Abgasskandal Manipulationsverdacht auch bei Opel Astra

Der Opel-Konzern schlittert zunehmend in die Abgasaffäre hinein. Nach Informationen des SPIEGEL und der ARD erhärten neueste Untersuchungen den Verdacht, dass auch das Modell Astra betroffen ist.
Opel-Logo

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Foto: ALEX GRIMM/ REUTERS

Neben dem Familienwagen Opel Zafira verfügt offensichtlich auch das Massenmodell Opel Astra über eine Motorensoftware, die in vielen Fahrsituationen die Abgasreinigung abschaltet. Das ergaben gemeinsame Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" und des SPIEGEL, zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH). (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Für die Recherche hatte der Lübecker Computerspezialist Felix Domke den geheimen Programmiercode der Motorsteuerung analysiert, der vom Opel-Mutterkonzern General Motors entwickelt wurde. Demnach ist die Software so programmiert, dass der Wagen seine Abgase erst ab einer Außentemperatur von 17 Grad zu reinigen beginnt.

Eine ähnliche Abschaltfunktion musste Opel bereits für sein Modell Zafira einräumen und dem Bundesverkehrsministerium zusagen, die betroffenen Wagen in die Werkstätten zu bestellen. Auch eine Abschaltautomatik bei schnellen Beschleunigungen findet sich nach Informationen des Rechercheteams aus SPIEGEL und "Monitor" im Code der Motorsoftware wieder, die dann für eine anhaltende Verschlechterung der Motoremissionen sorgen.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) könnte diese Ergebnisse zum Anlass nehmen, Opel auch zu einer Nachbesserung des Astra zu drängen, zumal es in seinem Haus bereits Hinweise gibt, dass der Wagen in seiner neuesten Version sogar schlechtere Abgaswerte produzieren soll als das Vorgängermodell.

Ein Berater der DUH, der ehemalige Ministerialbeamte Axel Friedrich, prüfte einen nur wenige Monate alten Opel Astra mit einem mobilen Emissionsmessgerät auf der Straße. Die Werte des Opel Astra erreichen demnach in der Spitze mehr als das Achtfache des Grenzwerts. Deshalb geht Friedrich in seiner Forderung an die Behörden sehr weit und sagt: "Die Indizien sind so erdrückend, dass dem Verkehrsministerium nichts anderes übrig bleiben dürfte, als für diesen Typ einen Rückruf anzuordnen."

Für Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hängt von dem Verkauf des Massenmodells ab, ob sein Konzern dieses Jahr wieder in die Gewinnzone kommt. Opel hat eine Anfrage zu den Untersuchungsergebnissen des Astra bis zum Redaktionsschluss nicht konkret beantwortet. Ein Opel-Sprecher reagierte stattdessen heute auf die neuen Verdachtsmomente und versucht gegenüber dem SPIEGEL und der ARD, ohne auf die konkreten Vorwürfe einzugehen, die Glaubwürdigkeit der Untersuchung in Frage zu ziehen: "Die isolierten Erkenntnisse eines Hackers spiegeln nicht die komplexen Zusammenhänge eines modernen Abgasreinigungssystems wider."