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22. Juni 2006, 10:01 Uhr

Oldtimer-Festival

Beschleunigtes Alteisen

Ganz Deutschland ist von der Fußball-WM hypnotisiert. Ganz Deutschland? Nein - ein kleiner Ort in der Eifel ist selbst an diesem Achtelfinal-Wochendende fußballfrei. Am Nürburgring findet nämlich das Oldtimer-Festival statt - und zwar ohne Großbildleinwand.

"Nein, eine Großbildleinwand für eine Fußballübertragung gibt es nicht. Denn der Veranstalter sagt, die Schnittmenge aus Motorsport- und Fußballfans ist eher gering." So die Auskunft im Pressebüro des Oldtimer-Festivals, das von morgen bis Sonntag auf dem Nürburgring stattfindet. Der Veranstalter, das ist der Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 e.V., kurz DAMC, der an diesem Wochenende das Oldie-Spektakel bereits zum 24. Mal organisiert.

Insgesamt werden rund 600 historische Renn- und Sportwagen an den Start gehen - und dazu etwa 100 Motorräder. Das älteste Fahrzeug im Teilnehmerfeld ist ein französischer de Dion-Buton aus dem Jahre 1908, die jüngsten Renner waren noch Anfang der 1990er Jahre in Rennserien aktiv. Das Programm ist sehr vielfältig, in Dutzenden von Klassen gehen die Boliden an den Start. So zum Beispiel in der Landstreckenserie, in der so unterschiedliche Autos wie die Corvette Sting Ray mit 7,4-Liter-Achtzylindern, der Ford Mustang bis hin zum Ford Escort oder dem Lotus Elan über die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings fegen werden. Allein in diesem Rennen treten die Autos der Baujahre 1959 bis 1971 in insgesamt 13 Klassen an.

Auch die legendäre Nordschleife wird unter die Räder genommen, und zwar von den so geannten Vintage-Rennwagen, der Klasse mit den ältesten Autos und Motorräder im Teilnehmerfeld. Ebenfalls für Furore sorgen dürften die etwa 50 Triumph- und MG-Roadster, die am Nürburgring zwei Rennen um den Wynn's GT Cup austragen werden. Dazu kommen unter anderem Rennen mit den klassischen Formel-2-Rennwagen, die "Formel-Vielfalt" genannten Rennen ehemaliger Formel-3-Rennautos aus fünf Jahrzehnten sowie der schon traditionelle "Kampf der Zwerge".

Wildes Gewusel vor jeder Kurve

Dabei handelt es sich um rund 70 Autos der Typen Abarth, NSU TT, Steyr-Puch oder Mini Cooper, die mit Motoren unter 1,3 Liter Hubraum an den Start gehen. Die Serie hat durchaus historische Wurzeln, denn zwischen 1960 und 1966 wurde eigens für diese Flitzer ein 500-Kilometer-Rennen auf der Nordschleife ausgetragen. Das dramatische an diesen Läufen ist gerade die vergleichsweise geringe Leistung der Autos, die das fahrerische Geschick und das Draufgängertum der Fahrer umso deutlicher hervorstechen lässt.

Was das Oldtimer-Festival - neben der WM-Abstinenz in diesem Jahr - so besonders macht, ist der freie Zugang aller Besucher in die Boxengasse und ins Fahrerlager. So kann man den Mechanikern beim Schrauben ebenso über die Schultern blicken wie den Fahrern bei den letzten Vorbereitungen für das Rennen. Und hin und wieder darf man sogar in einem klassischen Rennwagen selbst einmal Platz nehmen. Im vergangenen Jahr kamen 12.000 Zuschauer zu der Veranstaltung. Diesmal sollen es mindestens genauso viele werden - und Fußball gucken kann man dann ja immer noch: zwölf WM-Spiele werden nach dem Oldtimer-Festival ab Montag noch angepfiffen.

jüp

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