Cabrio-Schmiede in Kalifornien Was für ein Aufschneider!

Ein Ex-Medizinstudent aus Kalifornien betreibt heute eine der exklusivsten Cabrio-Manufakturen der Welt. Statt Chirurg zu werden, befreit er lieber Autos vom Dach. So eine Umwandlung kann bis zu zwei Millionen Dollar kosten.

Tom Grünweg

Aus Huntington Beach berichtet


Eigentlich wollte Al Zadeh Chirurg werden. Doch dann kam dem Medizinstudenten vor über 30 Jahren ein alter MG B dazwischen. Der Roadster war so lausig verarbeitet, dass sich Zadeh den Wagen gründlich vorknöpfte und fortan viel öfter in der Garage stand, als im Hörsaal zu sitzen. Einerseits scheiterte daran Zadehs Krankenhaus-Karriere, andererseits jedoch machte er die Kunst des scharfen Schnitts trotzdem zu seinem Beruf.

Heute hantiert er nicht mehr mit dem Skalpell, sondern mit der Flex - oder besser: er lässt hantieren. Denn Zadeh ist Chef der Firma Newport Convertibles in Huntington Beach, Kalifornien, und hat wahrscheinlich mehr Autos das Dach abgeschnitten, als jeder andere Cabrio-Nachrüster.

Je besser der MG B wurde, desto öfter baten ihn Freunde um Rat und Hilfe. Dann verguckte er sich in einen Porsche 928, kaufte ihn und rüstete ihn für Kalifornien um - und das bedeutete: er schnitt dem Auto das Dach ab. Auch das kam in seinem Bekanntenkreis gut an. Flugs wurden aus Freunden Kunden und aus dem Hobby ein Geschäft.

Das florierte rasch. Auch deshalb, weil die Hersteller damals dem Thema Cabrio höchst reserviert begegneten. "Damals taten sich die Firmen extrem schwer damit, ein Cabrio auf den Markt zu bringen. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, dass ein offenes Auto ordentliche Stückzahlen bringt. Viele Kundenwünsche blieben deshalb unerfüllt", sagt Zadeh. Für ihn war diese Situation ideal, denn nun standen all jene, die gerne ein Cabrio haben wollten, mit ihren Coupés und Limousinen bei ihm Schlange.

Das ist auch heute wieder so. Nach einem kurzen Cabrio-Boom nimmt die Lust am offenen Auto weltweit ab. Das Angebot von Großserienherstellern schrumpft. So bekommen Modelle wie der VW Eos, der Renault Wind oder die Klappdachcabrios von Peugeot 207CC oder 308CC keine Nachfolger mehr.

Waren es früher vor allem Autos wie Porsche 928, Honda NSX oder Mazda RX7, die Zadeh umbaute, ist sein Portfolio heute sehr viel größer. Denn ungeachtet der Anzahl der Türen schnippelt sein Team auch an Limousinen wie Mercedes S-Klasse, Porsche Panamera oder Chrysler 300 herum - und vor allem an Geländewagen. Der Porsche Cayenne wird bei Newport Convertibles ebenso in ein Cabrio verwandelt wie ein Hummer, Toyota FJ oder - im Augenblick sehr gefragt - ein Range Rover. Aktuell stehen drei Exemplare des britischen Luxus-SUV in seiner Werkstatt; zwei werden in Cabriolets verwandelt, das dritte in ein dreitüriges Coupé.

Jüngster Trend: Prius oder Tesla mit Faltverdeck

Wenn die Kunden es wünschen, greift Zadeh auch dort zur Flex, wo es der Ästhetik des Autos nicht unbedingt zuträglich ist. Abgetrennt wurden unter anderem schon das Dach eines Jaguar XJ, BMW X6 oder Cadillac Escalade. "You dream it, we build it", lautet das Firmenmotto und der Chef sagt: "Wir wollen doch den Träumen unserer Kunden nicht im Wege stehen." Selbst dann nicht, wenn daraus stilistische Albträume werden.

Der jüngste Trend - vor allem auf dem Heimatmarkt Kalifornien - sind besonders umweltfreundliche Cabrios. Und so befreite Zadeh bereits ein paar Dutzend Toyota Prius von ihren fest verschweißten Dächern und hat soeben mit dem Umbau eines Tesla S zum Cabriolet begonnen.

Die Arbeit an einem Auto dauert oft mehrere Wochen. "Es ist ja nicht damit getan, das Dach abzuflexen und ein Zelt darüber zu spannen", sagt Zadeh. Vor allem müssten die Sicherheit und Fahrbarkeit des Wagens erhalten werden. Deshalb fertigen die rund 140 Mitarbeiter von Newport Convertible nicht nur maßgeschneiderte Verdecke und passen das Interieur den neuen Verhältnissen an. "Sondern natürlich wird auch die Karosserie versteift und das Fahrwerk modifiziert", sagt Zadeh. So kann es vorkommen, dass eine besonders gründliche und individuelle Cabrio-Operation bis zu zwei Millionen Dollar kostet.

Auch in Dubai und Barcelona kreischt demnächst die Flex

"Viele Autos bekommen wir aus dem Mittleren Osten und aus Europa", berichtet der Firmenchef. Aber nicht mehr lange. Denn eigens für die internationale Kundschaft baut Newport Convertible gerade Werkstätten in Dubai und Barcelona auf, wo vorerst die Modelle Range Rover und Tesla umgebaut werden können. "Anfangs planen wir dort mit bis zu fünf, später mit mehr als zwanzig Autos im Monat", sagt Zadeh und zückt die Preisliste für Europa. Der Umbau der Autos zum Cabrio kostet demnach 59.900 Euro, die Verwandlung in ein zweitüriges Coupé 69.000 Euro - das Basisfahrzeug natürlich exklusive.

Privat hat sich der König der Auto-Aufschneider längst abgewandt von den offenen Modellen. Er habe "in seinem Leben genug Sonnenbrände gehabt", sagt er lakonisch zum Abschied. Dann steigt er in seinen Cadillac Escalade mit Standard-Blechdach und fährt vom Hof.



insgesamt 7 Beiträge
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kenterziege 01.11.2014
1. Ein paar Modelle gefallen mir ganz gut...
....., so z.B. der Umbau des Tesla in ein Cabrio und in ein Coupé! It never rains in southern California. Daher kann man wohl auch das Zuschweißen von Türen und das anschweißen der erforderlichen Verstärkungen riskieren. Was den Korrosionsschutz betrifft, bin ich skeptisch. Aber die meisten Kunden sitzen ja wohl im Orient. Da kommt es nicht so darauf an!
mimamausebär 01.11.2014
2. Muss man aus der Nähe sehen
So auf Fotos mögen die US-Umbauten teils ganz hübsch sein, das müsste man aber aus der Nähe sehen. Was ich mir bisher genauer betrachtet habe, insbesondere an "Stretch"-Limousinen, was autobauerisch unter aller Kanone. Miserable Spaltmaße und jedes nachgerüstete Blech, in flachem Winkel gesehen, mit einer Cellulite als wäre es von Hand in Form getrieben worden. Die Ergebnisse aus den Großwerkzeugen der Serienfertigung kann man eben nicht so leicht nachahmen.
deBeers 01.11.2014
3. Oh, hab ich gedacht,
...ein 76er Bitter CD ! Ist aber das um Coupé geschweißte Tesla Model S
raber 01.11.2014
4. Cabrios für Sonnenhungrige
Einige Modelle, besonders die Tesla, sehen ganz gut aus. Der Range Rover mit Faltdach sieht ungeöffnet einfach hässlich aus; vielleicht wäre ein anderes Foto vorteilhafter gewesen. Der Cayenne sieht wie im Prairie-Jagd-Look aus. Einen aufgeschnittenen Toyota FJ habe ich gesehen und muss sagen, dass der Wagen irgendwie genau dafür passt. Leider wird die Produktuon des FJ eingestellt. SUV-Cabrio hat es bis vor wenigen Monaten noch in den USA gegeben. Es war der von Fabrik aus gelieferte Nissan Murano, der aber ein Flop wurde. Der Cadillac Escalade ist ein ganzes Stück grösser als die gezeigten Autos und bei den Platzverhältnissen in den USA auch ohne Schwierigkeiten (Parkplätze, Strassenbreite, usw.) einsetzbar. Falls ich mich nicht irre, liegt die weltweit höchste Cabrio-Dichte in Deutschland. Wohl damit die sonnenvernachlässigte Bevölkerung bei einem Sonnenstrahl es voll ausnutzt. Kalifornien hat mehr als genug Sonne.
Tandor 01.11.2014
5. Erdbeerkörbchen Tesla
Also ich weiß ja nicht was an so einem Erdbeerkörbchen Tesla schön sein soll ? Für mich sieht das nach einem Billigumbau aus, klar ohne den Bügel brauch man mehr Versteifungen, was ins Geld geht und Gewicht bringt. Aber so ist es einfach hässlich.
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