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Erste Ausfahrt: Der neue Astra spielt wieder Golf

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Neuer Opel Astra Die neue Light-Kultur

Es ist eine schwere Aufgabe, doch er will sie buchstäblich mit Leichtigkeit lösen: Im Kampf gegen den VW Golf speckt der neue Opel Astra bis zu 200 Kilo ab - und soll damit nicht nur agiler werden, sondern vor allem sparsamer.

Der neue Opel Astra hat Symbolkraft, und zwar auf verschiedenen Ebenen: Er verkörpert den wiedererwachten Wettbewerbsgeist einer Marke, die es in zwei Jahren vom Pleitekandidaten zum Hoffnungsträger gebracht hat und von Konzernchefin Mary Barra im fernen Detroit heute als Vorbild für andere GM-Marken gelobt wird. Er steht vor allem aber für die Emanzipation innerhalb des Konzerns: Der neue Astra ist nicht mehr der kompromissbeladene Ableger eines Weltautos, sondern ein Wagen, der vor allem auf die europäischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

"Sonst haben wir immer den größten gemeinsamen Nenner gesucht und deshalb viele Nachteile in Kauf nehmen müssen", sagt Bernd Justen aus der Entwicklungsmannschaft des neuen Kompakten aus Rüsselsheim, den es bislang nur als komplett verklebten Prototypen zu sehen und zu erproben gab. Zum Beispiel bei der Erfüllung interkontinentaler Crash-Normen. Sie hat dem letzten Astra zentnerweise Gewicht aufgebürdet und zentimeterweise Platz geraubt. Schließlich musste sich die Architektur als Chevrolet Cruze oder als Buick Verano verkleidet auch in den USA oder in Asien verkaufen lassen.

Diesmal dagegen schwärmen die Entwickler von maximalen Freiheitsgraden - und haben die prompt genutzt. Obwohl er fünf Zentimeter kürzer wird, ist der Astra innen spürbar geräumiger und bietet besonders hinten mehr Platz. Doch die Kernidee des Autos ist die Leichtigkeit. "Wir haben je nach Modellvariante zwischen 129 und 200 Kilogramm eingespart," sagt Justen und erzählt zum Beispiel von speziellen Stählen, die noch glühend in der Maschine umgeformt würden, damit sie beim Auskühlen ihre volle Stabilität behielten. Auch ihnen und dem Verzicht zum Beispiel auf die Erfüllung amerikanischer Crash-Normen ist es zu verdanken, dass die Rohkarosserie um 21 Prozent leichter wurde und nur noch 280 statt 357 Kilo wiegt.

Die Leichtigkeit ist seins

Das ist aber nicht alles: Die Achsen sind leichter, die Bremsen schmächtiger, die Räder kleiner - und sogar unter der Motorhaube wurde abgerüstet. Denn immerhin hat der Antrieb nicht mehr so viel zu schleppen. Genau wie im Ford Focus und im VW Golf wird es deshalb künftig auch im Astra einen Dreizylinder geben (der übrigens noch einmal 16 Kilo spart). Und obwohl 1,0 Liter Hubraum, 105 PS und 170 Nm jetzt nicht gerade nach Testosteron-Rausch klingen, macht das Triebwerk bei der ersten Testfahrt trotzdem einen ausgesprochen munteren Eindruck.

Glaubt man Opel -Chef Karl-Thomas Neumann, dann ist der neue Astra eines der schlankesten Autos in seinem Segment. Ohne bislang konkrete Zahlen zu nennen, halten ihn die Entwickler auch für eines der sparsamsten. Aber vor allem will der Astra schlau sein. Denn zu den üblichen Assistenzsystemen vom Abstandsradar bis zur automatischen Notbremse gibt es zum ersten Mal in dieser Klasse intelligente LED-Scheinwerfer mit dem sperrigen Namen "IntelliLUX".

Pflegekraft an Bord

Fast noch wichtiger: Mit dem Astra beginnt Opel die On-Star-Offensive. Noch bevor der automatische Notruf e-Call Pflicht wird, bauen die Hessen im Astra ein Telematik-System ein, das nicht nur Pannen- oder Unfallhilfe organisiert, sondern dem Fahrer auch eine Art Cyber-Nanny zur Seite stellt, die 24 Stunden erreichbar ist. Egal ob Hotelbuchung oder spezielles Sonderziel: Ein Knopfdruck genügt, schon landet man in einem Callcenter und hat ein paar Sekunden später alle wichtigen Informationen direkt im Navi vorliegen.

Allerdings gibt es bei allem Frohlocken auch ein paar Punkte beim neuen Astra, die zumindest Fragen aufwerfen. Während mittlerweile selbst die koreanischen Hersteller Doppelkupplungsgetriebe anbieten, hat Opel für eines seiner wichtigsten Autos nur eine konventionelle Automatik oder Handschalter im Programm - und baut im Basismodell sogar noch ein Fünfganggetriebe ein. Und die bei der Konkurrenz durchweg beliebte Option der variablen Fahrwerksdämpfer haben die Hessen beim Generationswechsel gestrichen.

Vor dem Blick nach Wolfsburg scheut sich Firmenchef Neumann trotzdem nicht. Während sein Vorgänger Hans Demant schon bei der Premiere des aktuellen Astra aufgegeben und allenfalls noch den Ford Focus als Wettbewerber ins Visier genommen hatte, will sich Neumann wieder mit dem Besten messen und motiviert seine Mannschaft deshalb mit markigen Parolen: "Zurücklehnen gilt nicht: Wer nicht an die Spitze will, der hat schon vor dem Start verloren."

Zusammengefasst: Der neue Opel Astra wurde nicht als GM-Weltauto, sondern für europäische Bedürfnisse entwickelt. Deswegen ist er leichter und dafür sparsamer - und soll so dem Bestseller VW Golf Paroli bieten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, VW würde für den Golf keinen Dreizylindermotor anbieten. Das ist falsch - das Modell VW Golf 1.0 TSI BlueMotion hat einen Dreizylindermotor. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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