Opel Corsa Das 980-Kilo-Auto

Der Opel Corsa hat eine strenge Diät hinter sich - und ist das leichteste Auto seiner Klasse. Dagegen wirkt der VW Polo dicklich. Mit der Radikalkur sendet Rüsselsheim auch ein Signal an die französische Mutter.

Opel

Es gibt sicher bessere Strecken für eine Testfahrt als diese einsamen Landstraßen in der Pfalz. Kurven ohne Ende, immer wieder Umleitungen, der Asphalt ist vom jahrelangen Wartungsmangel löchrig geworden.

Doch für den neuen Opel Corsa passt das irgendwie - auch sinnbildlich, angesichts des holprigen Weges, den der Hersteller zuletzt hinter sich gebracht hat. Vor allem aber fordern die miserablen Straßen die sechste Generation des Kleinwagens wirklich heraus. Auf ihnen kann er sich beweisen, bevor er im Herbst Publikumspremiere auf der IAA in Frankfurt feiert und in den Handel kommt.

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Opel Corsa: Weniger Gewicht, mehr Auto

Auf dem Corsa ruhen immense Erwartungen. Aktuell ist jeder vierte Opel ein Corsa und jetzt, wo Adam und Karl auslaufen, dürfte dieser Anteil noch wachsen. Seit 1982 haben die Rüsselsheimer in fünf Generationen knapp 14 Millionen Exemplare verkauft.

Nun wird sich am Corsa auch zeigen, wie gut Opel bei PSA aufgehoben ist. Als "Schicksalsauto" bezeichnet ihn Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Mit ihm läuft der Test, wie gut die Opel-Kunden PSA-Autos mit dem Blitz im Grill annehmen", sagt er.

Opel will sich von PSA abgrenzen

Bislang sei dieses Konzept nicht sonderlich erfolgreich gewesen, das hätten die Geländewagen Crossland X und Grandland X gezeigt, die schon vor der Übernahme als Kooperationsmodelle aufgelegt worden seien. "Opel verliert fortgesetzt Marktanteile", sagt Dudenhöffer. "Der Corsa auf Basis des Peugeot 208 wird die Frage beantworten, ob der Opel-Käufer wirklich bei Opel bleibt und nicht doch gleich zu Peugeot abwandert."

Die Männer um Projektleiter Thomas Wanke wollen nun zeigen, dass der neue Corsa Fahrspaß bietet, nachdem der Vorgänger eher zum Langweiler geraten war. Klappt das, würde sich Opel auch gegenüber der Mutter PSA profilieren. Nichts wäre für das Selbstbewusstsein der Opelaner schlimmer, als wenn sie auf französische Autos nur noch ein deutsches Logo pappen würden - oder die Kunden diesen Eindruck hätten.

Viele Bauteile kommen vom Mutterkonzern

Wanke und seine Leute lassen deshalb keine Gelegenheit aus, den Corsa als echten Opel zu verkaufen. Ein gewagtes Unterfangen - da die Plattform, die Achtgangautomatik und viele Bedienelemente im Innenraum von Peugeot oder Citroen stammen. Dasselbe gilt für die Motoren. Zum Start sind ein Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 75 bis 130 PS oder ein 100 PS starker Vierzylinder-Diesel mit 1,5-Liter Hubraum aus dem Regal der Franzosen verfügbar.

Doch Opels "Corsa-Gang", bestehend aus Projektleiter Wanke und dem Fahrdynamiker Michael Döring, betont das eigenständige Design des Corsa. Dazu zählen ein größerer Radstand, kürzere Überhänge und ein flacheres Dach. Innen geht es konservativer zu als im unkonventionellen Schwestermodell Peugeot 208.

Die Pfälzer Ruckelpisten offenbaren einen weiteren Unterschied. Auf ihnen wäre manchem Fahrer in einem weich abgestimmten Auto aus Frankreich längst der Spaß vergangen. Gondeln diese eher gemütlich durch die Gegend, gibt sich der Corsa typisch deutsch: präzise, akkurat und ein bisschen steif.

Die Abstimmung stramm, die Lenkung direkt, der Schwerpunkt drei Zentimeter tiefer - all das vergrößert die Fahrfreude. Auch die neue Plattform aus Paris hilft. Der längere Radstand lässt den Wagen stabiler stehen.

Kleiner Triumph im Familienduell

Und sie reduziert Gewicht. "Bis zu 108 Kilogramm haben wir gegenüber dem Vorgänger gespart", sagt Wanke. Beispiele: 40 Kilo bringt die neue Rohkarosse, 2,5 Kilo die Motorhaube aus Aluminium. Die ebenfalls aus Aluminium gefertigten Motoren sind 15 Kilo leichter, die Rückbank spart 5,5 Kilo und die Vordersitze vier Kilo.

So komme der Corsa im besten Fall auf nur noch 980 Kilo und werde damit zum leichtesten Auto seiner Klasse, sagt Wanke. Beim VW Polo geht es erst mit 1150 Kilo los. Der Corsa ist damit auch leichter als der parallel entwickelte Peugeot 208 und somit ein Punktsieg für Opel im Familienduell.

Die Diät macht den Corsa sportlicher - und sparsamer. Um wie viel, mag Wanke noch nicht beziffern. Er gibt aber einen Hinweis: "Selbst die stärkste Variante des neuen Corsa wird weniger CO2-ausstoßen als die sparsamste des Alten," sagt der Projektleiter. 5,4 Liter sind künftig also die Obergrenze, wie der Blick aufs Datenblatt des Auslaufmodells zeigt. Opel hat den Spritsparkurs bitter nötig, um ab 2020 seinen CO2-Flottengrenzwert von 95 g/km zu erreichen.

Der erste echte Elektro-Opel

Stärker noch als die Leichtbauverbrenner wird der rein elektrische Corsa dabei helfen, der zum Jahreswechsel in den Handel kommt. Wie alle Akkuautos wird er in der CO2-Bilanz mit einem Ausstoß von Null Gramm pro Kilometer angerechnet.

Der Corsa e ist das erste echte Elektroauto von Opel. Zwar zählen sich die Hessen angesichts der Modelle Ampera und Ampera E zu den Pionieren der Elektrifizierung. Doch diese Autos waren US-Importe des Ex-Mutterkonzerns General Motors und schlecht verfügbar.

Auch der elektrische Corsa ist allerdings wieder nicht mit eigener Technik ausgestattet, sondern mit solcher aus dem Hause PSA. Diese verschafft dem Wagen 100 kW Motorleistung, 50 kWh Batteriekapazität auf eine Reichweite von 330 Kilometern (gemäß dem Testzyklus WLTP).



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rbu 04.06.2019
1. richtiger Weg
Der erste Opel seit bestimmt 20 Jahren bei dem ich nicht denke "au Backe...". Um es mal milde auszudrücken. Der Corsa gefällt mir ausgesprochen gut und selbst von innen sieht er nicht aus wie die gepresste Spießigkeit. Auch die Gewichtsreduzierung unter eine Tonne - Respekt - geht doch. Ich hoffe Opel hat damit Erfolg und baut vielleicht auch endlich mal wieder anständige Mittel- und Oberklassefahrzeuge, die nicht wie ein aufgeblasener Astra aussehen.
Leser161 04.06.2019
2. This?
"Die Pfälzer Ruckelpisten offenbaren einen weiteren Unterschied. Auf ihnen wäre manchem Fahrer in einem weich abgestimmten Auto aus Frankreich längst der Spaß vergangen" Stell mir das grad so vor: Blamm, Blamm, BLAMM (extraharter Schlag ins Kreuz). Und die Leute so: Yeah! Was ein Glück das wir genau den Strassenzustand mitgeteilt bekommen und nicht in einem mon dieu! bequemen Franzosen fahren müssen. Das doch irgendwie schizophren 120 steht im Raum, Ressourcenschonung ist ein Thema und die Tester beim biedersten Kleinwagen immer so "Geil, voll sportiv, nimmt der Konkourrenz beim aggressivem Supermarktparkplatzslalom 1 Sekunde ab" Ja gut. Ansonsten sind 980 Kilo heutzutage eine Ansage und setzen ein Statement in Richtung Effizienz.
Das Pferd 04.06.2019
3.
ein Auto unter einer Tonne, sehr gut. Ich komme als Wohnungsmieter nicht effektiv an einen Ladeplatz. Und rein Carsharing geht auf Grund beruflicher und privater Anforderungen nicht. Sonstige alternative Antriebe führen, da ich Wenigfahrer bin, zu höheren Kosten und mehr CO2. Ist, wenn fällig, eine Überlegung wert.
t.beko 04.06.2019
4. Dudenhöfer ?
Schicksalsauto und Dudenhöfer ......Das erzählt er schon gefühlte 20 Jahre ...Er sollte Opel einfach seine Sachen machen lassen und sich seine Totengräber Reden sparen .Die neuen Opel Modelle kommen gut und und mit dem Corsa E ist man sogar den Ankündigungsweltmeistern aus Wolfsburg einen Schritt voraus .Gut so Opel ...weiter so .
hellsguenni 04.06.2019
5. Ein Opel Artikel ohne versteckte Häme wäre mal schön bei SPON
"Der Corsa e ist das erste echte Elektroauto von Opel. Zwar zählen sich die Hessen angesichts der Modelle Ampera und Ampera E zu den Pionieren der Elektrifizierung. Doch diese Autos waren US-Importe des Ex-Mutterkonzerns General Motors und schlecht verfügbar." Stimmt bedingt, die Entwicklung wurde in Mainz Kastel im GAPC (Global Alternative Propulsion Center) unter Opel Regie begonnen, dann kam die Mutter aus Detroit und hat sich wie so oft die Rosinen herausgepickt. "Auch der elektrische Corsa ist allerdings wieder nicht mit eigener Technik ausgestattet, sondern mit solcher aus dem Hause PSA. Diese verschafft dem Wagen 100 kW Motorleistung, 50 kWh Batteriekapazität auf eine Reichweite von 330 Kilometern (gemäß dem Testzyklus WLTP)." Auf jeden Fall realistischer als dieser Unfug von Porsche mit 600 PS und 90 kWh Akku, der angeblich für 500 km gut sein soll - da ist Opel doch ehrlicher und bodenständiger. Und wozu sollte man konzerneigene Technologie neu entwickeln bzw. was ist deren Nutzung verwerflich? Wohin ständige Neuentwicklungen führen hat GM in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen, es wurde auf Teufel komm raus zu horrenden Kosten neu entwickelt anstatt die bestehende Technik zu optimieren und die Variantenzahl zu drücken. So fährt man keine Gewinne ein - die Franzosen sind da pragmatischer und realistischer aufgestellt als die Amerikaner. Ich freue mich jedenfalls auf den neuen Corsa :)
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