Opel Insignia Schluss mit Vectra

Namenswechsel in der Autoindustrie sind selten. Wer ein eingeführtes Modell plötzlich anders bezeichnet, will auch mit dem althergebrachten Image brechen. So war es, als Toyota den Corolla in Auris umbenannte, so ist es nun bei Opel, wo aus dem Vectra der Insignia wird.

Im kommenden Sommer, gleich nach der Fußball-Europameisterschaft, wird Opel den Ball auf den Elfmeterpunkt legen und muss unbedingt treffen. Es geht um das neue Mittelklasse-Modell, um den Nachfolger des Vectra, der im Juli 2008 präsentiert werden soll. Und damit nur ja keiner auf die Idee kommt, das frische Auto hätte mit dem zuletzt doch arg angegrauten Vectra etwas zu tun, erhält der Neuzugang auch einen neuen Namen. Der Wagen wird Insignia heißen und auf der London Motorshow seine Weltpremiere erleben.

"Neue Maßstäbe bei Technik und Design", verspricht Opel. Gebaut werden soll das Auto in Rüsselsheim, teilt das Unternehmen außerdem mit. Und es heißt, dass es eine ganze Insignia-Familie geben werde, was darauf hindeutet, dass, wie bisher auch, neben der Limousine wohl auch ein Kombi und eine Coupé-Variante oder eventuell noch weitere Karosserieversionen geplant sind. Opel-Marketingchef Alain Visser sagt, der Insignia werde "bei Komfort und Umweltfreundlichkeit ein Niveau erreichen, das auch deutlich teurere Wettbewerber nicht übertreffen." Das ist ein hoher Anspruch, zumal Opel in der Mittelklasse bislang eher Durchschnittsware anbot.

Das zeigen auch die Verkaufszahlen, die sich anhand der Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts ergeben. In diesem Jahr rangiert der Opel Vectra bislang hinter den Modellen VW Passat, BMW 3er, Audi A4, Mercedes C-Klasse und Ford Mondeo auf Rang sechs in der Mittelklasse - dicht gefolgt vom Mazda 6 und vom Toyota Avensis. Lediglich 15.765 Vectra-Modelle wurden von Januar bis einschließlich Oktober in diesem Jahr in Deutschland neu zugelassen. Für eine Marke wie Opel kann das nicht befriedigend sein.

Zumals die Rüsselsheimer durchaus eine Tradition vorzuweisen haben in diesem Segment. Bereits 1970 rollte das erste moderne Mittelklasse-Modell der Marke auf die Straßen, der Opel Ascona. Von dieser Baureihe wurden in drei Modellgenerationen binnen 18 Jahren rund 4,4 Millionen Exemplare verkauft. 1988 folgte der Vectra, der ebenfalls in drei Generationen gebaut wurde und von dem knapp 5,5 Millionen Fahrzeuge gebaut wurden. 2008 also folgt der Insignia, der nach Opel-Überzeugung "fortschrittliche Technik für viele erschwinglich" machen soll. Vor allem aber brauchen die Rüsselsheimer dringend wieder ein Zugpferd, und Insignia ist schonmal ein recht ansprechender Name.

jüp