Oldsmobile Das Ende ist besiegelt

General Motors will Oldsmobile den Benzinhahn abdrehen und die älteste US-Automarke einstellen. Fans und Besitzer von Oldsmobile laufen in den USA gegen die Entscheidung aus der Detroiter Konzernzentrale Sturm.


Der Letzte seiner Art: Oldsmobile 2002 Bravada

Der Letzte seiner Art: Oldsmobile 2002 Bravada

Wann Oldmobile vom Markt verschwindet, steht noch nicht endgültig fest. Doch länger als ein paar Jahre wird sich der GM-Vorstand das Trauerspiel nicht mehr mit ansehen. Als das letzte neue Auto wird der Geländewagen 2002 Bravada mit Sechszylindermotor und 270 PS (200 kW) Leistung auf den Markt kommen. Danach ist Schluss mit Neuerscheinungen.

In den USA formiert sich unter den Fans der Marke inzwischen Widerstand gegen das geplante Aus, das vor kurzem von GM angekündigt worden war. Im Internet sammeln sich die Oldsmobile-Retter unter der Adresse www.saveoldsmobile.org. Eine E-Mail-Aktion, durch die der GM-Vorstand noch umgestimmt werden soll, ist gerade angelaufen. Außerdem wollen Oldsmobile-Besitzer künftig ihre Autos mit schwarzen Trauerfähnchen dekorieren, um durch diese "Black Ribbon Campaign" Aufmerksamkeit zu erregen.

Nützen wird dies alles nichts. Der größte Automobilhersteller hat längst beschlossen, dass es keinen Rettungsversuch für die einstmalige In-Marke mehr gibt. In den sechziger Jahren galten Oldsmobile-Fahrzeuge als technisch innovativ, die so genannten Muscle-Cars der Marke waren begehrt. Noch im Jahr 1977 wurden mehr als eine Million Oldsmobile-Exemplare verkauft. Danach allerdings ging es stetig bergab.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen jagten neue Modelle mit frischen, aufregenden Fahrzeugtypen der traditionellen Limousinen-Marke stetig Kunden ab. Zum anderen neigte sich das Image immer stärker in Richtung altbacken, konservativ, langweilig. Die Marke Oldsmobile, 1897 von Ransom E. Olds in Lansing im US-Staat Michigan gegründet, wurde ihr eigenes Synonym: Automobile für "Oldies". Das Durchschnittsalter der Oldsmobile-Kundschaft lag zeitweise über 60 Jahre. Und auch Werbekampagnen mit Slogans wie "This is not your father's Oldsmobile" konnten die Stimmung nicht mehr drehen, sondern verfestigten eher noch die Vorurteile.

Allerdings trifft das Aus mit Oldsmobile eine Marke, die im Vergleich zu den GM-Divisionen wie Buick oder Pontiac noch durchaus manierliche Verkaufszahlen vorweisen kann. Die treue Fangemeinde hat entsprechende Daten im Internet zusammengestellt, um ihre "Help us keep Oldsmobile Alive"-Aktion mit Argumenten zu unterfüttern. Tatsächlich gibt es Stimmen in den USA, die ein Ende des Booms der Geländewagen und Großraumlimousinen vorhersagen. Dann, so die Spekulation, könnten klassische Limousinen eine Renaissance erleben. Für Oldsmobile würde eine solche Entwicklung allenfalls noch als Requiem taugen.

In Deutschland führte die Marke stets ein Schattendasein. Den aktuellsten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg zufolge sind in Deutschland 302 Fahrzeuge der Marke Oldsmobile zugelassen.

Was bleibt den Fans? Die Erinnerung an zum Teil prächtige "Amischlitten" und das Oldsmobile Heritage Center (oldsmobileheritage.com), wo es zwar keine Autos, aber immerhin Kaffeebecher (4,95 Dollar), Kappen (5,95 Dollar) oder einen Schirm (19,95 Dollar) mit Oldsmobile-Logo zu kaufen gibt. Immerhin wird man als Oldsmobile-Afficionado nicht völlig im Regen stehen gelassen.



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