Opel-Insignia-Design Kreatives Geflügel

Frisches Design, originelles Interieur: Vom Insignia erhofft sich Opel eine Menge. In Rüsselsheim gewährten die Designer einen ersten Blick auf das Interieur der Mittelklasse-Limousine. Der Innenraum ist ein großer Wurf, meint Tom Grünweg.


Spaziert man in diesen Tagen durch das Opel-Designcenter in Rüsselsheim, hört man kaum hessische Mundart. Stattdessen sprechen die Opelianer Denglisch, es ist von "wings" und "blades" die Rede. Im Herbst ersetzt der Insignia die glücklose Mittelklasse-Limousine Vectra - und wenn es um das Design des Hoffnungsträgers geht, muss deshalb auch das Vokabular frisch und modern klingen.

Der Insignia wird im Juli auf der Motorshow in London enthüllt. Weil der Wagen für Opel so wichtig ist, schlachten die Hessen den Produktstart PR-mäßig voll aus. Bereits im März 2007 stand auf dem Genfer Autosalon eine ziemlich seriennahe Studie des Hoffnungsträgers. In diesem Frühjahr dann veröffentlichte Opel von sich aus die sonst so geheimen Erlkönig-Fotos von getarnten Prototypen, ein paar Wochen später wurden die ersten Bilder der nun nicht mehr getarnten Karosserie nachgereicht. Und bei einem Workshop in Rüsselsheim wurde nun der Insignia-Innenraum präsentiert.

Designchef Mark Adams und sein Team legten sich denn auch mächtig ins Zeug. Man sei dem Leitmotiv "skulpturaler Kunst und deutscher Präzision" gefolgt, das künftig jedem Opel eigen sein solle. Eine Skulptur? Dazu werde der Wagen durch das Wechselspiel der von nach innen und außen gebogenen Flächen, deren Übergänge durch jene "wings" und "blades" erzeugt werden.

Prägnanteres Logo zeugt von neuem Selbstbewusstsein

Präzision sollen Dutzende verchromter Zierteile vermitteln, ebenso die riesigen Scheinwerfer mit ihrem komplexen Innenleben. Das neue Markenlogo hat einen größeren Opel-Blitz und einen eingravierten Opel-Schriftzug. Insgesamt wirkt der Insignia trotz des deutlich gewachsenen Formats kompakt und sportlich.

Noch deutlicher wird dieser Effekt beim Interieur, das sich jetzt durchaus mit dem von Audi oder Mercedes messen lassen kann. Für John Pusker, den Chef des Innenraum-Designs, ist Präzision "mehr als kleine Spaltmaße". Er habe eine Landschaft aus fließenden Linien gestaltet, erklärt er. Wo man den Insignia berührt, soll er sich edel und gut anfühlen. Die Farbauswahl ist größer denn je, und die Oberflächen machen schon bei den ersten Prototypen mächtig Eindruck.

Bei der ersten Sitzprobe fühlt man sich geborgen wie in der Kuschelecke. Das Armaturenbrett läuft erst in den Türen aus und umgreift die Frontpassagiere regelrecht. Und die Mittelkonsole schwappt wie eine Welle zwischen die Sitze. Trotzdem wirkt der Wagen geräumig und großzügig.

Türgriffe in Hockeyschlägerform

Die Gestaltungsmerkmale "blade" und "wing" finden sich auch im Interieur wieder: Die Türgriffe sehen aus wie verkleinerte Hockeyschläger, das Lenkrad trägt eine Chromschwinge, und um den Schaltknauf zieht sich ein schwungvoll geformter Alustreifen. Überhaupt fallen viele hübsche Details auf, etwa die Bedienwalzen im Lenkrad oder die Skalenringe um Tacho und Drehzahlmesser. Über die winzigen Chromstege zwischen den Schaltern des Infotainment-Bedienteils, hört man bei Opel, habe der Lieferant zwar geflucht, doch der Kunde wird es wohl danken: So sieht die Knopfleiste nicht nur besser aus, sie lässt sich auch prima bedienen.

Schließlich gibt es auch eine neue Innenraumbeleuchtung, die den Insignia dank roter Dioden buchstäblich in einem neuen Licht erscheinen lässt. Beim Druck auf die Sporttaste wird sogar die Cockpitbeleuchtung von Weiß auf Rot umgestellt.

In Rüsselheim ist man ob des neuen Insignia ziemlich euphorisch. Allerdings birgt die Strategie, den Wagen mit all seinen für Opel gewiss revolutionären Details schon vorab Stück für Stück vorzustellen ein gewisses Risiko: Wenn schon vorher alles bekannt ist, könnte der Insignia schon vor dem eigentlichen Start für viele Interessierte ein alter Hut sein. Das hätte er nicht verdient.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.