New-York-Premiere Der Maybach im Visier des Geldadels

Die Blicke derer, die größere Summen Geld anzulegen gedenken, sind auf die Wall Street gerichtet. Und genau dort rückt DaimlerChrysler die Luxuslimousine Maybach ins rechte Licht.


Luxuslimousine Maybach: An der Wall Street ins rechte Licht gerückt
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Luxuslimousine Maybach: An der Wall Street ins rechte Licht gerückt

New York - DaimlerChrysler will mit dem von Mercedes-Ingenieuren entwickelten Auto für Superreiche im schmalen Segment der Luxuslimousinen künftig die Nase vorn haben. Deshalb lief der Maybach auch nicht im finsteren Bauch eines Frachtschiffes in den New Yorker Hafen ein, sondern in einer überdimensionalen Glasvitrine an Bord des Luxusliners "Queen Elizabeth 2".

Der in Sindelfingen gebaute erste Maybach war vor einer Woche in Southampton (Großbritannien) verschifft worden und an Bord der "Queen Elizabeth 2" bereits gebührend vom anwesenden Publikum bestaunt worden. Am Dienstag hatte ein Helikopter den Container an Land gebracht, von wo der Maybach begleitet von einer Polizeieskorte in die Wall Street fuhr.

"Mehr als hundert Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von luxuriösen Automobilen haben DaimlerChrysler prädestiniert, den Namen Maybach zu neuem Leben zu erwecken", sagte Vorstandsmitglied und Mercedes-Benz- Chef Jürgen Hubbert bei der Präsentation des 360.000 Euro teuren Fahrzeugs in der Wall Street vor 350 Journalisten aus aller Welt.

Platz ist in der kleinsten Hütte ...

Platz ist in der kleinsten Hütte ...

Nach 60 Jahren hat DaimlerChrysler die legendäre Marke der zwanziger und dreißiger Jahre wiederbelebt - damals galt der Maybach als Luxusauto für Königshäuser und Filmstars. Wilhelm Maybach, der 1901 mit Gottlieb Daimler den ersten Mercedes konstruierte, baute mit seinem Sohn Karl nur 1800 Exemplare. Wilhelms Enkelin Irmgard Schmid-Maybach nahm sichtlich bewegt an der Vorstellung des neuen Maybach in New York teil.

Der Ort für die Weltpremiere des Autos wurde bewusst ausgewählt. Etwa 40 Prozent der Jahresproduktion von 1000 Fahrzeugen sollen in den USA abgesetzt werden. 25 Prozent sollen nach Angaben von Marketing-Chef Leon Hustinx in Westeuropa verkauft werden, 20 Prozent in Asien und der Rest vor allem im Mittleren Osten und Russland. In Deutschland dürften 90 bis 100 Autos abgesetzt werden, schätzt Hustinx.

Und auch der Chauffeur wird vermutlich keinen Grund zur Klage haben

Und auch der Chauffeur wird vermutlich keinen Grund zur Klage haben

Als Kundengruppe im Visier haben die Automanager Menschen mit einem Vermögen von 30 Millionen Dollar aufwärts. Der Kampf im prestigeträchtigen Markt der Super-Luxus- Limousinen wird dadurch weiter angefacht. Rolls Royce könnte Anfang 2003 sein neues Modell präsentieren, ein neuer großer Bentley (VW) dürfte 2004 auf den Markt kommen, schätzen Maybach-Manager.

Mit Bugatti und der Audi-Traditionsmarke Horch könnte es weitere potenzielle Mitbewerber geben. Hustinx: "Wenn der Maybach und der neue Rolls Royce Erfolg haben, werden anderer folgen."

Der Maybach 62 mit seinen fast 6,20 Metern dürfte bis auf weiteres das längste Luxusauto bleiben. Neben der Serienausstattung wie DVD-Player, Kühlschrank, drei Handys, TV-Bildschirmen und zwei Klimaanlagen hat er im Fond zwei verstellbare Liegesitze.

Der kleinere Maybach 57 wird Ende September beim Pariser Autosalon vorgestellt. Beide Versionen haben unter der Haube einen neuen 12- Zylinder-Bi-Turbo-Motor mit 550 PS - laut DaimlerChrysler der stärkste Motor in einem Serienauto.

Die erste Maybach-Studie war 1997 in Tokio gezeigt worden - damals noch unter dem Namen Mercedes-Benz. Kundenbefragungen beispielsweise in Tokio, Hongkong, London oder New York hätten aber ergeben, dass die angepeilte Klientel lieber einen exklusiveren Namen für ein so teures Auto bevorzugten. Der Maybach erhalte aber die komplette technologische Unterstützung durch die Schwester-Marke Mercedes-Benz, betonte Hubbert. Weltweit werden für den Vertrieb Maybach-Zentren eingerichtet, in Deutschland neben Sindelfingen noch in Berlin und Hamburg.



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