Opel Astra GTC mit Panoramascheibe Grandioser Ausblick

Glas wird zum bestimmenden Element des Autos. Nachdem großflächige Panoramadächer für den ungetrübten Blick zum Himmel etabliert sind, verlängert Opel nun die Frontscheibe fast bis zur Rückbank und ermöglicht so völlig neue Aussichten. Und das ist nur der Anfang.

An den nervösen Augen wird man den Novizen erkennen. Wer zum ersten Mal in den Astra GTC mit Panorama-Frontscheibe steigt, kann seinen Blick kaum ruhig halten. Dort, wo bei anderen Autos Stahl und Stoff das Sichtfeld einschränken, gibt es hier nur Glas und wieder Glas. Weil die Frontscheibe vom Ende der Motorhaube bis weit hinter die Köpfe der vorderen Passagiere reicht, sieht man mehr von der Welt als in jedem anderen Serienauto – Cabrios inbegriffen. Das Gefühl ist ein bisschen wie im Kino, wenn nach der Werbung der Vorhang noch ein Stück weiter aufgezogen wird. Plötzlich gewinnen alte Landschaften neue Reize, und in den Städten bekommen die Hochhäuser plötzlich Dächer, wenn man sie aus dem Auto anblickt.

Doch natürlich hat die 1,8 Quadratmeter große Glasfläche auch ihre Schattenseiten – weil es darunter eben keinen Schatten gibt. Gerade im Hochsommer fühlt man sich wie im Gewächshaus. Damit der Astra GTC nicht vollends zur Sauna wird, haben die Hessen deshalb zur Glashaube auch den Vorhang entwickelt: Ein Rollo lässt sich mit einer Hand nach vorne ziehen und in beinahe jeder beliebigen Position arretieren. Ganz vorne können sogar zwei Sonnenblenden ausgeklappt werden.

Um auf die sonst übliche Strebe zwischen den A-Säulen verzichten zu können, hat Opel von Anfang an eine spezielle Karosseriestruktur gewählt, in der das 5,5 Millimeter dicke Glaselement nun eine tragende Rolle spielt, weil es sogar die Steifigkeit erhöht. Außerdem wurden andere Teile des Daches so verstärkt, dass der gläserne Astra im Crash dieselben Werte erreicht wie das Modell mit Stahldach. Splitter oder eindringende Gegenstände müsse man dabei auch bei einem schweren Aufprall nicht fürchten, verspricht Opel: Weil im Verbundglas eine stabile Folie eingearbeitet ist, bleibt die Scheibe auch nach einer Kollision in einem Stück.

Ganz so einfach war es allerdings nicht mit der Panorama-Frontscheibe, die bereits vor drei Jahren mit der ersten GTC-Studie präsentiert wurde und erst jetzt – ein rundes Jahr nach der Premiere des Serienautos – tatsächlich verfügbar ist. "Die Konstruktion des Beschattungssystems war lange Zeit ein wichtiges Thema", sagt Matthias Hallik, der für die Karosserien neuer Fahrzeugprojekte verantwortlich zeichnet. "Später war es dann die sehr komplexe Form der Scheibe." Offenbar hatte der südamerikanische Zulieferer dieverse Schwierigkeiten mit dem großen Glaselement. Damit steht Opel aber nicht allein. Denn besonders weit geschwungene oder stark gebogene Scheiben sind einfach problematisch zu produzieren.

Die neue Perspektive kostet 1395 Euro Aufpreis

Der Aufwand hat seinen Preis: Während es ein Panorama-Glasschiebedach im Astra für 950 Euro gibt, muss man für die Panorama-Frontscheibe 1395 Euro anlegen. "Geht die Panoramascheibe mal kaputt, macht die größere Fläche in der Regel keinen Unterschied", sagt Opel-Sprecher Manfred Daun. Denn auch die Panoramascheibe kann zum Beispiel nach einem Steinschlag repariert werden. Und den Austausch zahlt bis auf den Selbstbehalt normalerweise die Teilkasko. Wer dieses Risiko nicht versichert hat, muss allerdings Mehrkosten von 400 bis 600 Euro einkalkulieren, sagt Daun.

Die Konkurrenz ist auf diesen Zug offensichtlich noch nicht aufgesprungen. Mit der verlängerten Frontscheibe ist Opel bis dato allein auf weiter Flur, sagt Astra-Designer Friedhelm Engler. Der Grund: "So eine Lösung kann man nicht einfach nachträglich in ein Auto einbauen, sondern muss das von Anfang an bei Statik und Struktur der Karosserie berücksichtigen", erläutert Engler. "Wer jetzt Gefallen daran findet, kann deshalb frühestens beim nächsten Modellwechsel nachziehen."

Für jede Modellreihe ein besonderes Dachsystem

Bei Opel arbeitet man allerdings nicht nur am besseren Durchblick: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in jeder Modellreihe ein besonderes Dachsystem zu kreieren", sagt Frank Leopold, der sich um das sogenannte Packaging künftiger Autos kümmert und auf das versenkbare Stahlverdeck des Astra TwinTop oder das "Irokesen"-Dach des Opel Zafira verweist. Ebenfalls zum Spektrum der Möglichkeiten zählen für Leopold komplett aus Glas gefertigte Heckklappen oder seitlicher Glaseinsätze, wie sie die Hessen schon einmal 1954 im Opel-Blitz-Panoramabus oder später VW mit dem Samba-Bus populär gemacht haben. Und für Kleinwagen denkt er an speziell beschichtete oder verstärkte Dachsegmente, die zum Beispiel als zusätzliche Ladefläche genutzt werden können.

Auch weitere Modelle mit Panorama-Frontscheibe hält Astra-Designer Friedhelm Engler vor diesem Hintergrund durchaus für denkbar. Denn die Rüsselsheimer wollen nicht nur die Aussicht verbessern, sondern auch die Wahrnehmung der Passagiere verändern. So philosophiert Entwickler Leopold über Dächer aus Kunststoff oder Glas, die auf Knopfdruck ihre Tönung ändern: "Dann könnte man an einem trüben Wintertag mit einer leichten Gelbtönung ein sonnig wirkendes Umfeld erzeugen oder bei Hitze mit einem blau schimmernden Dach subjektiv eine kühlere Atmosphäre an Bord schaffen."

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