Nürburgring-Rekorde Die zehn schnellsten Nordschleifen-Runden

Mit Rollerblades über die Nordschleife, mit dem Fahrrad oder in einem Formel-1-Rennwagen. Immer wieder versuchen tollkühne Menschen die legendäre Eifelrunde noch einen Tick rasanter hinter sich zu bringen als alle anderen zuvor. Hier sind die derzeit Schnellsten.
Von Lasse Hinrichs

Die Nürburgring-Nordschleife gilt als die gefährlichste und schönste Rennstrecke der Welt - im Volksmund auch die grüne Hölle genannt. Auf 20,835 Kilometern mäandert der riskante PS-Parcours durch die beschauliche Eifel: 73 Rechts- und Linkskurven, Steigungen von bis zu 17 Prozent, ein maximal elfprozentiges Gefälle sowie ein Höhenunterschied von rund 300 Metern - der Mythos Nordschleife und seine Extrembedingungen ziehen seit mehr als 80 Jahren immer neue Motorsport-Akrobaten in ihren Bann.

Dabei wird die Jagd nach neuen Geschwindigkeitsrekorden leicht zu einem Tanz auf Messers Schneide. Oft sind es nur wenige Zehntelsekunden, die aus ambitionierten Rennfahrern glorreiche Sieger oder tragische Verlierer machen.

Formel-1-Held Clay Regazzoni, Porsche-Legende Stefan Bellof oder Motorrad-Ass Helmut Dähne haben mit ihren spektakulären Fabelläufen einen Platz in der Rennhistorie des Nürburgrings sicher. Aber es gibt auch unkonventionellere Methoden, die Strecke zu meistern. Ob per Fahrrad, auf Inlineskates oder mit einem Supersportwagen mit Hybrid-Antrieb - SPIEGEL-ONLINE stellt zehn Nordschleifen-Rekordhalter vor.

Der Formel-1-Rekord

Clay Regazzoni: Der Schweizer Formel-1-Fahrer hält den Rundenrekord für Formel-1-Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife. Aufgestellt wurde die Bestzeit beim Großen Preis von Deutschland 1975 mit einem Ferrari

Clay Regazzoni: Der Schweizer Formel-1-Fahrer hält den Rundenrekord für Formel-1-Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife. Aufgestellt wurde die Bestzeit beim Großen Preis von Deutschland 1975 mit einem Ferrari

Foto: Getty Images

Den Formel-1-Rundenrekord auf der Nordschleife hält der ehemalige Ferrari-Pilot Clay Regazzoni mit einer Zeit von 7:06,4 Minuten. Gemessen wurde sie 1975 beim Großen Preis von Deutschland. Die damals noch 22,835 Kilometer lange Nordschleifen-Strecke absolvierte der Schweizer in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 192,8 km/h. Im Jahr 1980 musste Clay Regazzoni nach einem schweren Unfall beim Grand Prix in Long Beach (USA) seine Karriere aufgeben. 2006 starb er bei einem Autounfall.

Der Serien-Sportwagen-Rekord

Serien-Sportwagen: Tom Coronel in seinem Dodge Viper SRT-10 ACR mit über 600 PS: Am 18. August 2008 stellte der Niederländer auf der Nordschleife einen neuen Rekord für Serien-Sportwagen. Die Zeit: 7:22,1 Minuten

Serien-Sportwagen: Tom Coronel in seinem Dodge Viper SRT-10 ACR mit über 600 PS: Am 18. August 2008 stellte der Niederländer auf der Nordschleife einen neuen Rekord für Serien-Sportwagen. Die Zeit: 7:22,1 Minuten

So schnell wie Tom Coronel war noch keiner auf der Nordschleife am Nürburgring unterwegs - jedenfalls nicht in einem für die Straße zugelassenen Sportwagen. Am 18. August 2008 legte der niederländische Rennfahrer mit einer mehr als 600 PS starken Dodge Viper SRT-10 ACR die Zeit von 7:22,1 Minuten hin. Tom Coronel hat offenbar Benzin im Blut. Bereits sein Vater Tom Senior war Rennfahrer, und sein Bruder Tim Coronel ist es ebenfalls.

Der Rennwagen-Rekord

Niemand war bislang schneller: Das Bild zeigt die Rekordfahrt von Stefan Bellof beim 1000-km-Rennen 1983 in einem Porsche 956

Niemand war bislang schneller: Das Bild zeigt die Rekordfahrt von Stefan Bellof beim 1000-km-Rennen 1983 in einem Porsche 956

6:25,91 Minuten! Stefan Bellof fuhr die Fabelzeit beim 1000-km-Rennen 1983 mit einem Porsche 956. Im Durchschnitt jagte er mit Tempo 194,33 km/h um die Nordschleifen-Kurven. Weil er im Training eine Zeit von 6:11,13 Minuten (die Zeit gilt nicht als offizieller Rekord) fuhr, gilt Bellof als der einzige Rennfahrer, dem es gelang, die grüne Hölle mit einem Durchschnittstempo von über 200 km/h zu absolvieren. Bellof starb 1985 im 1000-km-Rennen von Spa-Francorchamps bei dem Versuch, Jacky Ickx zu überholen.

Nürburgring: Schnellste Runde mit dem Motorrad

Der große Racer: Marco Lucchinelli fuhr auf einer Suzuki die bislang schnellste Runde auf der Nordschleife. Das Bild zeigt den Zweiradpiloten allerdings auf einer Ducati 851 SBK

Der große Racer: Marco Lucchinelli fuhr auf einer Suzuki die bislang schnellste Runde auf der Nordschleife. Das Bild zeigt den Zweiradpiloten allerdings auf einer Ducati 851 SBK

Foto: Ducati

Marco "Lucky" Lucchinelli verewigte sich in den Annalen der Nordschleifen-Historie beim Großen Preis von Deutschland 1980: mit einer Rundenbestzeit von 8:22,2 Minuten. Sein Motorrad, eine Suzuki mit 500 ccm Hubraum, beschleunigte er dabei im Schnitt auf 163,6 Kilometer pro Stunde. Die offizielle Nordschleifen-Distanz betrug damals noch 22,835 Kilometer. Drei Jahre später wurde die Strecke auf die heute üblichen 20,8 Kilometer verkürzt.

Der Serienmotorrad-Rekord

Rekordfahrt im Mai: Helmut Dähne stellte auf einer Honda RC 30 mit 7:49,71 Minuten einen vermutlich ewigen Rekord für Serien-Motorräder auf

Rekordfahrt im Mai: Helmut Dähne stellte auf einer Honda RC 30 mit 7:49,71 Minuten einen vermutlich ewigen Rekord für Serien-Motorräder auf

Foto: Christoph Altmann / Metzeler

Auf der 20,8 Kilometer langen Nürburgring-Nordschleife hält Helmut Dähne den Rekord für Serien-Motorräder: Am 22. Mai 1993 umrundete der Rennfahrer auf einer Honda RC30 die Nordschleife in 7:49,71 Minuten. Bis auf weiteres dürfte diese Zeit von niemandem zu schlagen sein. Denn seit 1994 werden auf der Nordschleife aus Sicherheitsgründen keine Motorrad-Rennen mehr veranstaltet; die Zweirad-Wettbewerbe finden nur noch auf der Grand-Prix-Strecke statt.

Der Saugmotor-Rekord

Saugmotor-Rekordhalter: Christian "Toto" Wolff aus Österreich setzte am 15. April 2009 bei der Langstreckenmeisterschaft eine mit 7:03 Minuten neue Bestzeit für Fahrzeuge ohne Turboaggregat

Saugmotor-Rekordhalter: Christian "Toto" Wolff aus Österreich setzte am 15. April 2009 bei der Langstreckenmeisterschaft eine mit 7:03 Minuten neue Bestzeit für Fahrzeuge ohne Turboaggregat

Foto: M&M Exhaust

Bis vor kurzem hielt Sabine Schmitz auf einem Frikadelli-Porsche 997 RSR die Bestmarke für Fahrzeuge mit Saugmotor, seit dem 15. April dieses Jahres ist es Christian Wolff aus Österreich mit einem Land-Porsche RSR (500 PS). Bei der Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring unterbot Wolff die Bestzeit von Sabine Schmitz um vier Sekunden. Die neue Marke lautet: 7:03 Minuten. Noch im selben Rennen platzte Wolff in der "Fuchsröhre" ein Reifen, und der Österreicher schied aus.

Der Inlineskates-Rekord

Inline-Akrobat: Der Inline-Speedskater Dirk Auer - hier bei einer Weltrekordfahrt hinter einem Motorrad - setzte auch die Bestmarke auf der Nürburgring-Nordschleife

Inline-Akrobat: Der Inline-Speedskater Dirk Auer - hier bei einer Weltrekordfahrt hinter einem Motorrad - setzte auch die Bestmarke auf der Nürburgring-Nordschleife

Foto: DDP

Unfassbare 10:06 Minuten reichten Dirk Auer, um die Nürburgring-Nordschleife auf Inlineskates abzufahren: Der Extremsportler ließ sich vor dem 24-Stunden-Rennen im Jahr 2000 von einem Alfa Romeo 159 über die Piste ziehen. Am Steuer des Autos: Motorsport-Journalist Burkhard Bechtel. Die Höchstgeschwindigkeit dürfte weit über 200 km/h gelegen haben - ein Witz im Vergleich zu der Weltrekordzeit von 307 km/h, die Auer 1997 auf Inlineskates im italienischen Nardo hinter einem Porsche GT2 fuhr.

Der Hybrid-Fahrzeug-Rekord

Heinz-Harald Frentzen: Der ehemalige Formel-1- und DTM-Rennfahrer ist der bislang schnellste Hybrid-Nordschleifen-Matador. Aufgestellt wurde die Bestmarke mit einem Gumpert Apollo mit V8- sowie Elektromotor

Heinz-Harald Frentzen: Der ehemalige Formel-1- und DTM-Rennfahrer ist der bislang schnellste Hybrid-Nordschleifen-Matador. Aufgestellt wurde die Bestmarke mit einem Gumpert Apollo mit V8- sowie Elektromotor

Foto: ADAC

Die schnellste Nordschleifen-Fahrt in einem Hybridfahrzeug bislang gelang Heinz-Harald Frentzen beim 24-Stunden-Rennen im Mai 2008 (Rundendistanz: 25,378 Kilometer). Der ehemalige Formel-1-Pilot ging mit einem umgerüsteten Supersportwagen der Marke Gumpert Apollo (bis zu 630 PS, 3,3-Liter V8-Biturbo plus 100-kW-Elektromotor) an den Start. Seine schnellste Rennrunde absolvierte Frentzen in einer Zeit von 9:24,88 Minuten. Im Training war er mit 9:13,707 Minuten sogar noch schneller unterwegs.

Der Diesel-Rekord

Diesel-Nordschleifen-Bestzeit: Rekordhalter für Dieselfahrzeuge ist seit dem 6. Oktober 2007 der Rennstall Dieselspeed aus Viersen.

Diesel-Nordschleifen-Bestzeit: Rekordhalter für Dieselfahrzeuge ist seit dem 6. Oktober 2007 der Rennstall Dieselspeed aus Viersen.

Foto: Jochen Merkle

In der Kategorie Dieselfahrzeuge liegt der aktuelle Nordschleifen-Rekord bei 7:48 Minuten. Reinhard Schall vom Team Dieselspeed fuhr die Bestzeit am 6. Oktober 2007 bei der Rundstrecken-Challenge auf dem Nürburgring. Sein Fahrzeug: ein getunter BMW 335d GTR mit 374 PS (und 260 km/h Spitze). Der bisherige Rekord für Dieselfahrzeuge konnte damit um glatte 50 Sekunden unterboten werden, teilt der Viersener Rennstall auf seiner Homepage mit.

Der Fahrrad-Rekord

Fahrrad-Rekord: Seit 2003 findet auf der Nordschleife der Wettbewerb "Rad & Run am Ring" statt. Die Bestzeit im vergangenen Jahr lag bei 38:03 Minuten

Fahrrad-Rekord: Seit 2003 findet auf der Nordschleife der Wettbewerb "Rad & Run am Ring" statt. Die Bestzeit im vergangenen Jahr lag bei 38:03 Minuten

Foto: Eventwerkstatt

Wer die grüne Hölle per Muskelkraft durchqueren möchte, benötigt vor allem eines: stramme Waden. Niemand weiß das besser als die Teilnehmer des alljährlich stattfindenden "Rad & Run"-Rennens auf dem Nürburgring (23,54 Kilometer-Variante). Die Fahrrad-Bestzeit aus dem Jahr 2008 beträgt 38:03 Minuten bei den Männern (Team Voba RSV 06 Nattheim 1 beim 24-Stunden-Rennrad-Rennen) und 43:48 Minuten bei den Frauen (Annika Grüber beim 170-km-Rennen).

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