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05. März 2007, 17:36 Uhr

Opel GTC Concept

Steiler Zahn

Von

Jetzt geht es endlich los: Nachdem bereits fast alle Stars des Genfer Salons offiziell enthüllt oder unfreiwillig enttarnt wurden, richten sich alle Blicke auf Opel. Die Hessen haben ihr GTC Concept lange geheim gehalten und werden viele überraschte Blicke ernten.

Am Vorabend des Genfer Salons ist der vornehme Parc des Eaux Vives immer einen Besuch wert. Nicht weil das Schlösschen so romantisch über dem Seeufer thront. Und auch nicht, weil die Küche so ausgezeichnet ist. Sondern weil General Motors hinter dem Prachtbau in einem schlichten Zelt kurz vor dem großen Trubel seine Messeneuheiten präsentiert und dabei immer mit einer handfesten Überraschung aufwartet.

Im letzten Jahr war das der futuristische Saab Aero-X, mit dem die Schweden ihre Daseinsberechtigung in die Zukunft fortschreiben wollten. Nun ist wieder einmal Opel dran und rückt als Höhepunkt des Abends und als designierten Star der Messe das GTC Concept ins Rampenlicht.

Mit dem großen Coupé nutzt auch die deutsche GM-Tochter den Auftritt für einen Blick in die Zukunft, der allerdings von sehr viel mehr Optimismus und Stolz getragen ist. Denn mit dem Rückenwind von Erfolgsmodellen wie Astra und Zafira und von Imageträgern wie dem neuen GT soll diese Studie nach den Worten von Opel-Chef Hans Demant "ein selbstbewusster Botschafter der Marke" sein, der eine "Rolle als Vorbote von Technik und Design künftiger Serienmodelle spielen" könnte.

Wie immer bei solchen Fahrzeugen klingt das wenig konkret. Doch wer genau hinschaut, ein wenig abstrahiert und im Begleittext zwischen den Zeilen liest, der erkennt im Gran Tourismo Coupé mit seinem 300 PS starken Turbo und dem traktionsfördernden Allradantrieb bereits einen konkreten Ausblick auf die nächsten Generation des Vectra, der spätestens 2008 erwartet wird.

Zu böse für den Straßenauftritt

Auf den ersten Blick allerdings wird der 4,83 Meter lange Zweitürer fast ein wenig schockieren. Denn auch wenn er für Designchef Bryan Nesbitt "die nächste Ära der Opel-Designsprache einläutet", weist er doch stilistisch ziemlich weit in die Zukunft. Zu böse blicken die gleißenden LED-Scheinwerfer und zu ungewöhnlich wirken die fast zu Reißzähnen eines Säbelzahntigers mutierten Lüftungsschlitze, als dass man sich dieses Auto so auf der Straße vorstellen möchte.

Doch wenn man sich diese überzeichnete Maskerade ebenso wegdenkt wie die von einem Feuerstuhl entlehnten Endrohre, dann hat man einen sportlichen und eleganten Look, der typische Opel-Elemente wie die breite Chromspange oder die markante Bügelfalte auf der Längsachse in eine interessante Richtung fortschreibt. Und falls es auch bei den zwei rahmenlosen Türen und den sportlich breiten Hüften bliebe, hätte man statt des neuen Vectras gleich noch einen Nachfolger für den Calibra, auf den die Opel-Fans schon so lange vergebens warten.

Wie ernst es den Designern mit ihrer Studie ist, offenbart der Blick nach innen. Wo solche Konzeptautos sonst oft zur Spielweise für Captain Future mutieren, sieht das GTC Concept fast so aus, als sollte es noch in diesem Sommer in Serie gehen. Es gibt keine verspielten Bedienelemente, keine überzogenen Multimedia-Animationen, keine exotischen Materialien und kein futuristisches Cockpit, sondern statt dessen eine aufgeräumte Instrumententafel, eine sehr vornehme Auswahl von elfenbeinfarbenen Oberflächen, schwarzem Klavierlack und poliertem Aluminium. Außerdem gibt es vier klassische Rundinstrumente, die künftig in lustvollem Rot glühen, statt matt in warmem Orange zu schimmern. Einzige Spielerei der Designer ist eine Art "roter Faden", der sich als breites Band durch die Sitze bis hinein ins unten abgeflachte Lenkrad zieht.

Vom Familien-Limousine zum Zweisitzer

Glanzlicht im Innenraum ist aber das neue Sitzkonzept, das den Besitzer künftiger Opel-Limousinen wie heute schon in Zafira, Meriva oder Signum zum Stühlerücken einlädt und wegen der Zahl der Sitzplätze den Namen "Flex4" trägt. Auf Knopfdruck können dabei die Rücklehnen im Fond nach vorn gefahren werden, während sich automatisch eine Abdeckung über die Sitzkissen schiebt. So wird das GTC wahlweise zum Drei- oder Zweisitzer mit dem Kofferraum eines Kombis.

Dennoch haben die Entwickler nicht nur an die Ladung gedacht: "In den letzten Jahren sind viele Autos immer größer geworden, ohne dass die Passagiere davon profitierten. Beim Opel GTC Concept haben wir diesen Trend umgekehrt und bei vergleichsweise kompakten Außenmaßen die entscheidenden Wohlfühlmaße im Innenraum optimiert", so Frank Leopold, der das Raumkonzept verantwortet: "Dadurch passt das Auto so perfekt wie ein guter Handschuh."

Angesichts des leidenschaftlichen Designs, des potenten Motors und des ausgeklügelten Innenraums strotzt das Management nur so vor Stolz: "Der GTC Concept verkörpert die selbstbewusste, emotionale Richtung, die wir mit Opel einschlagen. Seine aufregende Linienführung reflektiert in Kombination mit hoher Fahrdynamik und intelligenter Innenraum-Flexibilität die künftige Betonung der Kerneigenschaften der Marke Opel", sagt zum Beispiel Marketing-Chef Alain Visser und verweist auf ein kleines Detail, das man beinahe übersehen könnte. Denn wie groß der neue Stolz bei Opel zeigt schon das neue Markenlogo: Es ist nicht nur größer als früher, sondern trägt um den strahlenden Blitz nun ganz selbstverständlich eine Gravur des Opel-Schriftzugs.

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