Abgaswerte von Nutzfahrzeugen EU will CO2-Ausstoß von Lkw und Bussen überwachen

Brüssel will erstmals den Kohlendioxid-Ausstoß von Nutzfahrzeugen ermitteln. Noch geben sich die Hersteller gelassen - doch auf die Messungen könnten Grenzwerte oder andere Auflagen folgen.
Lastwagen auf der Autobahn: "Zertifizierung, Mitteilung und Überwachung"

Lastwagen auf der Autobahn: "Zertifizierung, Mitteilung und Überwachung"

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Brüssel - Jedes Gramm Kohlendioxid, das über dem erlaubten Emissionswert von Autos liegt, kostet die Hersteller in Europa Strafe. Für Lkw und Busse gibt es dagegen keine CO2-Grenzwerte. Das könnte sich allerdings bald ändern: Die EU-Kommission hat am Mittwoch eine Strategie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beschlossen. Als erster Schritt ist dabei geplant, den Ausstoß von Nutzfahrzeugen zu messen.

Im kommenden Jahr soll die Kommission Vorschläge unterbreiten, wie Lkw effizienter und umweltschonender unterwegs sein können. Es gehe zunächst um eine "Zertifizierung, Mitteilung und Überwachung" der Emissionen, sprich: Es muss vereinbart werden, wie der Ausstoß der klimaschädlichen Gase festgestellt wird. Die Kommission hat dafür ein Simulationsprogramm namens VECTO entwickelt.

Im vergangenen Jahr hatte Brüssel strengere CO2-Grenzwerte für Pkw beschlossen - nach langen Auseinandersetzungen mit einigen Herstellern und vor allem der Bundesregierung. Die im Februar verabschiedete Einigung sieht vor, dass im Jahr 2020 95 Prozent aller neuen Pkw maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen - gegenüber 130 Gramm im Jahr 2015.

Die Kommission erwägt mehrere Arten von Auflagen für Nutzfahrzeuge

Die Kommission machte am Mittwoch deutlich, dass schwere Nutzfahrzeuge für rund ein Viertel der Emissionen aus dem Straßenverkehr in der EU verantwortlich seien und deren Abgasausstoß zwischen 1990 und 2010 um 36 Prozent gestiegen sei.

Sind die genauen Werte von Lkw und Bussen erst einmal ermittelt, so hieß es in Brüssel, könnten Vorschläge zur Verringerung der Emissionen folgen: Am naheliegendsten wäre hier laut der EU ein System mit Grenzwerten, wie bei Autos. Denkbar seien aber auch Alternativen wie gesonderte Gebühren für die Straßennutzung oder Steuern.

Die neue Strategie solle nicht nur der Umwelt und dem Klima dienen. Sie werde vielmehr auch zu "Einsparungen für die Fahrzeughalter führen und die Abhängigkeit der EU von Öleinfuhren verringern", hieß es in der Erklärung. Warum es so lange gedauert hat, bis der Ausstoß der Lkw und Busse ins Visier genommen wird, begründete die Behörde mit der technischen Komplexität der Messungen.

Die Fahrzeugindustrie gab sich trotz der geplanten Auflagen am Mittwoch gelassen: Der Branchenverband ACEA  begrüßte in Brüssel, dass die Käufer mithilfe des Simulationsprogrammes künftig mehr Klarheit über die Verbrauchswerte eines Fahrzeugs erlangen könnten. Der Umweltverband Transport & Environment  kritisierte dagegen, die EU gehe zu langsam vor und hinke den USA hinterher. Dort seien bereits Standards für den Kraftstoffverbrauch von Lastwagen eingeführt worden.

cst/Reuters/AFP
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