Modell Zafira Experten weisen Opel weitere Abgasmanipulationen nach

Opel hat bei der Abgasreinigung stärker manipuliert als bisher bekannt. Das ergaben Recherchen des SPIEGEL und des ARD-Magazins "Monitor". Experten vermuten ein Vorgehen ähnlich wie bei VW.
Opel-Typenschild

Opel-Typenschild

Foto: Jens Büttner/ picture alliance / dpa

Untersuchungen für das ARD-Magazin "Monitor" (heute, 21.45 Uhr, ARD) und den SPIEGEL weisen für Dieselfahrzeuge des Autoherstellers Opel weitere, bisher unbekannte Abschalteinrichtungen nach. Diese führen dazu, dass die Abgasreinigung der Fahrzeuge nur eingeschränkt funktioniert und mehr giftige Stickoxide emittiert werden als gesetzlich vorgesehen. Experten halten das für illegal.

Die gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vorgenommenen Untersuchungen widersprechen der bisherigen Darstellung des Autoherstellers und des Bundesverkehrsministeriums, das in einem Untersuchungsbericht festgestellt hatte, dass "bei keinem weiteren Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung wie bei bestimmten Fahrzeugen des VW-Konzerns nachgewiesen" worden sei.

Opel hatte lediglich eingeräumt, dass die Abgasreinigung des betreffenden Opel Zafira nur in einem engen Temperaturfenster "im Bereich von 20 bis 30 Grad vollumfänglich" funktioniere.

Eine Abgasreinigung, die nicht so funktioniert wie vorgeschrieben

Die Recherchen von "Monitor" und SPIEGEL zeigen jedoch, dass selbst in diesem Temperaturbereich die Abgasreinigung häufig nur eingeschränkt arbeitet. Etwa wenn die Drehzahl des Motors einen Wert von 2400 Umdrehungen pro Minute überschreitet, das Fahrzeug auf mehr als 145 km/h beschleunigt wird oder ein Umgebungsluftdruck von weniger als 915 Millibar herrscht, was in der Regel einer Höhe von 850 Metern über dem Meeresspiegel entspricht.

Opel Zafira 1,6 l auf dem Prüfstand

Opel Zafira 1,6 l auf dem Prüfstand

Foto: Marcel Rosenbach

Diese Abschaltvorrichtungen wurden sowohl durch das Auslesen der geheimen Motorsteuerung als auch durch Tests auf Prüfständen etwa beim TÜV Nord in Essen und bei Tests auf der Straße nachgewiesen. "Wie bei VW gibt es auch bei Opel technische Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass die Abgasreinigung nicht so funktioniert, wie die EU-Verordnung das vorsieht. In beiden Fällen handelt es sich um eine nicht zugelassene Abschaltvorrichtung", erklärt Martin Führ, Experte für Umweltrecht an der Hochschule Darmstadt.

Opel hat die Behörden nicht informiert

Über diese Abschalteinrichtungen hat Opel die Behörden offenbar nicht informiert. Das Bundesverkehrsministerium hat sie in seiner eigenen Untersuchung nicht festgestellt. Man wolle die neu gewonnenen Erkenntnisse des Rechercheteams aber "zur Überprüfung dem zuständigen Kraftfahrt-Bundesamt" übergeben, hieß es aus dem Ministerium.

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch kritisiert, dass die Fahrzeuge offenbar gezielt so gebaut worden seien, dass sie nur in Ausnahmefällen sauber erscheinen. "Das Bundesverkehrsministerium hat in den letzten Monaten aktiv weggeschaut. Es wurde eben nicht nachgeprüft, ob tatsächlich Abschalteinrichtungen, die eindeutig verboten sind, zusätzlich zu den Temperaturabschaltungen verbaut sind."

Opel kontert auf Anfrage mit einer technischen Spitzfindigkeit und beteuert, dass man keine Software einsetze, "die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird." Weiter heißt es: "Unsere Software war nie darauf ausgelegt, zu täuschen oder zu betrügen." Der Konzern streitet damit den Einsatz einer sogenannten Zykluserkennung ab, wie sie bei VW nachgewiesen wurde. Unter dem Strich, so scheint es, bewirken die Abschaltvorrichtungen von Opel aber das gleiche: dass die Abgasreinigung nur unter den Testbedingungen vollständig funktioniert.

Mehr zu den neuen Vorwürfen gegen Opel im ARD-Magazin "Monitor" (Donnerstag, 21.45 Uhr, ARD) und im nächsten SPIEGEL.