Opel Diplomat Coupé Rarität in Übergröße

Opels große Zeit als Hersteller von Luxusautomobilen liegt lange zurück. Vor 40 Jahren aber, da mischten die Rüsselsheimer noch mittenmang mit im Geschäft mit den teuren Schlitten für die Herren aus den Chefetagen. Eines der elegantesten Modelle war das Diplomat Coupé.

Die frühen sechziger Jahre waren eine prima Zeit für Opel. Ab 1962 trumpfte das Unternehmen mit dem neuen Kadett auf, von dem bereits nach vier Jahren eine Million Exemplare verkauft waren. 1963 debütierte der Rekord A, und die Marke fertigte insgesamt mehr als 550.000 Fahrzeuge. Und 1964 schließlich meldete sich Opel mit den "großen Drei" im Konzert der Oberklasse-Anbieter zurück. Die sogenannte KAD-Reihe bestand aus den dicken, fast fünf Meter langen Limousinen Kapitän, Admiral und Diplomat, die trotz ihrer schieren Größe überraschend elegant aussahen. Das lag vor allem am sachlich-geradlinigen Design, das die Wucht US-amerikanischer Straßenkreuzer nachahmte, auf jeglichen barocken Zierrat aber verzichtete.

Im Sommer des Jahres 1965 dann toppten die Rüsselsheimer ihr luxuriöses Dreigestirn mit dem Diplomat V8 Coupé, einem der spektakulärsten und auch rarsten Modelle, die je den Opel-Blitz trugen. Gebaut wurde die Karosserie des schier endlos gestreckten Zweitürers von der Firma Karmann in deren damals neuem Werk in Rheine. Ein großes Geschäft wurde das Auto nicht, lediglich 347 Exemplare des XXL-Coupés wurden gebaut, das damit heute zu den seltensten Automobilen aus dieser Zeit gehört.

Für den Ruf Opels als Hersteller gediegener Luxuswagen aber war der Wagen Gold wert. In der Werbung pries das Unternehmen sein Flaggschiff als ideales Gefährt für "Reisende von Rang". Vor allem aber mussten die Eigner eines Diplomat Coupés vermögend sein, denn das Auto kostet 25.500 Mark und war damit gut dreimal so teuer wie ein auch schon recht stattlicher Opel Rekord, der ab 6980 Mark angeboten wurde. Für das viele Geld aber erhielten die wenigen, die sich dieses Auto gönnten, einen extraordinären Schlitten.

Unter der Haube, die beinahe Tischtennisplatten-Ausmaße hatte, brabbelte ein 5,4-Liter-V8-Motor, den Opel aus den USA bezog, wo er unter anderem die Corvette von Chevrolet auf Trab brachte. Die Maschine leistete 230 PS und riss mit maximal 427 Newtonmeter an der Kurbelwelle. Eine "Powerglide"-Zweigangautomatik schickte die Kraft an die Hinterräder - da konnte eigentlich nicht mehr viel schief gehen. In weniger als zehn Sekunden war der Spurt von 0 auf Tempo 100 möglich, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 206 km/h. Das machte den Diplomat V8 Coupé zu einem der schnellsten Autos auf den deutschen Straßen.

Zum durchaus sportlichen Anspruch passte es, dass der Wagen üppig, aber nicht übertrieben luxuriös ausgestattet war. Lenkung und Scheibenbremsen arbeiteten mit hydraulischer Unterstützung, außerdem gab es serienmäßig Nebelscheinwerfer. Im Innenraum schwelgte man auf bequemen Polstern, setzte die Füße auf tiefe Teppiche, erfreute sich an Echtholzeinlagen am Armaturenbrett und blickte auf einen Bandtacho, der erst bei 250 endete. Elektrische Fensterheber und von innen verstellbare Außenspiegel oder Fußleuchten im Fond waren damals ebenfalls noch etwas Besonderes.

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