Bezahlbare Autoklassiker Alteisen mit Goldanteil

Sie träumen immer noch vom Auto aus Ihrer Kindheit? Hier verraten Experten Kauftipps für Autoklassiker bis maximal 10.000 und 20.000 Euro - von Toyota über Citroën bis Porsche.

Citroen

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Die Preise für Oldtimer sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Das liegt an den sogenannten Specollectors: Spekulanten (speculators), die als Autosammlern (collectors) auftreten und vor allem auf eine maximale Rendite aus sind. Bei vielen Oldtimer-Fans löst das Kopfschütteln aus.

"Im Rekordjahr 2015 wurden sogar verschlissene Oldtimer für mehrere Millionen Euro verkauft, nachdem man sie ein wenig aufgehübscht hat", sagt Norbert Schroeder, Leiter des Kompetenzzentrums Classic Cars des TÜV Rheinland. Doch dieser Trend sei inzwischen abgeebbt. Ein Grund dafür ist die nachwachsende Generation von Autofans, die mit Altmetall aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren immer weniger anfangen kann. "Dafür ist bei den Autos aus den Achtzigern bis Ende der Neunzigerjahre momentan sehr viel Bewegung im Markt", sagt Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic Analytics. "Die Generation die mit diesen Autos groß geworden ist, kommt jetzt langsam in das Alter, in dem sie sich ein solches Fahrzeug als Liebhaberstück leisten kann."

Und viele dieser Autos - das ist die gute Nachricht vom Oldtimer-Markt - sind oft noch in großer Stückzahl und zu moderaten Preisen zu haben. Wer das Auto seiner Kindheit künftig in der eigenen Garage haben möchte, sollte jetzt zuschlagen. Der SPIEGEL hat im Rahmen der Klassikermesse Techno Classica in Essen (5. bis 9. April) Experten nach Tipps gefragt, welche Autos man zu Preisen bis 10.000 oder 20.000 Euro im Blick haben sollte.

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Jürgen Desch, Geschäftsführer "A+C Autoclassic GmbH"

  • Bis 10.000 Euro: "Interessant in diesem Preisbereich sind der Jaguar XJ6 , besser noch der XJ12 oder der Daimler Double Six, alle aus der Serie III. Der Wert dieser Fahrzeuge steigt, sie sind in der Anschaffung aber noch ziemlich günstig, weil sie kaum jemand auf der Liste hat. Beim XJ6 halten sich die Reparaturkosten in Grenzen, beim XJ12 sollte man aufgrund des aufwendig konzipierten Zwölfzylinders etwa das Doppelte an Kosten kalkulieren. Man erhält dafür ein Fahrzeug mit einer hochwertigen Ausstattung und einem Komfort, wie es ihn heute nur noch in der oberen Luxusklasse gibt. Auch der Hinweis auf die Serie III ist wichtig, die Serie I (1972-75) war rostanfällig und hatte Kinderkrankheiten. Die Serie II (1975-77) entstand zur Zeit massiver Streikwellen in England und krankte an schlechter Verarbeitung. Erst die Serie III brachte Jaguar-Daimler den erwünschten Durchbruch. Für viele gehören die Wagen zu den schönsten Limousinen der Welt."
  • Bis 20.000 Euro: "Das Jaguar XJS Coupé ist als Sechs- oder Zwölfzylinder in diesem Preissegment zu haben. Wobei auch hier für das große Aggregat etwa doppelt so hohe Kosten für Unterhalt und Reparatur anfallen wie für den Sechszylinder. Die Preise für den XJS ziehen schon jetzt gewaltig an. Das hängt mit der aktuellen Situation der Marke Jaguar zusammen, die enorm an Image gewinnt. Die aktuellen Autos sind attraktiv und das spiegelt sich wider im Wert der historischen Jaguar-Fahrzeuge. Die Modelle der XK- und E-Type Reihe haben längst ihren Platz in der Klassikwelt gefunden. Die Youngtimer der XJ- und XJS-Reihe werden bald folgen."
Jaguar XJS V12
Getty Images

Jaguar XJS V12


Norbert Schroeder, Gutachter TÜV Rheinland

  • Bis 10.000 Euro: "Zu diesem Preis findet man noch immer den ein oder anderen VW Käfer, obwohl man in diesem Preissegment schnell auf 'geschminkte Gurken' reinfallen kann. Der Käfer gehört immer noch zu den beliebtesten Klassikern in Deutschland und ist ein Sympathieträger. Für junge Leute bedeutet auch das Fahrgefühl eine echte Zeitreise. Wertkonstanz ist garantiert."
  • Bis 20.000 Euro: "Das BMW Z3 Coupé ist zwar noch kein Klassiker, aber definitiv ein Auto, das man sich merken sollte. Dieses Modell hat durch seine Formgebung schon immer polarisiert. Es ist wie mit manchen Kultfilmen - die einen schauen ihn sich zehn Mal in Kino an, die anderen verlassen noch während der ersten Vorstellung den Saal. Aber Vorsicht, das Z3 Coupé hat mit Qualitätsmängeln zu kämpfen: Man sollte versuchen, ein Fahrzeug mit der damals höchstmöglichen Ausstattung und Motorisierung zu finden. Dann dürften Fahrspaß und Werterhalt gesichert sein."

Frank Wilke, Geschäftsführer "Classic Analytisc"

  • Bis 10.000 Euro: "Da fällt mir kein Auto ein."
  • Bis 20.000 Euro: "In diesem Preisbereich sehe ich den Toyota MR 2. Das ist ein kompakter japanischer Sportwagen, den es in dieser Kategorie heute einfach nicht mehr gibt. Das Auto verfügt über eine solide Technik, hat als Besonderheit einen Mittelmotor, und es gibt sogar eine Variante mit Targa-Dach. Das Auto ist gut verarbeitet, hat ein hochwertiges Interieur und eine gute Rostvorsorge ab Werk. Wertschmälernd könnte sich die schwierige Ersatzteillage auswirken. Technische Komponenten sind immer seltener zu finden und noch problematischer wird es bei Karosserieteilen. Die Jahrgänge 1987 bis 1990 verzeichnen einen stabilen Wertzuwachs."
Toyota MR 2
Toyota

Toyota MR 2


Hajo Faber, "Levy Classic Cars"

  • Bis 10.000 Euro: "Die ersten Exemplare des Audi 80 der dritten Generation sind inzwischen schon über 30 Jahre alt und ein guter Tipp für Liebhaber. Das Auto hatte ab Werk eine vollverzinkte Karosserie, Rost ist also kein Thema. Mit dem Audi 80 hat man ein nahezu unzerstörbares Auto, das viele noch heute als Alltagsfahrzeug nutzen. Ein Geheimtipp ist die Ausführung mit 2,3-Liter-Fünfzylindermotor, dessen Sound wirklich etwas Besonderes ist. Gut erhaltene Exemplare gibt es für unter 10.000 Euro."
  • Bis 20.000 Euro: "Für das Geld bekommt man einen schönen Porsche 944 aus den Achtzigerjahren. Gut gepflegte Exemplare werden in diesem Preisbereich zwar immer seltener, mit etwas Glück und Geduld wird man aber fündig. Der 944 hatte schon damals anständige Fahrleistungen und wurde in Transaxle-Bauweise konstruiert. Der Vierzylindermotor des Autos befindet sich also vorn, während das Getriebe an der angetriebenen Hinterachse platziert ist, was zu einer idealen Gewichtsverteilung und verbesserten Fahrdynamik führt. Ein Auto, das richtig Spaß bringt."

Nadim Moufarrej, "AMM Motor Classic"

  • Bis 10.000 Euro: "Für einen Oldie in diesem Bereich würde ich mich vielleicht mal bei Audi umschauen. Der Audi 60 beispielsweise ist ein schönes Modell, das es noch zu Preisen unter 10.000 Euro gibt, und für das noch genug Ersatzteile vorhanden sind. Der Wert des Audi 60 steigt zudem stetig an."
  • Bis 20.000 Euro: "Mit viel Glück findet man den Mercedes SL R107 für um die 20.000 Euro. Dann muss man aber schon ein paar Restaurierungsarbeiten einplanen, denn Modelle in sehr gutem Zustand sind meist deutlich teurer. Hat man ein solches Auto erst einmal in der Garage stehen, wird man damit viel Freude haben. Den SL sollte man also definitiv auf dem Schirm haben, da auch künftig noch mit einer Wertsteigerung zu rechnen ist."

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Expertentipps zum Oldtimerkauf: Klassiker von 10.0000 bis 20.000 Euro

Marius Brune, Geschäftsführer "Classic Data"

  • Bis 10.000 Euro: "Wer US-Cars mag, sollte sich den Chevrolet Caprice anschauen. Bequeme Plüschsitze, samtweiches Fahrwerk und der blubbernde V8-Motor erinnern an die früheren Straßenkreuzer in den USA. Mit 5,39 Meter Länge ist der Caprice noch ein richtiger Ami-Schlitten. Millionenfach produziert, die Preise sind noch immer niedrig, und im Zustand 2 bekommt man den Caprice der dritten Generation, der von 1976 bis 1990 gebaut wurde, für unter 10.000 Euro."
  • Bis 20.000 Euro: "In diesem Preissegment bekommt man mit dem Citroën CX ein Fahrzeug mit skurrilem, avantgardistischem Design fernab der Nüchternheit der heutigen Durchschnittsautos. Er ist nicht nur eine Alternative zum inzwischen unbezahlbaren Citroën DS, sondern verfügt ebenso über ein hydropneumatisches Fahrwerk, mit dem man komfortabel über den Asphalt gleitet."

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang


insgesamt 71 Beiträge
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JerryKraut 05.04.2017
1. Für solche Gurken
auch noch Geld bezahlen? Zu den vorgestellten Fahrzeugen fällt mir nur das Wort Design-Verbrechen ein. Der XJS sticht da besonders hervor bei gleichzeitig mieser Zuverlässigkeit. Dann doch lieber auf einen E-Type sparen.
steffen.ganzmann 05.04.2017
2. Und wo bleibt Triumph?
Nämlich der 4-Zylinder-TR7 für Autos bis 10 000 Euro und der 8-Zylinder-TR8 für Autos bis 20 000 Euro?
peeka(neu) 05.04.2017
3. Ich bezweifle etwas
dass es sinnvoll ist, bestimmte Autotypen zu empfehlen. Der Preis auch bei Oldtimern hängt doch nicht zuletzt von der jeweiligen Mode ab: Der R4 ist eigentlich schon durch, aktuell dürfte der R5 vom Preis-Leistungs-Verhältnis lohnenswerter erscheinen. Kult ist derzeit der Lada Niva, da kauft man eben Popkultur (Tschick, Bilderbuch) mit. Oldtimer sind dann doch - in meinen Augen - zu individuell, als dass solche Tipps hilfreich wären.
VoisinAerodyne 05.04.2017
4. Bildstrecke
...schon beim ersten Photo fällt direkt auf, daß es das "falsche" Auto zeigt. Auf dem Bild zu sehen ist ein Jaguar XJ-12 der ersten(!) Serie, während die dritte Serie empfohlen wird. Die dritte Serieist mit Sicherhei die empfehlenswerteste, aber leider blieb duch die neuen Kunststoff-Stoßfänger und die höhergesetzte Dachlinie einiges an Eleganz auf der Strecke. Das Photo vom Toyota MR-2 scheint einen Prototypen zu zeigen. Die Serienversion sah jedenfalls nur "bedingt ähnlich" aus. Der Alfa GTV wird auf dem Bild als 6-Zylinder gezeigt, der Text bezieht sich allerdings auf den 4-Zylinder. Die Autos ab 1974 sahen deutlich eleganter aus, als die hier gezeigte, letzte Facelift-Version. Umsichtig behandeln sollte man allerdings auch den wunderbaren V6! Bei Bild 20 werden MG-B, MG-B-GT und MG-B-GT-V8 lustig durcheinandergewirbelt. Den im Bild zu sehenden V8 gab es serienmäßig nie als Cabriolet. Dieses gab es ausschließlich mit dem 4-Zylinder (oder als MG-C mit 6-Zylinder). Einen V8 bekommt man in gutem Zustand kaum unter €20000,-! Ansonsten finde ich die Auswahl sehr gelungen, wobei mir der Mercedes-SL-Tipp sehr optimistisch scheint. Mittlerweile muss man selbst für das ungeliebtere SLC-Coupé in gutem Zustand schon 20k€ auf die Theke blättern. Der Titel "Alteisen mit Goldanteil" ist dagegen SEHR übertrieben! Wer hofft, mit Autos dieser Preisklasse irgendwann mal etwas zu verdienen und dann Unterstellmöglichkeit, Pflege, Teile, Wartung mit einberechnet, wird schnell merken, daß man sich solch ein Auto besser nur aus Enthusiasmus und nicht aus Renditegründen zulegen sollte.
steffen.ganzmann 05.04.2017
5. Das ist relativ.
Zitat von peeka(neu)dass es sinnvoll ist, bestimmte Autotypen zu empfehlen. Der Preis auch bei Oldtimern hängt doch nicht zuletzt von der jeweiligen Mode ab: Der R4 ist eigentlich schon durch, aktuell dürfte der R5 vom Preis-Leistungs-Verhältnis lohnenswerter erscheinen. Kult ist derzeit der Lada Niva, da kauft man eben Popkultur (Tschick, Bilderbuch) mit. Oldtimer sind dann doch - in meinen Augen - zu individuell, als dass solche Tipps hilfreich wären.
Meine erste Frau und ich hatten beide, erst einen R4, der erste Wagen meiner Frau, und später einen R5, weil wir ein neues Auto mit Katalysator brauchten (und uns endlich mal einen Neuwagen leisten konnten ;-) ). Natürlich trennen den R4 und den R5 Welten, aber eigentlich sollte man schon mal einen R4 gefahren sein. Den späteren Santana PS10, einen echten Geländewagen ausgenommen, war der puristische R4 der beste Wagen, den ich je im Winter gefahren habe ...
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