Opel-OPC-Fahrertraining Hütchenspiele auf der Ideallinie

Wer bei Opel ein OPC-Modell kauft, so die Erfahrungen aus dem Marketing, der will es auch mal richtig krachen lassen. Weil das auf öffentlichen Straßen erstens gefährlich und zweitens verboten ist, haben die Hessen nun ein spezielles Fahrertraining entwickelt.


In der Luft liegt der Geruch verbrannten Gummis, den Asphalt zieren dicke schwarze Streifen, und immer wieder übertönt ein lautes Quietschen die ruhigen Worte von Sascha Bert. Seine Stimme quäkt aus dem Funkgerät in der Mittelkonsole und fordert unerbittlich zum Beschleunigen, Bremsen oder Lenken auf. Dort, wo man draußen im richtigen Leben längst die Reißleine gezogen hätte, bittet er um ein paar zusätzliche Gasstöße und den nötigen Mut, damit der Wagen durch die enge Slalomgasse zirkelt. "Nur so könnt ihr die Nick- und Neigebewegungen ausloten und euch an den Grenzbereich herantasten", ruft er ins Auto und sieht zu, wie mal wieder die Hütchen von der Strecke fliegen.

Gott sei dank ist das nicht das richtige Leben, und Sascha Bert kein normaler Fahrlehrer. Der freundliche Herr mit der Engelsgeduld ist Instruktor aus dem Team des ehemaligen Rennfahrers Manuel Reuter. Das Auto ist kein gewöhnlicher Kompaktklässler, sondern ein Astra OPC. Und geübt wird nicht auf der Landstraße, sondern auf der Grand Prix Strecke des Nürburgrings. Dort, wo noch das Singen der Formel-1-Motoren in den Wäldern hängt und der Champagnerduft über der Boxengasse liegt, hat Opel jetzt einer Reihe von Journalisten demonstriert, was die Kunden ab Ende September auch erleben können: Ein Fahrertraining beim Opel Performance Center (OPC).

Jeweils freitags, samstags und sonntags sollen dann bis zu 36 Kunden ausprobieren können, was wirklich in ihnen und ihren Autos steckt. Der Preis für die eintägigen Kurse, die man ganz normal beim Händler buchen kann, stehen noch nicht endgültig fest. Doch wird man sich den Spaß wohl rund 400 Euro kosten lassen müssen. Oder eine Unterschrift unter den Kaufvertrag für ein OPC-Modell. Denn dann, so die aktuelle Planung, gibt es das Training gratis dazu.

Jetzt startet auch Opel das Spiel mit den Hütchen

Solche Hütchenspiele an der Ideallinie sind bei den sportlichen Premium-Marken im deutschen Süden schon lange gang und gäbe. Nachdem Opel in den letzten Monaten die Flotte der potenten OPC-Modelle kräftig ausgeweitet hat und nun vom Meriva bis zum Vectra die Muskeln spielen lässt, haben auch die Hessen die Kurvenhatz als Instrument der Kundenbindung entdeckt und bei ihrem einstigen Werksfahrer Manuel Reuter ein spezielles Fahrprogramm in Auftrag gegeben.

"Kunden, die solche Fahrzeuge kaufen, sind besonders leistungsorientiert und anspruchsvoll", sagt Jörg Schrott vom Opel Performance Center. Deshalb gehen die Übungseinheiten beim OPC weit über ein normales Sicherheitstraining bei einem Automobilclub hinaus. "Natürlich geht es uns auch um die Beherrschung gefährlicher Standardsituationen. Aber wir fahren nicht nur im zweiten Gang um die Hütchen, sondern zeigen den Kunden, was die Autos wirklich können", verspricht Schrott.

Bringen Sie das Auto auf Ideallinie

Deshalb erklärt Instruktor Bert nicht nur die korrekte Sitzhaltung ("Rücken aufrecht, Arme und Beine leicht angewinkelt"), sondern zeigt den Teilnehmern auch, wie man mit ruhiger Hand eine schnelle Runde fährt, wie man die Ideallinie findet und wie man in einer blinden Schikane einem plötzlichen Hindernis so ausweicht, dass man dabei möglichst wenig Zeit verliert. "Wer ein OPC-Modell kauft, soll das außergewöhnliche Potenzial seines Fahrzeugs verstehen, ausnutzen und sicher beherrschen können", verspricht Reuter, der am Streckenrand steht und jedes Fahrmanöver noch einmal kommentiert.

Ausgelotet wird der Grenzbereich künftig allerdings nicht auf dem Nürburgring. Wenn im September die ersten Kunden zum Training anrücken, öffnet Opel sein Testzentrum im hessischen Dudenhofen. Auf dem normalerweise streng abgesperrten Areal haben die Hessen in den letzten Monaten eine Menge Geld in Erdbewegungen und Asphaltarbeiten investiert und ein "völlig neues Fahrerlebniszentrum" aus dem Boden gestampft, wie Schrott schwärmt. Das so genannte Skidpad, jene Straßenfläche, die bewässert werden kann und dann glatt wird wie Schmierseife, ist nun groß genug, damit die Astras, Zafiras, Vectras und Merivas dort auch mit hohem Tempo Walzer tanzen können.

Als Zugabe ein Blick auf einen Erlkönig

Ein neuer Handlingkurs soll sicherstellen, dass der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt. Dazu gibt es ein Schulungszentrum sowie aufwändige Mess- und Dokumentationstechnik für die Theorie. "An besonders spannenden Stellen haben wir Kameras aufgestellt, die jeden Fahrer filmen, so dass wir kurz nach der Übung Manöverkritik am Bildschirm machen können", verspricht Schrott. Und so ganz nebenbei lässt er noch einen weiteren Reiz des Trainings einfließen: "Der normale Testbetrieb in Dudenhofen wird für die OPC-Kurse nicht unterbrochen." Soll heißen: Mit etwas Glück erhaschen die Teilnehmer hin und wieder auch mal einen Blick auf so genannte Erlkönige – wild verklebte Prototypen von Autos, die erst in ein, zwei Jahren auf die Straße kommen.

Trotz Vollgas und Vollbremsung beim Training muss niemand ums eigene Blech fürchten: Wie bei den meisten Fahrertrainings werden die Autos auch bei Opel zur Verfügung gestellt. "Sonst", so die Erfahrung eines Instruktors, "kann man die Teilnehmer kaum aus der Reserve locken."

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