DBS Volante, der direkt neben dem One-77 Weltpremiere feiert, fast schon ein Allerwelts-Auto.

Bugatti baut ein Einzelstück für 1,35 Millionen Euro

"Die Einzigartigkeit ist in dieser Liga ein wichtiges Verkaufsargument", sagt Nick Margetts vom Marktforschungs-Unternehmen Jato Dynamics. "Sobald die Produktion beschränkt ist, wird ein Sportwagen zum Sammlerstück und verkauft sich deutlich leichter." Am konsequentesten spielt Bugatti diese Karte: Den Veyron "Blue Centenaire" zum hundertsten Geburtstag des Autobauers ließ Firmenchef Franz-Josef Paefgen in der "kleinsten Kleinserie der Welt bauen": es gibt nur ein einziges Auto, derzeit zu besichtigen auf dem Messestand in Genf. 1,35 Millionen Euro netto kostet das Unikat - angeblich gibt es schon fünf Kaufinteressenten.

Auf der Exklusivitäts-Klaviatur spielen nicht nur Sportwagenhersteller. Auch der neue Maybach Zeppelin, mit dem die Luxussparte von Mercedes an die Firmengründung vor hundert Jahren erinnert, ist limitiert: Für jedes Jahr Maybach-Geschichte wird ein Auto gebaut, das von außen an der Zweifarb-Lackierung und von innen an noch mehr Luxus zu erkennen ist. Der Preis steigt um beinahe zehn Prozent auf 483.000 Euro für den kurzen und 563.000 Euro für den langen Protzwagen - und für knapp 5000 Euro extra gibt es eine Parfüm-Beduftungsanlage im Fond.

Ein kleiner Rolls-Royce, ein grüner Bentley

So reich an Absurditäten der Luxusschlitten-Markt ist - selbst hier lässt sich mitunter ein zaghaftes Umdenken registrieren. Rolls-Royce zum Beispiel backt kleinere Brötchen, oder besser: baut demnächst ein etwas dezenteres, aber immer noch feudales Auto. In Genf steht die Studie 200EX, eine stattliche Limousine, die allerdings rund einen halben Meter kürzer ist als das Modell Phantom - und rund 200.000 Euro billiger.

Die schwedische Extremsportwagenmarke Koenigsegg enthüllte in Genf das viersitzige Coupé Quant, das von zwei Elektromotoren zu Höchstleistungen getrieben wird - noch aber eine Studie ist. Und die britische VW-Tochtermarke Bentley zeigt den Continental Supersports als ökologisches Feigenblatt. Weil manche Kunden nach Angaben eines Bentley-Sprechers durchaus kritische Fragen zu Verbrauch und CO2-Ausstoß stellen, gibt es nun das erste Modell der Marke, das auch Ethanol (E 85) tanken kann. Um den Pseudo-Klimaschützer attraktiv zu machen, wurde der Zwölfzylindermotor auf 630 PS hochgerüstet. So wird das Coupé zum stärksten, schnellsten und wohl auch saubersten Serien-Bentley der bisherigen Firmenchronik.

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