Bericht zu Stickoxid-Problemen Zwangsrückruf für 210.000 Opel-Benziner

Ein zu starker Schadstoffausstoß vieler Modelle hat die Autoindustrie in eine schwere Vertrauenskrise gestürzt. Nach einem ersten Rückruf verpflichtet das Kraftfahrt-Bundesamt Opel jetzt zu Nachbesserungen.

Patrick Pleul/DPA

Der Autobauer Opel muss auf Druck des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) Tausende Fahrzeuge wegen überschrittener Abgas-Grenzwerte zurückrufen. Dies berichtet die "Bild am Sonntag" unter Verweis auf die Behörde. Es handele sich um eine Zwangsmaßnahme, nachdem Opel zuvor angekündigt habe, eine fehlerhafte Funktion in der Abgasreinigung mit Hilfe einer Software freiwillig beseitigen zu wollen.

Ein Opel-Sprecher wollte nach Angaben der Zeitung keine Stellung dazu nehmen, verwies jedoch auf frühere Äußerungen zu eigenen Kontrollen des Unternehmens vor rund zwei Monaten. Das Bundesverkehrsministerium wollte demnach ebenfalls keinen Kommentar abgeben.

Anders als zu Beginn der Abgasaffäre, die vor allem durch Manipulationen des Volkswagen-Konzerns im September 2015 entstanden war, waren zuletzt nicht nur Diesel-, sondern auch Benziner-Modelle ins Visier von Behörden und Prüfern geraten. Im jüngsten Fall bei Opel hatte der Hersteller bei eigenen Prüfungen von 1,2- und 1,4-Liter-Motoren bemerkt, dass teilweise "die Lambdaregelung bei hohen Geschwindigkeiten nicht hinreichend robust funktioniert".

Nach Informationen der Zeitung geht es bei dem nun letztlich doch angeordneten Rückruf um Autos der Modelle Corsa und Adam, die 2018 und 2019 gebaut wurden. Sie sollen die zulässigen Höchstwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) deutlich gerissen haben. Betroffen sein sollen demzufolge etwa 210.000 Wagen in ganz Europa, darunter rund 54.000 in Deutschland.

Im Oktober des vergangenen Jahres hatte Opel bereits die Abgasanlagen Tausender Dieselfahrzeuge der Modelle Insignia, Cascada und Zafira nachrüsten müssen. Hierzu ordnete das KBA einen amtlichen Rückruf an. Gegen den Bescheid kündigte das Unternehmen damals rechtliche Schritte an und wies den Vorwurf des Einbaus illegaler Abschalteinrichtungen zurück.

Auch mehrere andere Autokonzerne mussten wegen zu hoher Schadstoffwerte vor allem Dieselfahrzeuge zurückrufen, darunter neben VW etwa Daimler oder Audi. In vielen Fällen versuchen die Hersteller, die Mängel zunächst durch freiwillige Servicemaßnahmen wie Software-Updates zu beheben.

jap

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
rantamplan 16.06.2019
1. Super KBA
Jetzt greift sich das KBA einen kleinen nicht deutschen Hersteller um Härte zu zeigen. An den VW Konzern der seit fast 20 Jahren Direkteinspritzer teilweise mit Aufladung und ohne OPF baut, wagt sich das KBA nicht. Dass sind nähmlich wahre NOx Monster.
www-professor 16.06.2019
2. Wunderbar
Endlich ist es so weit: auch die Benziner werden erwischt. Das Gute dabei ist, dass Deutschland sich unter der großartigen Führung des CSU-lers Scheuer auch als DIE große CO2-Schleuder-Nation outen kann: Dank freier Fahrt für freie Bürger darf natürlich auch jeder Opel mit Tempo 200 und mehr bei Vollausstoß durch die Lande rasen ...
jasper366 16.06.2019
3.
Zitat von rantamplanJetzt greift sich das KBA einen kleinen nicht deutschen Hersteller um Härte zu zeigen. An den VW Konzern der seit fast 20 Jahren Direkteinspritzer teilweise mit Aufladung und ohne OPF baut, wagt sich das KBA nicht. Dass sind nähmlich wahre NOx Monster.
Äh, nein... Wenn dann sind dies die Fahrzeuge mit dem deutlich höheren Rußausstoß (Feinstaub). Seit der Einführung des 3-Wege Katalysators hat der Benziner nämlich einen deutlich geringen NoX Ausstoß als ein Diesel.
Referendumm 16.06.2019
4. Probleme bei der "Lambdasonde" ...
So, so, da werden Unregelmäßigkeiten an den Lambdasonden bei höheren Laufzeiten von diversen Opel-Benzinern festgestellt und Opel will das Problem nun durch ein Software-Update lösen? Die Ing. in Rüsselheim sind ja richtig mutig, denken wohl, es handelt sich stets um einen konstant verlaufenden Fehler, der stets in die selbe Richtung läuft. Und das bei einem Bauteil, welches bereits bei schlappen 50.000 km Laufleistung die Biege macht. Und was bitteschön kostet denn der Einbau einer ganz neuen und besseren "Lambdasonde"? Opel keine 100 Euro. Der Sensor (wohl eher ein "Breitband"-Sensor als eine ursprüngliche "Sonde") kostet dem Autobauer keine 20 Piepen. Der Einbau lässt sich sehr einfach vornehmen - in wenigen Minuten. Also drückt sich mal wieder ein Autobauer vor den geringen, lächerlich geringen Kosten. 54.000 Fahrzeuge mal 100 Euro (in D) sind doch Peanuts für Opel / Peugeot. Aber da sieht man mal wieder, wie viel die Umwelt und vor allem die Kunden diesen Autobauern wert sind. Es ist einfach nur noch zum Ko..en. Für solche Fälle sollte man endlich mal ganz strenge Gesetze aufm Weg bringen und den Schmusekurs mit den Autobauern endlich beenden. Nur leider ist der Dt. Staat z.B. beim VW-Konzern ja selber finanziell engagiert und höhere Ausgaben verringern die heiß ersehnten Milliarden Dividenden. Die Umwelt und den Kunden sind den Politiker ja noch egaler.
noch_ein_forenposter 17.06.2019
5. Äh nein
Zitat von www-professorEndlich ist es so weit: auch die Benziner werden erwischt. Das Gute dabei ist, dass Deutschland sich unter der großartigen Führung des CSU-lers Scheuer auch als DIE große CO2-Schleuder-Nation outen kann: Dank freier Fahrt für freie Bürger darf natürlich auch jeder Opel mit Tempo 200 und mehr bei Vollausstoß durch die Lande rasen ...
Dass Deutschland die CO2-Ziele verpasst hat, liegt fast ausschließlich am Atomausstieg (den ich als richtig erachte) und dem damit verbundenen Weiterbetrieb vieler Kohlekraftwerke. Mit Autos hat das eher wenig zu tun. Übrigens: Die "grüne" Kernkraftnation Frankreich hatte natürlich keine Probleme mit CO2 - ca. 70% der Energie wird durch Kernkraft erzeugt.
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