Offener Brief Autokonzerne fordern politische Hilfe beim Klimaschutz

Die Chefs führender Autokonzerne machen sich für einen Wandel in der Klimapolitik stark - und geben einen Teil ihrer Verantwortung an den Staat ab. In einem offenen Brief fordern sie, die Politik müsse Autofahrern mehr Anreize schaffen, auf klimafreundliche Modelle umzusteigen.


London/Lissabon - Dieter Zetsche von Daimler ist dabei, Wendelin Wiedeking von Porsche ebenso, auch Martin Winterkorn von Volkswagen, Carlos Ghosn von Renault, Lewis Booth von Ford Motor und Leif Johansson von Volvo haben unterschrieben. Sie alle fordern in einem Leserbrief an die "Financial Times" Unterstützung für die Ziele der Klimakonferenz in Bali - und bitten die Politik um Beistand.

Die Anstrengungen der Autoindustrie, klimaschonende Modelle zu bauen, könnten "wesentlich erfolgreicher" sein, wenn die Staatschefs ihnen mehr helfen würden, heißt es in dem offenen Brief, den die insgesamt 13 Konzernchefs des Lobbyverbands der europäischen Automobilhersteller (ACEA) gemeinsam aufsetzten.

Starre CO2-Richtlinien reichten nicht aus, die Autofahrer dazu zu bewegen, auf schadstoffarme Autos umzusteigen, steht in dem Brief zu lesen. Die Politik solle mit umfangreichen Klimaschutzmaßnahmen gezielt die Verbraucher ermuntern, sich für umweltfreundliche Technologien zu entscheiden. Es müsse mehr Anreize geben, Fahrzeugen mit alternativen Treibstoffen zu kaufen.

Die Regierungen aller Staaten sollten "gründliche und ganzheitliche Maßnahmen" zur Fortsetzung des Kyoto-Abkommens über den Klimaschutz beschließen, fordern die Autobauer.

20 Milliarden Euro stecke der ACEA jährlich in die Forschung und Entwicklung von klimaschützender Technologie - der Großteil der Innovationen verpuffe jedoch, da die Politik sie nicht entsprechend unterstütze. Dennoch sei die Automobilindustrie bereit, die Forschung weiter auszubauen.

In ihrem Brief zeigen sich die ACEA-Chefs enttäuscht darüber, dass die EU nicht länger auf freiwillige Abkommen mit der Autoindustrie setzt, um CO2-Emissionen einzudämmen. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich am 19. Dezember Richtlinien bekanntgeben, wie der durchschnittliche CO2-Ausstoß bis 2012 auf 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer verringert werden soll.

Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat die Umwelt- und Wirtschaftsminister der Staaten dazu aufgefordert, sich bis zu diesem Termin auf ein wirksames Sanktionssystem zu einigen.

ssu/dpa-AFX



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Skarrin, 10.12.2007
1. Noch mehr Subventionen!?
Wenn es wieder nur darum geht, den Autobesitzern Steuergelder rektal einzuführen wie bei der Dieselrußfilter-Nachrüstung, dann bin ich strikt dagegen. Sinnvoll wären allenfalls Modelle wie z.B. in Norwegen, wo Elektroautos von der Mehrwertsteuer und diversen anderen Gebühren befreit sind, oder kommunale "Anreize" wie die Londoner Citymaut (von der abgasarme Fahrzeuge ganz oder teilweise befreit sind). Die Autokonzerne sollen erstmal "klimafreundliche Modelle" zu vernünftigen Preisen auf den Markt bringen (nicht Mondpreise wie beim Lupo 3l), dann wird sich herausstellen ob das Angebot, zusammen mit den steigenden Benzinpreisen, nicht schon Anreiz genug ist. Gruß Skarrin
lobin 10.12.2007
2. die schreien ja danach
Das ist ja nun ein Freibrief für die Politik: Einfach die Fahrzeugsteuer entsprechend dem CO2 Ausstos festlegen. Steuer = (Ausstoss in g/km-120)^2 in Euro. Das ergibt dann bei 120 g/km = 0 Euro 140 g/km = 400 Euro jährlich (20*20) 200 g/km = 6400 Euro jährlich (80*80) Das würde wirken und die Autohersteller von Luxuskarossen würden allesamt auf Ihren CO2 Schleudern sitzen bleiben. (Natürlich ist das etwas einfach dargestellt, es sollte ein Modell gefunden werden, das auch andere Schadstoffe, wie zum Beispiel Feinstaub mitberücksichtigt)
jus99, 10.12.2007
3. Mir wird schlecht!
Klar, dass die Autokonzerne das gerne hätten! Aber nicht, um die Umwelt zu schonen sondern um mehr Autos zu verkaufen. Die Herstellung eines neuen Autos produziert weit mehr Schadstoffe als ein altes Auto, was z.B. auf Gas umgebaut ist. Ein Auto ist um so umweltfreundlicher, je länger es seiner Bestimmung nachgeht.
ritzinger 10.12.2007
4. Subvention
Glauben Sie, dass die Autofahrer reich wurden mit der Förderung von 300€? Ohne die Förderung hätten Sie sich den prozentualen Zuwachs an Nachrüstfiltern an einer Hand abzählen können. Aus ökonomischer Sicht rechnet sich doch die Nachrüstung fast nicht!
Maxl, 10.12.2007
5. Bitte Klartext!
Ohne polemisch klingen zu wollen (wenngleich sich das nicht vermeiden lässt), die entscheidende Frage lautet: Was wollen die Automobilhersteller - einige davon Träger des Worst EU Lobbying Awards 2007 - mit diesem Brief der Politik kommunizieren? Die Financial Times betitelt den Brief: "Carmakers ready to do what it takes to reduce greenhouse gas", Spiegel Online schreibt weniger vielversprechend: "Autokonzerne fordern politische Hilfe beim Klimaschutz". Also im Klartext: Einführung von CO2-, Gewichts-, Tempo- und Verbrauchsobergrenzen für die Zulassung von PKWs mit Verbrennungsmotor durch die Politik? Wohl kaum, aber was dann? Vielleicht "Anreize" in Form von Subventionen für den Kauf eines Neufahrzeuges gerne auch durch Verteuerungen für Halter(innen) älterer Fahrzeuge. Die Welt ist wieder im Lot. Dann könnte die Überschrift aber treffender lauten: "Autokonzerne fordern Subventionszahlungen um Hilfe beim Klimaschutz zu leisten". Klingt aber irgendwie nicht so gut.
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