Dieselfahrverbote Kein H-Kennzeichen mehr für Youngtimer?

Für viele Dieselautos gelten bald Fahrverbote, für Oldtimer nicht. Ein Automobilklub fordert nun, das H-Kennzeichen für Autos aus den Neunzigerjahren auszusetzen.
H-Kennzeichen (Symbolbild)

H-Kennzeichen (Symbolbild)

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / Peter Kneffel/dpa

Im Streit über Fahrverbote für ältere Diesel geraten jetzt auch Oldtimer-Besitzer in Bedrängnis. Der Allgemeine Schnauferl-Club (ASC) fordert, das privilegierende H-Kennzeichen für die nächsten zehn Jahre auszusetzen. Betagte Gebrauchtwagen der Baujahre 1990 bis 1999 sollten nicht freie Fahrt in die Umweltzonen erhalten, während deutlich jüngere Dieselautos mit City-Fahrverboten belegt würden. Dieses würde auf Dauer den "Volkszorn" gegen Oldtimer-Fahrer aufbringen, erklärte Rudolf Körper, Präsident der ASC-Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern.

Der 1900 gegründete Allgemeine-Schnauferl-Club ist einer der ältesten deutschen Automobilklubs und setzt sich vor allem für Fahrzeuge aus der Vor- und Nachkriegszeit ein. Autos aus den Siebziger- und Achtzigerjahren und erst Youngtimer aus den Neunzigern sind den Fans von Vorkriegsoldtimern schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Sie stellen für viele Klubmitglieder keine automobilen Klassiker dar. Körper erklärte auf Anfrage, sein "Denkanstoß" sei mit dem ASC-Bundespräsidium abgestimmt. Ziel sei es, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bereits zugelassenen Oldtimer zu erhalten.

"Es kommt nicht gut, wenn der H-Kennzeichen-Diesel oder der kräftige V8 seine Abgase ungereinigt in die Luft bläst neben einem Euro-4- oder Euro-5-Diesel, der alsbald draußen bleiben muss", schreibt Körper in einem Beitrag für die Fachzeitschrift "Motor Klassik". Mit H-Kennzeichen dürfen alte Autos über 30 Jahre auch ohne Katalysator in Umweltzonen einfahren, zudem gilt eine gedeckelte Kfz-Steuer von jährlich 191 Euro. Das Sonderkennzeichen dient der Pflege des automobilen Kulturguts, daher müssen die Fahrzeuge in einem guten Allgemeinzustand sein.

Moratorium grundsätzlich nicht machbar

Er sei leidenschaftlicher Automobilist und habe für Youngtimer-Fans "maximales Verständnis". Mit VW Golf III, Opel Astra oder Ford Escort kämen aber bald Fahrzeuge ins H-Kennzeichen-Alter, die in großer Stückzahl produziert worden seien und von denen immer noch ein beträchtlicher Restbestand auf den Straßen unterwegs sei. Körper befürchtet, dass diese oft günstigen Gebrauchten mit einem H-Kennzeichen als "Hintertürchen" missbraucht werden könnten, um sorglos in die Fahrverbotszonen der Großstädte einzufahren.

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"Hinter dem Steuer werden viele Schlaumeier sitzen, die Oldtimer zwar schon gesehen haben, ansonsten aber nur in gesperrten Zonen von A nach B fahren wollen", meint Körper. Diese Klientel werde in keinen Klub eintreten und auch keine Oldtimer-Werkstätten aufsuchen. So werde das Drama seinen Lauf nehmen, die Zahl der Autos mit H-Zulassung auf deutlich mehr als ein Prozent steigen, und die jährlichen Fahrleistungen der Oldtimer von durchschnittlich 1.500 Kilometer im Jahr "werden sich wohl vervielfachen".

Der Vorsitzende des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut im Bundestag, Carsten Müller (CDU), wies die Forderung des ASC zurück. "Ein Moratorium beim H-Kennzeichen nur für bestimmte Baujahre ist gesetzlich nicht umsetzbar." Zudem zeuge die Gleichsetzung von Umweltzonen und den Fahrverbotszonen für ältere Dieselautos von fachlicher Unkenntnis.

Zulassungszahlen von Oldtimern steigen seit Jahren an

Der fraktionsübergreifende Parlamentskreis setzt sich für die Interessen der Oldtimer-Fahrer ein. Anfang 2018 waren knapp eine halbe Million historische Fahrzeuge mit H-Kennzeichen zugelassen. Bei insgesamt rund 45 Millionen Kraftfahrzeugen in Deutschland ist ihr Anteil aber immer noch marginal. Zwar steigen die Zulassungszahlen von Oldtimern seit Jahren an. Der Großteil des Zuwachses seien allerdings Klassiker von 1965 bis Ende der Siebzigerjahre, so Müller.

Als "komplett falsch" bezeichnete er die Darstellung, Autos aus den späten Achtziger-, und frühen Neunzigerjahren würden ungereinigt Abgase in die Luft blasen. Die meisten dieser Fahrzeuge hätten geregelte Abgassysteme an Bord. Vor 30 Jahren - zum 1. Januar 1989 - wurde der Dreiwege-Katalysator Pflicht in allen Neuwagen.

Unterstützung erhält der ASC mit seinem Vorstoß dagegen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), deren Klagen zu den Fahrverboten in zahlreichen deutschen Großstädten geführt haben. Schon bei der Einführung der städtischen Umweltzonen sei man gegen Ausnahmeregelungen für Oldtimer gewesen, erklärte Dorothee Saar, DUH-Leiterin für Verkehr und Luftreinigung. Durch die günstigen Gebrauchtwagen, die jetzt an der Schwelle zum H-Kennzeichen stünden, würde sich die Situation noch einmal verschärfen. Vielen Menschen werde das Verständnis fehlen, wenn "alte Karren" wie ein VW Golf 3 demnächst ein H-Kennzeichen bekämen, während für deutlich jüngere Diesel Fahrverbote gelten.

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