Abgasskandal Manipulationsverdacht auch bei Opel Astra

Der Opel-Konzern schlittert zunehmend in die Abgasaffäre hinein. Nach Informationen des SPIEGEL und der ARD erhärten neueste Untersuchungen den Verdacht, dass auch das Modell Astra betroffen ist.

Opel-Logo
REUTERS

Opel-Logo


Neben dem Familienwagen Opel Zafira verfügt offensichtlich auch das Massenmodell Opel Astra über eine Motorensoftware, die in vielen Fahrsituationen die Abgasreinigung abschaltet. Das ergaben gemeinsame Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" und des SPIEGEL, zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH). (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 20/2016
Erst VW, jetzt Opel: Eine deutsche Industrie-Affäre

Für die Recherche hatte der Lübecker Computerspezialist Felix Domke den geheimen Programmiercode der Motorsteuerung analysiert, der vom Opel-Mutterkonzern General Motors entwickelt wurde. Demnach ist die Software so programmiert, dass der Wagen seine Abgase erst ab einer Außentemperatur von 17 Grad zu reinigen beginnt.

Eine ähnliche Abschaltfunktion musste Opel bereits für sein Modell Zafira einräumen und dem Bundesverkehrsministerium zusagen, die betroffenen Wagen in die Werkstätten zu bestellen. Auch eine Abschaltautomatik bei schnellen Beschleunigungen findet sich nach Informationen des Rechercheteams aus SPIEGEL und "Monitor" im Code der Motorsoftware wieder, die dann für eine anhaltende Verschlechterung der Motoremissionen sorgen.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) könnte diese Ergebnisse zum Anlass nehmen, Opel auch zu einer Nachbesserung des Astra zu drängen, zumal es in seinem Haus bereits Hinweise gibt, dass der Wagen in seiner neuesten Version sogar schlechtere Abgaswerte produzieren soll als das Vorgängermodell.

Ein Berater der DUH, der ehemalige Ministerialbeamte Axel Friedrich, prüfte einen nur wenige Monate alten Opel Astra mit einem mobilen Emissionsmessgerät auf der Straße. Die Werte des Opel Astra erreichen demnach in der Spitze mehr als das Achtfache des Grenzwerts. Deshalb geht Friedrich in seiner Forderung an die Behörden sehr weit und sagt: "Die Indizien sind so erdrückend, dass dem Verkehrsministerium nichts anderes übrig bleiben dürfte, als für diesen Typ einen Rückruf anzuordnen."

Für Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hängt von dem Verkauf des Massenmodells ab, ob sein Konzern dieses Jahr wieder in die Gewinnzone kommt. Opel hat eine Anfrage zu den Untersuchungsergebnissen des Astra bis zum Redaktionsschluss nicht konkret beantwortet. Ein Opel-Sprecher reagierte stattdessen heute auf die neuen Verdachtsmomente und versucht gegenüber dem SPIEGEL und der ARD, ohne auf die konkreten Vorwürfe einzugehen, die Glaubwürdigkeit der Untersuchung in Frage zu ziehen: "Die isolierten Erkenntnisse eines Hackers spiegeln nicht die komplexen Zusammenhänge eines modernen Abgasreinigungssystems wider."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

insgesamt 272 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
QuixX 13.05.2016
1. Schaun wir doch mal...
Schaun wir doch mal, was USA von VW und Konsorten einfordert, dann legen wir diesen Maßstab an General Motors an. Eine Hand wäscht die andere. Ein Glücksfall für die deutsche Wirtschaft.
black-mamba 13.05.2016
2. Ursprung der Schummelsoftware General Motors?
Idee für betroffene Opelbesitzer: Nehmt euch _einen_ Anwalt (m/w) der in USA eine Sammelklage einreicht. ;-)
vwolpert 13.05.2016
3. Abschaltsoftware von GM entwickelt?
...das ist ja mal interessant. Wetten das die Anwälte aus Übersee so gut wie keine Initiative entwickeln werden um GM zu verklagen....
hevopi 13.05.2016
4. Dieser ganze Skandal, auch VW,
zeigt doch mal wieder, wie unfähig die Politiker und die Berater sind. Es hätte von vornherein einer vertrauensvollen Zusammenarbeit geben müssen, dann wäre es nie soweit gekommen. Da werden Gesetze erlassen und man versucht sie auszutricksen, schrecklich. Die Leidtragenden sind wie immer, die Mitarbeiter, die auch die Last der Probleme zu tragen haben. Vorstände füllen sich die Taschen und wollen ja (siehe Deutsche Bank) auf Nichts verzichten, Geldsäcke kassieren und lassen die Mitarbeiter bluten.
kaffee-junkie 13.05.2016
5. Welche Modelle?
Um welche Astra Modelle soll es sich handeln? Diesel oder Benzin? Baujahr von bis? Ich denke eine Erwähnung hätte dem Artikel nicht geschadet...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.