Opel GT Cola-Flasche mit Schlafaugen

Zwei Buchstaben und jedem Autofan ist klar, was gemeint ist: GT - steht für Gran Turismo, den zweisitzigen Sportwagen von Opel aus den Sechzigern. Und für den Spruch "Nur Fliegen ist schöner", mit dem die Rüsselsheimer das Alltagsdeutsch bereicherten.


Rüsselsheim - Nach mehr als 30 Jahren Pause hat Opel zwar ein neues Modell mit der Typbezeichnung GT vorgestellt, was für Gran Turismo steht. Doch es wird wohl noch einige Zeit so bleiben, dass bei der Nennung der beiden Buchstaben an den alten GT aus den Sechzigern gedacht wird. Nur wenige Autos haben es geschafft, sich so in das Gedächtnis der Menschen einzuprägen wie der GT, obwohl das Auto nur fünf Jahre lang gebaut wurde.



Zu den Händlern kam der GT zwar erst 1968 - in den Köpfen einiger Opel-Mannen war er aber schon 1962 präsent. Damals gab es erste Überlegungen, einen echten Sportwagen zu bauen. Bis dahin war Opel für eher betuliche Limousinen bekannt. Ein etwas sportlicheres Image - und ein dazu passendes Modell - könnten auch ein jüngeres Publikum anziehen, dachte man. Nach und nach wurden die Ideen konkreter. Aus anfangs noch eher zurückhaltenden Entwürfen entwickelte sich immer mehr eine für damalige Verhältnisse recht extravagante Form.

Das Ergebnis wurde 1965 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Auf der Internationalen Automobilausstellung zeigte Opel die Studie mit der Bezeichnung Experimental-GT. Dass daraus einmal ein Serienfahrzeug werden würde, war zu diesem Zeitpunkt ganz und gar nicht sicher. Bevor man an die Produktion denken wollte, sollte die Reaktion des Publikums auf Automessen getestet werden - der Prototyp stieß auf Begeisterung.

Sportwagen für Normalverdiener

Dennoch ließ Opel das Auto erst mal wieder verschwinden. Hinter den Kulissen wurde aber fleißig weiter am Konzept und dessen Serienreife gearbeitet. Vor allem wurde die Studie optisch verfeinert. Die anfänglich rechteckigen Scheinwerfer-Abdeckungen des Prototypen wichen der später typischen ovalen Ausführung. Auch die Frontscheibe veränderte sich noch ein wenig. Der Innenraum wuchs etwas in die Breite, und die Motorhaube bekam ihre charakteristische ovale Ausbuchtung - die hatte den Zweck, für den Motor samt Vergaser darunter genügend Platz zu schaffen.

Als der GT im Jahr 1968 tatsächlich kam, verursachte er völlige Begeisterung. "Die Sensation des Jahres: der neue Opel GT" lautet eine Überschrift in der Zeitschrift "Hobby". Mit dem GT nahm Opel nebenbei vorweg, was heute als Plattformstrategie bekannt ist. Denn der GT sollte ja kein Traumauto für Superreiche werden, er war vielmehr als Sportwagen für Normalverdiener gedacht. Fahrwerkskomponenten und Motoren stammten daher aus den Konzerregalen.

Das Einstiegsmodell musste mit einem 60-PS-Motor aus dem damaligen Opel-Kleinwagen Kadett auskommen - kostete aber auch nur knapp 10.800 Mark. Der GT 1900 erhielt immerhin ein 90 PS starkes Aggregat aus der Limousine Rekord - was für ein Spitzentempo von 185 Stundenkilometern sorgte.

Opel hatte einen Treffer gelandet, dem man auch nachsah, dass er nicht in allen Belangen perfekt war. Mancher Interessent dürfte bei der ersten Besichtigung lange nach dem Griff für die Kofferraumklappe gesucht haben - doch weder Griff noch Klappe gab es beim GT. Vielmehr thronte auf dem Blech am Heck ein schicker Tankdeckel. Das Gepäck selbst durfte mit einiger Mühe und den entsprechenden Verrenkungen durch die Türen gewuchtet und hinter den Sitzen verstaut werden.

"J" stand für Junior

Im Innenraum herrschte sportliches Ambiente vor, wozu auch die schicken Sitze mit den integrierten Kopfstützen beitrugen. Doch den Fuß aufs Gaspedal stemmen und kräftig am Lenkrad drehen, war nicht die einzige Arbeit, die auf die Piloten wartete. Opel hatte auch noch eine Art Mini-Fitness-Studio eingebaut: Um die tagsüber unter den Klappen verdeckten Scheinwerfer auszufahren, war Handarbeit nötig. Hier halfen keine Elektromotoren, vielmehr musste an einem etwas schwergängigen Hebel gezogen werden, um die Leuchten in die richtige Position zu bringen.

Weil der GT so wie er war geliebt wurde, gab es auch nur wenige Änderungen während seiner Bauzeit. Der Wunsch nach einer offenen Version wurde nicht erhört - es blieb bei zwei Prototypen. Stattdessen kam 1971 der GT/J als zusätzliche Modellvariante. "J" stand für Junior und war schon ein deutlicher Hinweis auf die Zielgruppe: junge Leute mit Lust auf Leistung und wenig Geld.

Der J bekam den 90 PS starken Motor. Die Käufer mussten aber mit einer kargen Ausstattung vorlieb nehmen. Dass außen Chrom gegen mattschwarzen Lack getauscht werden, mochte noch als sportlich durchgehen. Innen dagegen zeigten unter anderem Gummimatten statt des üblichen Teppichbodens, dass der Rotstift angesetzt worden war.

Schon zwei Jahre nach dem Start des J war die Geschichte des GT allerdings Mitte 1973 wieder vorüber - was nicht an mangelndem Publikumsinteresse lag. Vielmehr hätten verschärfte Sicherheitsvorschriften auf dem wichtigen Markt USA weit reichende Änderungen notwendig gemacht, die den Charakter verwässert oder gar eine Neukonstruktion erforderlich gemacht hätten. Doch 103.463 gebaute Autos haben gereicht, um den Satz "Nur Fliegen ist schöner" und den Opel GT an sich unvergessen zu machen.

Von Heiko Haupt, gms



insgesamt 259 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Don Jusi, 04.10.2005
1.
Theoretisch habe ich etliche Traumautos, sowohl Youngtimer als auch aus der Oldtimer. Was mich abschreckt, ist die ewige Bastelei, der Zeit- und Platzbedarf, die mangelnde Ersatzteilversorgung, die Umweltschädlichkeit und nicht zuletzt der hohe Spritverbrauch. Aber schön anzusehen ist es immer. Bleibt für mich also ein Hobby für Reiche, die viel Haus- und Grundfläche besitzen und auch genügend Zeit haben.
Franz Dumfart, 04.10.2005
2.
Hehe. Mein Renault 5 ist nun 19 Jahre alt, ein paar Jährchen noch und ich bin auch ein Oldtimer Fan ;) Grundsätzlich bin ich aber kein Liebhaber von "alten" Autos. Mir gefallen sie auch meist gar nicht, und generell finde ich so einen riesen Trubel um Autos immer recht unnötig. Ist doch nur ein Auto.
B.W., 04.10.2005
3. - - -
Trotz des oft wunderschönen Anblicks, möchte ich keine Oldtimer besitzen. Wie oben schon erwähnt, bedarf es bei einem solchen Auto viel Zeit und Geld, dass ich in der Menge nicht besitze :-) . Mein Traum jedoch ist es, einemal auf Kuba mit einem alten amerikanischen Auto durch Havanna zu fahren (Dort wurden nach dem Importembargo Amerikas keine Autos mehr importiert). In der linken Hand eine Cigarre von der Dicke einer Weißwurst, in der rechten eine Flasche Rum! Das Lenken ist dann das einzige Problem.... Grüße!!!
Kunigunde, 05.10.2005
4.
1. Ich fahre grundsätzlich nur "alte" (= gebrauchte) Autos - wenn ich mir den Wertverlust gerade im 1. Jahr angucke, dann weiß ich, daß sich die Autohersteller über die dummen Neuwagenkäufer scheckig lachen müssen. 2. Die weit überwiegende Mehrzahl der modernen Autos ist nicht wirklich "schön": Quietschfarben, entweder grimmig-aggressiv (-> Zielgruppe: Männer) oder Kindchenschema (-> Zielgruppe: Frauen). Aber schön und elegant? Ganz ehrlich: Seit Ende der 1960er Jahre (wieder mal) kam da nicht mehr viel. Einen Oldtimer würde ich mir aber nur als Dritt- oder Viertwagen kaufen - für den Alltag im heutigen Straßenverkehr mit Millionen von Idioten hinterm Steuer sind die schönen Autos "von Gestern" viel zu schade! MfG Kunigunde
Radler2, 06.10.2005
5.
---Zitat von Don Jusi--- Was mich abschreckt, ist die ewige Bastelei, der Zeit- und Platzbedarf, die mangelnde Ersatzteilversorgung, die Umweltschädlichkeit und nicht zuletzt der hohe Spritverbrauch. Aber schön anzusehen ist es immer. ---Zitatende--- Nachdem ja bisher nur Leute hier schreiben, die keine praktische Erfahrung haben: Fahre seit '95 einen MG B. Recht günstig erstanden, daher in der ersten Zeit tatsächlich einiges zu basteln. Aufwand inklusive Anschaffung im ersten Jahr ca. 20.000 DM, schätze ich. Seitdem hält sich der Aufwand in Grenzen, allerdings mache ich das meiste selber und fahre nicht viel. Die letzte gößere Reparatur war 2000... Die Ersatzteilversorgung für dieses Fahrzeug ist einwandfrei, und die Teile sehr günstig (viel billiger als für mein Alltagsfahrzeug). Alle Verschleißteile gibt es neu. Allerdings sind die Teile sicher nicht von der Qualität, die man von deutschen Autos gewöhnt ist. Spritverbrauch liegt bei 9-11 Litern, das ist ja wohl nicht zu viel. Ist allerdings ganz klar ein Zweitwagen, da ich mich zwecks Erhaltung bemühe, den Wagen nur bei Trockenheit aus der Garage zu holen. Vor Unfällen habe ich eher weniger Angst - das hat man ja bis zu einem gewissen Grad selber im Griff - habe ich aber auch schon gehabt, ein Kamikaze-Radler, dessen Versicherung dann aber brav gezahlt hat. ---Zitat von Don Jusi--- Bleibt für mich also ein Hobby für Reiche, die viel Haus- und Grundfläche besitzen und auch genügend Zeit haben. ---Zitatende--- Naja, man braucht halt eine Garage, in meinem Fall eine abschließbare Einzelgarage; die Miete dafür ist in der Jahresbilanz das teuerste am dem Wagen (ausser Sprit vielleicht...). In diesem Jahr habe ich bisher ca. zwei Stunden damit verbracht, den Wagen zur AU in die Werkstatt zu bringen (Plakette kann man leider nicht selber kleben).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.