Opel Astra Caravan, Baujahr 1997 Besuch in der Holzklasse

Von wegen Neuwagen: 7,9 Jahre ist das Durchschnittsalter aller Pkw in Deutschland. Millionen Autofahrer sind mit greisen Gefährten unterwegs - und SPIEGEL ONLINE fährt jetzt mit. Diesmal in einem dunkelblauen Opel Astra Caravan aus dem Baujahr 1997.


Besonders britische Marken wie Bentley, Jaguar oder Rolls-Royce täfeln ihre Auto-Innenräume gerne mit Wurzelholz. Bei Opel-Fahrern stand diese Maßnahme vor einigen Jahren ebenfalls hoch im Kurs. Wer durch die Scheiben betagterer Modelle des Rüsselsheimer Herstellers blickt, erkennt großflächige Verschalungen mit Wurzelholzimitat, das zwischen Bernsteinfarben und Walnussbraun changiert und vor allem mächtig glänzt. Das gilt auch für den braven Kombi Opel Astra Caravan 1.6 Skyline: Wurzelholz und schwarzer Kunststoff an den Armaturen, dazu schwarze Sitzbezüge mit blassen Regenbogenstreifen prägen den Innenraum. Modern wirkt das längst nicht mehr, aber sieht noch immer solide und keineswegs abgenutzt aus.

Überhaupt ist das hier ein gepflegtes Auto. Es hatte erst zwei Besitzer und verbrachte die erste Zeit seines mittlerweile knapp achtjährigen Pkw-Lebens als Garagenwagen. Beulen oder Kratzer sind auch bei genauerer Inspektion nicht zu erkennen - der Opel Astra Caravan steht da wie ein Musterbeispiel an Gebrauchtwagen. 96.000 Kilometer meldet der Zähler. Der Kombi hat einen 1,6-Liter-Vierzylinder-Motor, der 75 PS leistet - im Modelljahr 2001 erschien die 85 PS starke Version.

Dabei reicht die Kraft allemal aus, um flott voran zu kommen. 163 km/h lautet der Eintrag unter Höchstgeschwindigkeit im Kraftfahrzeugschein. Auf der Autobahn - die Sicht ist gut, die Straße trocken, der Verkehr mild und das Gaspedal voll durchgetreten - schafft unser Wagen laut Tacho 180 km/h. Heißa, da geht ja noch was. 8,2 Liter im Durchschnitt schluckt das Auto auf der rund 500 Kilometer langen Testfahrt; im Stadtverkehr, versichert die Besitzerin, liegt der Verbrauch "so um die zehn Liter". Das ist happig, Sparsamkeit zählte offenkundig nicht zu den vordergründigen Entwicklungszielen dieses Autos.

Pluspunkt langer Radstand

Eher schon ein gutes Platzangebot. Der Astra Caravan punktete bei seinem Erscheinen mit dem längsten Radstand seiner Klasse, sorgte mit 1500 Liter maximalem Laderaum für anerkennendes Raunen unter den Freizeittruckern und wurde serienmäßig mit 15-Zoll-Rädern ausgeliefert, was ihn für bestimmte Zielgruppen deutlich über den VW Golf Variant hinaushob, dem ab Werk damals noch 14 Zöller aufgeschraubt wurden.

Stolz ist man bei Opel noch heute auf das Magnesium-Lenkrad, das aus Gründen der Gewichtsersparnis zum Einsatz kam. Gern verweist man auch auf die Verbundlenker-Hinterachse, bei deren Konstruktion eine Verringerung der Bauteile auf drei erreicht wurde, im Vergleich zu 21, die noch beim Vorgängermodell nötig waren. Die kompakte Bauweise war eine wesentliche Voraussetzung für die hohe Ladekapazität. Was fällt bei einem rund acht Jahre alten Auto noch auf? Nun, der erste und zweite Gang brauchen beim Einlegen manchmal etwas mehr Druck am Wurzelholz-Imitat-Schaltknauf; bei feuchtkaltem Wetter müht sich das Gebläse oft vergeblich, um die Scheiben vollständig frei zu bekommen. Und der Auspuff war nach rund 85.000 Kilometern marode, 240 Euro kostet das Ersatzteil.

Mängel an der Beleuchtung, Ärger durch Ölverlust

Besitzer des Wagens sind vermutlich auch vertraut mit Beleuchtungsmängeln. "Besonders auffällig bei diesem Typ sind Defekte beim Standlicht und bei der Kennzeichenbeleuchtung", sagt Christoph Diwo, der Technische Leiter der Kfz-Überwachungsorganisation KÜS, die für SPIEGEL ONLINE die Ergebnisse von TÜV-Untersuchungen des Astra Caravan auswertete. Diwo weiter: "Probleme gab es auch mit ausgeschlagenen Querlenkerlagern an der Vorderachse. Der Auspuff-Mitteltopf war häufiger schadhaft, und Ölverlust an Motor und Antrieb waren auch keine Seltenheit." Allerdings gebe es kein "stark auffälliges Mängelergebnis" für dieses Modell, lobt der Experte.

Das Bild vom braven, grundsoliden Familienauto stimmt also. Auch wenn der Innenraum aus heutiger Sicht optisch gewöhnungsbedürftig ist - man steigt aus diesem Wagen auch nach längeren Strecken noch munter und entspannt aus. Wer ein gut erhaltenes Modell ergattert, darf sich auf einen robusten Gefährten mit reichlich Stauraum freuen - typische Macken inklusive.

Im Text wurde eine Jahresangabe korrigiert: Das Baujahr des Autos ist 1997, nicht 1999.

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insgesamt 27 Beiträge
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UlliK 04.07.2006
1. Nur die Besten...
... Erfahrungen haben wir mit unserem Astra-Caravan von 1993. Mittlerweile 265.000 Km, nur die üblichen Verschleißteil-Reparaturen, nie TÜV-Probleme: Hoffentlich hält das Schätzchen noch einige Jahre!
hasso, 13.07.2006
2. Gute Erfahrungen
---Zitat von sysop--- Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Opel-Astra-Modellen? ---Zitatende--- Ja, wir haben auch so ein Teil - 1994'er Cabrio mit dem 2.0i Motor - inzwischen gut 200.000km auf dem Buckel und geht immer noch schoen los (ist schon ein Unterschied, ob ich meine 115 PS aus 2 Litern hole oder ob ich etwa 140 PS aus 1,8 Litern heausquetsche). Rost - ja (neuer Tuerschweller rechts), Kratzer - ja, von einem liebenswerten Mitmenschen mit dem Schluessel ueber die gesamte Laenge. Und ein neues Dach wird naechstes Jahr wohl auch faellig. Aber max nix - unter der Haube und innen ist er sehr gut in Schuss, und wir wollen ihn behalten, bis er in die Veteranen-Kategorie kommt. Im Vergleich zu den neuen Modellen mit Stahlschiebdach und all den Kinkerlitzchen hat unser Astra F noch jede Menge Platz im Kofferraum und er faehrt sich wie ein klassischer englischer Sportwagen. Und sozialvertraeglich ist er auch - bewundert wird er oft, aber nur weil er so nett aussieht, und nicht weil er protzt.
UlliK 21.08.2006
3. Altmetall...
... Opel Astra, nun Opel Rekord und ich-habe-nicht-gezählt wieviel andere Marken: *allmählich möchte ich wirklich mal den Hintergrund der überhand nehmenden Altmetall-Threads wissen!* Wird das SpON-Forum vielleicht mittlerweile von Auto-Verwertern gesponsort?
thseeling 14.06.2009
4. fehler im text
Hallo, im Text finden sich ein paar Schwächen: die 85 PS im 1.6-8V-Motor gab es nur im Astra G, nicht im Astra F. Der Hinweis ist also eher sinnlos. Ich hätte eher betont, daß der Motor *wieder* 75 PS hat, in älteren Astra F hatte der 1.6-8V nur 71 PS. Die genauen Daten liefert z.B. die Wikipedia unter "Opel Astra F". Die 15-Zoll-Felgen gab es auch nur bei bestimmten Sondermodellen wie "Sport" oder "Motion", ansonsten waren die 14-Zoll-Felgen Serie. Ich besaß eines der ganz späten "Dream"-Modelle von 1997, und die Alufelgen mit 195/50 waren Sonderzubehör. Mein Astra F war im Übrigen sehr zuverlässig, es gab eine bekannte Rückrufaktion (Tank) und einmal wurde nach einem Ausfall die Motorelektronik auf Kulanz getauscht. Abgesehen davon hat mich mein Kombi fast 11 Jahre und 175.000 km lang überall hin befördert. Im Berufsverkehr habe ich mit 115 PS aus dem 1.8-16V für den Weg nach Frankfurt (25 km Autobahn, 25 km Landstraße) im Normalfall unter 7 l/100 km gebraucht. Die späten Modelle hatten auch keine Rostprobleme mehr. Beim Calibra und Astra F begann gerade die Umstellung auf Lacke auf Wasserbasis, da sind die gern und früh gerostet, besonders die in Weiß. Das übliche Problem damals waren die hinteren Radläufe, zumal dort auch die Wasserabläufe vom Schiebedach endeten.
aschu0959 05.10.2009
5. Beleidigender Titel
Zitat von sysop: " Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Opel-Astra-Modellen? " Meinen Flitzer als Altmetall zu bezeichnen, nein wirklich nicht. Ich hatte nie ein wirkliches Problem mit meinem kleinen - und auch die Abwrackprämie konnte ihm nicht wirklich gefährlich werden.
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