Dieselfahrverbote Kein H-Kennzeichen mehr für Youngtimer?

Für viele Dieselautos gelten bald Fahrverbote, für Oldtimer nicht. Ein Automobilklub fordert nun, das H-Kennzeichen für Autos aus den Neunzigerjahren auszusetzen.

H-Kennzeichen (Symbolbild)
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H-Kennzeichen (Symbolbild)

Von Haiko Prengel


Im Streit über Fahrverbote für ältere Diesel geraten jetzt auch Oldtimer-Besitzer in Bedrängnis. Der Allgemeine Schnauferl-Club (ASC) fordert, das privilegierende H-Kennzeichen für die nächsten zehn Jahre auszusetzen. Betagte Gebrauchtwagen der Baujahre 1990 bis 1999 sollten nicht freie Fahrt in die Umweltzonen erhalten, während deutlich jüngere Dieselautos mit City-Fahrverboten belegt würden. Dieses würde auf Dauer den "Volkszorn" gegen Oldtimer-Fahrer aufbringen, erklärte Rudolf Körper, Präsident der ASC-Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern.

Der 1900 gegründete Allgemeine-Schnauferl-Club ist einer der ältesten deutschen Automobilklubs und setzt sich vor allem für Fahrzeuge aus der Vor- und Nachkriegszeit ein. Autos aus den Siebziger- und Achtzigerjahren und erst Youngtimer aus den Neunzigern sind den Fans von Vorkriegsoldtimern schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Sie stellen für viele Klubmitglieder keine automobilen Klassiker dar. Körper erklärte auf Anfrage, sein "Denkanstoß" sei mit dem ASC-Bundespräsidium abgestimmt. Ziel sei es, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bereits zugelassenen Oldtimer zu erhalten.

"Es kommt nicht gut, wenn der H-Kennzeichen-Diesel oder der kräftige V8 seine Abgase ungereinigt in die Luft bläst neben einem Euro-4- oder Euro-5-Diesel, der alsbald draußen bleiben muss", schreibt Körper in einem Beitrag für die Fachzeitschrift "Motor Klassik". Mit H-Kennzeichen dürfen alte Autos über 30 Jahre auch ohne Katalysator in Umweltzonen einfahren, zudem gilt eine gedeckelte Kfz-Steuer von jährlich 191 Euro. Das Sonderkennzeichen dient der Pflege des automobilen Kulturguts, daher müssen die Fahrzeuge in einem guten Allgemeinzustand sein.

Moratorium grundsätzlich nicht machbar

Er sei leidenschaftlicher Automobilist und habe für Youngtimer-Fans "maximales Verständnis". Mit VW Golf III, Opel Astra oder Ford Escort kämen aber bald Fahrzeuge ins H-Kennzeichen-Alter, die in großer Stückzahl produziert worden seien und von denen immer noch ein beträchtlicher Restbestand auf den Straßen unterwegs sei. Körper befürchtet, dass diese oft günstigen Gebrauchten mit einem H-Kennzeichen als "Hintertürchen" missbraucht werden könnten, um sorglos in die Fahrverbotszonen der Großstädte einzufahren.

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"Hinter dem Steuer werden viele Schlaumeier sitzen, die Oldtimer zwar schon gesehen haben, ansonsten aber nur in gesperrten Zonen von A nach B fahren wollen", meint Körper. Diese Klientel werde in keinen Klub eintreten und auch keine Oldtimer-Werkstätten aufsuchen. So werde das Drama seinen Lauf nehmen, die Zahl der Autos mit H-Zulassung auf deutlich mehr als ein Prozent steigen, und die jährlichen Fahrleistungen der Oldtimer von durchschnittlich 1.500 Kilometer im Jahr "werden sich wohl vervielfachen".

Der Vorsitzende des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut im Bundestag, Carsten Müller (CDU), wies die Forderung des ASC zurück. "Ein Moratorium beim H-Kennzeichen nur für bestimmte Baujahre ist gesetzlich nicht umsetzbar." Zudem zeuge die Gleichsetzung von Umweltzonen und den Fahrverbotszonen für ältere Dieselautos von fachlicher Unkenntnis.

Zulassungszahlen von Oldtimern steigen seit Jahren an

Der fraktionsübergreifende Parlamentskreis setzt sich für die Interessen der Oldtimer-Fahrer ein. Anfang 2018 waren knapp eine halbe Million historische Fahrzeuge mit H-Kennzeichen zugelassen. Bei insgesamt rund 45 Millionen Kraftfahrzeugen in Deutschland ist ihr Anteil aber immer noch marginal. Zwar steigen die Zulassungszahlen von Oldtimern seit Jahren an. Der Großteil des Zuwachses seien allerdings Klassiker von 1965 bis Ende der Siebzigerjahre, so Müller.

Als "komplett falsch" bezeichnete er die Darstellung, Autos aus den späten Achtziger-, und frühen Neunzigerjahren würden ungereinigt Abgase in die Luft blasen. Die meisten dieser Fahrzeuge hätten geregelte Abgassysteme an Bord. Vor 30 Jahren - zum 1. Januar 1989 - wurde der Dreiwege-Katalysator Pflicht in allen Neuwagen.

Unterstützung erhält der ASC mit seinem Vorstoß dagegen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), deren Klagen zu den Fahrverboten in zahlreichen deutschen Großstädten geführt haben. Schon bei der Einführung der städtischen Umweltzonen sei man gegen Ausnahmeregelungen für Oldtimer gewesen, erklärte Dorothee Saar, DUH-Leiterin für Verkehr und Luftreinigung. Durch die günstigen Gebrauchtwagen, die jetzt an der Schwelle zum H-Kennzeichen stünden, würde sich die Situation noch einmal verschärfen. Vielen Menschen werde das Verständnis fehlen, wenn "alte Karren" wie ein VW Golf 3 demnächst ein H-Kennzeichen bekämen, während für deutlich jüngere Diesel Fahrverbote gelten.



insgesamt 231 Beiträge
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dagmar1308 27.01.2019
1. Auch die Mofas
Müssen generell verboten werden mit ihrem eindeutig in 100 000 Fach höherer Krebs erregender Benzol Emission. Jeder weiß, dass, wenn so einer vor einem fährt, man sogar einen Kotz und Würgeanfall bekommt. Das sind Großstädter, die den Bus nicht nehmen wollen.... Aber Hass auf die Dieselfahrer entwickeln, die aus dem Umland ihre kranken Familienangehörigen in der Universitätsklinik nach Feierabend besuchen.
räbbi 27.01.2019
2.
Ein interessantes Phänomen in dieser kleinen Welt: "Das sind keine richtigen Oldtimer"...Nö Junge, du wirst einfach nur alt, das ist alles. Wer in einem absolut nicht massenproduzierten Käfer als Kind auf er Rückbank gesessen ist (oder 10 Jahre später andere Sachen auf der Rückbank gemacht hat), ist heute minimum 50, eher 60+x. Dein Verein erledigt sich recht zeitnah rein biologisch. Davon ab - ein Golf 3 Benziner mit G-Kat hat sehr, sehr geringe Stickoxid-Emissionen, Feinstaub schon garkeinen. Was kann der Golf dafür, dass man bei VW irgendwann den "Motorschutz" erfunden hat. Damals gings auch ohne.
quaki 27.01.2019
3. wenn es Fahrverbote für gewisse Euronormen
geben wird, dann wird oder darf ein "H" Kennzeichen kein "Heilmittel" dagegen sein.
akkarin 27.01.2019
4. Alte Karre
Ja, und ich fahre so eine "alte Karre" ohne H-Kennzeichen, aber geregeltem Katalysator. Dies aber vor allem deswegen, weil dieses alte Schätzchen schlicht praktisch und zuverlässig ist, und obendrein, mit Ausnahme der Abgassteuerung, mechanisch funktioniert. Aber die Diskussion hier im Artikel geht an der eigentlichen Thematik vorbei, denn es wird immer ein paar Oberschlaumeier geben, die sich dann ganz besonders vorkommen. Aber das geht am Problem vorbei, denn was ist mit denen, die eben keine Wahlmöglichkeit haben, und auch aufgrund ihrer Bonitätsdaten auch keinen billigen geleasten bekommen? Hier muß angesetzt werden, und die Ausrede, daß das schwierig sei, basiert doch nur auf der Tatsache, daß auf der einen Seite eine Industrie weiter auf politische Unterstützung setzt, anstelle Lösungen zu erarbeiten, und auf der anderen Seite, daß die Städte viel zu lange nur an Strassen gedacht haben.
PaulWalker 27.01.2019
5. Antiquiert
Solange die FDP mit ihrer Wählerklinentel nicht Teil der Regierung ist, sollte man beschließen die Steuervorteile und Ausnahmen hinsichtlich der Umweltzonen für Oldtimer völlig abzuschaffen. Das Ganze ist ohnehin antiquiert und ergibt in heutiger Zeit mit der gewachsenen Umwelt- und Klimabedeutung keinen Sinn mehr. Eigentlich handelt es sich um eine klassische Entlastung der Reichen, damit diese günstiger und überall ihre Statussymbole präsentieren können. Die klassischen Oldtimer für die das mal gedacht war, gehören ins Museum und nicht auf die Straße.
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