Parkplatz-Apps im Überblick Freie Lücke gesucht

Die langwierige Suche nach einem Parkplatz nervt viele Autofahrer. Etliche Apps versprechen, sie zuverlässig zu einem unbelegten Platz zu lotsen. Doch welches System sich durchsetzt, ist noch völlig offen.
Parkplätze in Hannover

Parkplätze in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Wohin mit dem Auto, wenn das Ziel erreicht ist? Dieses Problem kennen viele Autofahrer. Gerade in Städten ist die Suche nach einem Parkplatz häufig nervtötend - im Schneckentempo fährt man Runde um Runde und wartet, bis ein Platz frei wird.

Technik könnte das Problem lösen: Eine ganze Reihe von Park-Apps verspricht, die zeitraubende Suche nach einer Abstellgelegenheit für das Auto überflüssig zu machen, indem sie Autofahrer zielgenau zum nächsten freien Platz lotst. Mittlerweile bieten etliche Start-ups, Industrieunternehmen, Autohersteller und Kfz-Versicherer Autofahrern auf der Parkplatzsuche ihre Dienste an.

"Das ist ein Riesenmarkt", sagt Felix Harteneck, Geschäftsführer und Mitgründer des Münchner Start-ups Park Here, das Parkplatzsensoren produziert und in mehreren europäischen Städten Aufträge an Land gezogen hat. BMW und die Axa-Versicherung sind seit Herbst mit Park-Apps auf dem Markt. Audi hat ein Modellprojekt für pilotierte Parkplatzsuche in den USA gestartet. Bosch arbeitet nach Unternehmensangaben an zwei Vorhaben, auch Siemens forscht.

Gerade in Städten wird die Parkplatzsuche immer nerviger

Der Grund: Allein in Deutschland wächst die Zahl der Fahrzeuge alljährlich um etwa eine Million - und in den Städten steigen sowohl die Einwohner- als auch die Pendlerzahlen. Das Ergebnis: Mehr Verkehr, die Parkplatzsuche wird immer nerviger. Viele Park-Apps von Start-ups sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Durchgesetzt hat sich bisher keine Lösung.

Inzwischen sind auch etablierte Unternehmen mit großen Etats eingestiegen. BMW bietet seit vergangenen Herbst eine App in der Fünfer-Baureihe an. "Park Now" meldet freie Plätze und kann diese auch automatisch bezahlen. Das solle künftig auf weitere Modellreihen ausgeweitet werden, sagt eine BMW-Sprecherin in München.

Konkurrent Daimler kooperiert mit Bosch, um ein ähnliches System zu entwickeln. "Wir gehen davon aus, dass das neue System 2018 serienreif ist", sagt ein Bosch-Sprecher in Stuttgart. Daneben entwickelt der Stuttgarter Zulieferer eine "off street" Lösung, die von einem Autohersteller unabhängig wäre: Parkplätze werden mit Bodensensoren ausgerüstet. Ein Pilotprojekt im Raum Stuttgart ist in Vorbereitung.

Sensoren am Boden zeigen an, wo ein Platz frei ist

Das Münchner Start-up Park Here hat bereits Piezo-Parkplatzsensoren entwickelt, die keine externe Stromversorgung benötigen und 25 Jahre halten sollen. Von der Konkurrenz durch die Großindustrie will sich das kleine Unternehmen mit 25 Mitarbeitern, eine Ausgründung der TU München, nicht schrecken lassen: "Ich bin zu hundert Prozent zuversichtlich, dass wir eine Chance haben", sagt Geschäftsführer Harteneck.

Siemens arbeitet an einem anderen System: Radarsensoren, die an Laternenmasten und ähnlichen erhöhten Punkten montiert werden, können freie Parkplätze sichten und diese an die Autofahrer melden. Ein Pilotprojekt in Berlin ist inzwischen beendet, die nächsten sind in Planung. "Wir entwickeln das weiter", sagt ein Sprecher.

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Foto: GKD/ New York Focus LLC

Die Übersicht ist unvollständig - es gibt derzeit so viele Initiativen, dass die Lage schwer überschaubar ist. Seit vergangenem Herbst bietet etwa auch die Axa-Versicherung die in Zusammenarbeit mit dem Kölner Start-up Evopark entwickelte App "Clever Parken" an, die freie Plätze in Parkhäusern sucht, wie eine Sprecherin sagt. Auch andere Kfz-Versicherer wie HUK Coburg wollen zusätzlichen Service rund ums Auto bieten, über Details will man aber noch nicht reden.

Ob und wann es eine Standard-Parklösung geben wird, ist angesichts der Fülle der konkurrierenden Lösungsversuche nicht absehbar. Für die Autofahrer bedeutet das zunächst: Zur Parkplatzsuche kommt die Suche nach der besten App hinzu.

Carsten Hoefer, dpa/gru