Nach tödlichem Unfall Österreich debattiert über Fahrradanhänger

In der Nähe von Wien sind bei einem Verkehrsunfall zwei Kleinkinder getötet worden, die im Fahrradanhänger saßen. Die Regeln könnten nun verschärft werden - vor allem die Rechtspopulisten plädieren dafür.
Beim Zusammenstoß eines Autos mit einem Fahrradanhänger waren am Sonntag nahe Wien zwei Mädchen im Alter von ein und vier Jahren gestorben

Beim Zusammenstoß eines Autos mit einem Fahrradanhänger waren am Sonntag nahe Wien zwei Mädchen im Alter von ein und vier Jahren gestorben

Foto: Panthermedia/ imago images

Nach der Kollision eines Pkw mit einem Fahrradanhänger in Österreich mit zwei toten Kleinkindern nimmt die rechtspopulistische FPÖ die Gefährte ins Visier. Auch der Ruf nach einem Fahrverbot klingt bereits mit.

"Fahrradanhänger für Kinder haben auf Straßen nichts verloren", sagte Karl Baron (FPÖ), Fraktionssprecher des Wiener Verkehrsausschusses. "Seit Jahren warnen wir Freiheitliche vor der mangelnden Sicherheit von Radanhängern oder Lastenfahrrädern zum Kindertransport im Straßenverkehr."

Schon das Risiko, Kinder in solchen Anhängern auf Radwegen zu ziehen, sei groß genug, so Baron. Vor allem die geringe Höhe, die schlechte Sichtbarkeit und die fehlende Knautschzone machten diese Fortbewegungsmittel unbrauchbar für den Transport von Kindern auf Straßen.

Gespann wurde 15 Meter in einen Acker geschleudert

Beim Zusammenstoß eines Autos mit einem Fahrradanhänger waren am Sonntag nahe Wien zwei Mädchen im Alter von ein und vier Jahren gestorben. Ein 60-jähriger Autofahrer hatte auf einer Bundesstraße bei Korneuburg nahe Wien den Anhänger erfasst, in dem die beiden Kinder saßen.

Das Gespann wurde etwa 15 Meter weit in einen Acker geschleudert. Die 39-jährige Mutter, die ihre Töchter mit einem Elektrofahrrad zog, wurde verletzt. Der Autofahrer und seine Frau blieben unversehrt. Die Ursache für den Unfall war zunächst unklar.

Die FPÖ-Forderung und Medienberichte, in denen Fahrradanhänger pauschal als Sicherheitsrisiko dargestellt wurden, riefen scharfe Kritik hervor. Das Problem seien nicht die Anhänger, sondern Autos, die mit hoher Geschwindigkeit auf den Straßen führen.

"Gefahr geht von Autos aus, nicht von Anhängern"

"Tatsache ist, dass die Gefahr von jenen Fahrzeugen ausgeht, die mit 1,5 Tonnen und 100 km/h unterwegs sind, nicht von Kinderanhängern", schrieb Verkehrsexperte Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien auf Twitter. "Die Diskussion muss sich also um die Einschränkung des Gefährders Auto drehen, Tempolimits, etc." Insbesondere müssten sichere Radwege gebaut werden, merkten andere Nutzer in sozialen Netzwerken an.

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Die Wiener FPÖ sieht eher bei den Anhängern Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. "Pkw haben in der Regel Airbags und eine Fülle von Sicherheitseinrichtungen, um im Falle des Falles die Insassen bestmöglich zu schützen", sagt Baron. Kinder könnten dagegen nicht entscheiden, ob sie das Risiko eingehen wollen, mit einem vollkommen ungeschützten Verkehrsmittel am Straßenverkehr teilzunehmen.

Helmpflicht auch im Anhänger

Bislang müssen Fahrradanhänger in Österreich unter anderem mit einer vom Fahrrad unabhängigen Lichtanlage und mit Rückstrahlern vorn, hinten und an der Seite ausgestattet sein. Auch eine Bremsvorrichtung und ein Gurt sind Pflicht. In Österreich gilt zudem Helmpflicht für Kinder unter zwölf Jahren im Anhänger - anders als in Deutschland. Inzwischen bestätigte die Polizei, dass die beiden Mädchen bei dem Unfall keinen Helm trugen.

Verkehrsminister Andreas Reichhardt (FPÖ) kündigte nun an, die Kinderbeförderung auf und mit Fahrrädern untersuchen zu lassen. Man wolle Unfallzahlen evaluieren und sich gegebenenfalls die Straßenverkehrsordnung "genau ansehen", äußerte sich eine Ministeriumssprecherin  gegenüber der österreichischen Tageszeitung "Der Standard".

cfr/dpa