Recherche zu Schmuggelrouten So kommt Kim Jong Un an Luxusautos

Mercedes, Lexus und Rolls-Royce: Kim Jong Uns Fuhrpark kann sich sehen lassen - dabei fallen Luxusautos unter die Sanktionen gegen Nordkorea. US-Recherchen zeigen nun, wie zwei Karossen ins Land gelangten.

Leibwächter eskortieren Kim Jong Uns Mercedes-Limousine, die er eigentlich gar nicht besitzen sollte
Getty Images

Leibwächter eskortieren Kim Jong Uns Mercedes-Limousine, die er eigentlich gar nicht besitzen sollte


Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un hat offenbar ein Faible für Luxusautos. Zum Treffen mit US-Außenminister Pompeo fuhr er im Rolls-Royce vor, bei Gipfeltreffen eskortieren seine Leibwächter joggend seinen Mercedes-Maybach S600 Pullman Guard. Der kostet rund 1,4 Millionen Euro und fällt, genauso wie der Rolls-Royce, als Luxusgut unter die Wirtschaftssanktionen gegen das Land.

Eigentlich dürften es die Luxuskarossen also gar nicht bis nach Nordkorea schaffen. Eine Studie des Center for Advanced Defense Studies, einer US-Nichtregierungsorganisation, die Schmugglernetzwerke und globale Konflikte analysiert, sowie ein Bericht der "New York Times" zeigen allerdings anhand von Versanddokumenten, Satellitenbildern und Experteninterviews, auf welchen Wegen Luxusautos, in diesem Fall zwei Mercedes-Maybach S600, von Europa nach Nordkorea kommen.

Von Rotterdam über China, Japan und Südkorea nach Russland

Die Reise der beiden Limousinen begann im Hafen von Rotterdam. Im Juni 2018 wurden die Autos in versiegelten Containern per Lkw angeliefert und befanden sich in der Obhut der chinesischen Reederei Cosco. Wer die Autos gekauft hatte, blieb laut "New York Times" jedoch unklar. Daimler erklärte lediglich, man überprüfe potenzielle Käufer solcher Fahrzeuge, um das Umgehen von Sanktionen zu verhindern.

Die beiden Karossen erreichten nach 41 Tagen Dalian im Nordosten Chinas und wurden dort am 31. Juli abgeladen. Dort blieben sie bis zum 26. August, bevor es per Schiff ins japanische Osaka weiterging. Nach der Ankunft wurden sie nochmals umgeladen und erreichten am 30. September Busan in Südkorea.

Ein Frachter verschwindet und taucht mit anderer Ladung wieder auf

Ab diesem Zeitpunkt ist die genaue Reiseroute der Autos jedoch lückenhaft: Die Container wurden innerhalb eines Tages auf einen Frachter Namens DN5505 verladen, der unter der Flagge Togos fährt, und sollten Busan in Richtung Nachodka, einer russischen Hafenstadt in der Nähe Wladiwostoks, verlassen. Nach dem Verlassen des Hafens von Busan übertrug das automatische Identifikationssystem des Schiffs jedoch keinerlei Signale mehr und es verschwand - nur um nach 18 Tagen wieder in südkoreanischen Gewässern aufzutauchen, mit 2588 Tonnen Kohle an Bord, die später im Hafen von Pohang an der Ostküste Südkoreas entladen wurden.

Die Kohle stamme den Papieren des südkoreanischen Zolls zufolge aus dem russischen Nachodka, so die Studie. Von dort gelangten die beiden Autos nach Nordkorea - offenbar per Flugzeug.

Drei Frachtmaschinen in Wladiwostok

Denn am 7. Oktober landeten drei Frachtflugzeuge von Air Koryo, Nordkoreas staatlicher Fluggesellschaft, in Wladiwostok - ein Ziel, das sie der Studie zufolge nur selten anfliegen. Anders als das Flugziel ist der Transport von Autos für die drei Frachtflugzeuge und ihre Besatzungen laut "New York Times" jedoch nichts ungewöhnliches, denn mit ihnen werde Kim Jong Uns Fuhrpark bei dessen Reisen ins Ausland gebracht.

Vier Monate später, am 31. Januar 2019, hatten beide Mercedes-Limousinen dann ihren ersten öffentlichen Auftritt. Einer Videoanalyse des auf Nordkorea spezialisierten Portals NKPro zufolge fuhren sie durch die Straßen Pjöngjangs und waren bei einem Fototermin mit Kim Jong Un zu sehen.

Dreh- und Angelpunkt dieses komplizierten Autogeschäfts war laut "New York Times" der russische Geschäftsmann Danil Kazachuk. Denn ihm gehöre die Firma Do Young, in deren Obhut die Autos in Busan übergeben wurden - und der auch der Frachter DN5505 gehört.

Gegenüber der "New York Times" gab Kazachuk zwar zu, für den Frachter zuständig zu sein, wollte sich aber nicht über den Transport der beiden Autos äußern. Das sei ein Betriebsgeheimnis seiner Firma, so Kazachuk: "Warum muss ich jedem sagen, wo ich diese Autos gekauft und an wen ich sie verkauft habe?"

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Im Februar 2019 wurde die DN5505 schließlich von den südkoreanischen Behörden beschlagnahmt - allerdings nicht wegen der beiden Autos, sondern wegen des Verdachts, dass der Frachter zum Transport nordkoreanischer Kohle genutzt wurde. Schiffseigner Kazachuk erklärte dazu jedoch nur, dass er als Eigentümer des Schiffs nicht dafür verantwortlich sei, was der Frachter transportiere.

ene

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
claus7447 18.07.2019
1. Dieser Beitrag wurde von SPON extrea für Beat geschrieben
Hallo Beat - da hat sich der SPON doch endlich erbarmt und für sie die Recherchemühle angeworfen. Ich hoffe Sie bedanken sich bei den Redakteuren ... Nun Russland hat hier mitgemischt - ich hatte ja immer Macau im Verdacht.
anders_denker 18.07.2019
2. Würde sich etwas ändern wenn statt Mercedes
ein Lada gefahren würde? Eigentlich nicht - ausser das es uns Arbeitsplätze kostet erreicht man mit den Sanktionen nichts!
cat69 18.07.2019
3. So viel Text
Ein Embargo verhindert nicht dir Beschaffung grundsätzlich, sie ist nur umständlich und teurer.
kryptonit 18.07.2019
4. Wahnsinn
Es soll mal ein Sack Reis umgefallen sein... In Ernst, soll Kim mit einem Fahrrad fahren? Wahrscheinlich stell sein Land kein adäquates Fahrzeug her und Sanktionen zu umgehen ist nicht besonders schwer.
Spiegelpfau 18.07.2019
5. Sanktionen
Darf ein Geschäftsmann Handelsbeschränkungen einfach so umgehen? Am Ende wird es für Schmuggelware immer einen Weg geben, so wie Drogen auch in reiche Länder den Weg finden und Waffen zu Kriminellen.
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