Parkplatz-Sharing Buchen statt suchen

Ob Auto, Unterkunft, Stellflächen - Teilen ist das neue Haben. Der Schweizer Urs Fischer dehnt das Parkplatz-Sharing auf Stellflächen aus, die normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Jetzt ist der Testbetrieb in Berlin angelaufen.

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Parkplätze in Städten sind ein knappes Gut - dabei stehen etliche Stellflächen in 1A-Lagen oft stunden- und manchmal sogar tagelang leer. Fast immer liegen diese Parkplätze auf Privatgrundstücken, und die Zufahrt ist versperrt. "Das muss doch nicht sein," überlegte sich Urs Fischer und entwickelte daraus eine Geschäftsidee. Mit seiner Firma ParkU bringt der Schweizer sozusagen Automobile und Immobilien zusammen und vermittelt freie Parkplätze in begehrten Großstadtlagen.

Die Idee des Parkplatz-Sharing ist nicht neu. Wohl aber Fischers Ansatz, auch jene Stellflächen in das Sharing-System mit einzubeziehen, die bislang noch unbeachtet sind. Etwa Parkflächen von Büros, Hotels oder Kongresszentren, wo es vor allem an den Wochenendenden Tausende freier Parkplätze gebe, sagt Fischer. "Umgekehrt ist auch auf Privatgrundstücken plötzlich Platz, wenn die Besitzer zur Arbeit gefahren sind." Bei gerade mal zehn Prozent liege die Auslastung gewerblicher Stellflächen außerhalb der Bürostunden, und 56 Prozent der privaten Parkplätze stünden tagsüber leer, erklärt Fischer.

Die von ihm entwickelte App "ParkU" führt als eine der ersten auch Stellplätze in sonst verschlossenen Tiefgaragen, auf Hinterhöfen oder in Parkhäusern auf. Um diese normalerweise unzugänglichen Flächen anbieten zu können, bedient sich ParkU einer speziellen Technik. Auf eigene Kosten installiert die Firma an Schranken, Toren oder Rollgittern eine sogenannte "Sesam"-Box. Wer auf so einer Stellfläche vorab per App einen Parkplatz reserviert hat, scannt mit dem Mobiltelefon den QR-Code an der Einfahrt, die ParkU-Elektronik prüft in Sekundenschnelle die Zugangsberechtigung und schaltet aus der Ferne die Zufahrt frei: Sesam, öffne dich.

Der Komfort, auf einer abgesperrten Fläche zu parken

"Das funktioniert übrigens nicht nur mit Zugangsbeschränkungen", sagt Fischer. Mit dem System ließen sich beispielsweise auch die Ladesäulen für Elektrofahrzeuge ausrüsten, um private Stromanschlüsse auf Stellplätzen öffentlich zugänglich zu machen. Abgerechnet werden könnte dann so, wie es bei ParkU auch funktioniert.

Den Preis für den Komfort, auf einer abgesperrten Fläche zu parken, zahlt nicht der Kunde, der die App kostenlos laden und den Service ohne Vermittlungsgebühr nutzen kann. Für ihn fallen lediglich die normalen Parkgebühren an, die in Berlin im Schnitt bei 1,50 Euro pro Stunde liegen. Unternehmer Fischer verdient an der Provision von 33 bis 45 Prozent, die er jeweils mit dem Stellplatzbesitzer aushandelt. Dennoch ist es auch für die Grundstückseigentümer ein gutes Geschäft. "Je nach Stadt und Standort kommen pro Parkplatz schnell 1000 Euro Einnahmen im Monat zusammen."

Der Aufwand ist für alle Beteiligten vergleichsweise gering. Parkplatzbesitzer melden freie Stellflächen an Fischers Datenbank; Parkplatzsuchende laden sich die entsprechende App auf ihr Smartphone. Fährt man mit dem Auto in die Stadt und sucht einen Parkplatz, poppen auf der digitalen Karte überall kleine "P"-Zeichen für die jeweils freien Stellplätze auf. "Die muss man nur antippen, schon hat man alle Informationen bis hin zu einem Foto des Parkplatzes und kann den Aufenthalt dort im 15-Minuten-Takt, stunden- oder tageweise reservieren", erläutert Fischer das Prinzip "buchen statt suchen". Für Berlin beispielsweise plant der Unternehmer mit mindestens 3000 Stellflächen, aktuell jedoch verzeichnet die App erst knapp 200.

Einfache Nutzung - und für Parkplatzsuchende kostenlos

Mit Hilfe der App reduziert sich nicht nur der Zeitverlust bei der Suche nach einem Parkplatz, sondern ParkU hat für den Autofahrer noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt. Fischer: "Weil die Stellplatzmiete online abgerechnet wird, muss man nie wieder eine Parkuhr füttern, kein Kleingeld suchen und keine Parkscheine aufbewahren." Gestartet hat er ParkU vor einem Jahr in der Schweiz, seit ein paar Wochen gibt es den Service in Berlin, demnächst startet ParkU in Hamburg, und dann stehen das Rhein-Ruhr- und das Rhein-Main-Gebiet, der Großraum Stuttgart und München auf dem Expansionsplan.

Parkplatz-Sharing könnte zum Massenphänomen werden. Der Parkhausbetreiber Apcoa hat unlängst ermittelt, dass für die Parkplatzsuche in Innenstädten im Schnitt 4,5 Kilometer zurückgelegt und etwa 1,3 Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Fischer würde diese Werte mittels der App ParkU gern reduzieren, doch er selbst hat eine ganz andere Konsequenz aus der Parkplatzsuche gezogen. "Mein eigenes Auto habe ich längst verkauft, wenn ich fahren muss, nutze ich Carsharing."

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
erational99 04.04.2014
1. Deutschsprachige Startups ziehen an
Man sieht auch bei dieser App (von einem Schweizer) - ähnlich Threema oder NoSSL (https://www.indiegogo.com/projects/nossl-security-for-your-website), dass die deutschsprachigen Internetfirmen (bzw. sogenannte Startups) wirklich an Fahrt aufnehmen. Bei der App ParkU sogar im wahrsten Sinne des Wortes ;)
c.PAF 04.04.2014
2.
Zitat von sysopparkuOb Auto, Unterkunft, Stellflächen - Teilen ist das neue Haben. Der Schweizer Urs Fischer dehnt das Parkplatz-Sharing jetzt auf Stellflächen aus, die normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Jetzt ist der Testbetrieb in Berlin angelaufen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/parkplatz-app-parku-die-digitale-beschleunigung-der-parkplatzsuche-a-961767.html
Muß man damit keinen Parkplatz mehr suchen?
spon-facebook-1478387491 04.04.2014
3. 1,50?
So günstig ist parken in Berlin im Durchschnitt? Das ist in Köln doppelt so teuer!
Luke1973 04.04.2014
4. nur für Großstädte
In kleineneren Städten wie z. B. Saarbrücken kann man damit, glaube ich, nicht viel anfangen. Wer bereit ist für seinen Parkplatz zu bezahlen, muss nicht lang suchen.
Gert B. Büttgenbach 04.04.2014
5. Trouble Ahead?
Auf privatem Grund gilt die StVO nicht. Bei Beschädigung von Installationen (Zäunen, Schranken, Lichtanlagen, etc.) kann die Verkehrspolizei nicht zur Klärung des Sachverhalts herangezogen werden, zumal außerhalb von Geschäftszeiten und in Abwesenheit des Inhabers keine Person vor Ort ist, die einschreiten kann. Supermarktketten haben sicher kein Interesse daran, am nächsten Morgen liegengebliebene Fahrzeuge auf ihrem Gelände vorzufinden. Es ist damit abzusehen, wo die Probleme mit diesem Ansatz liegen. Es ist weiterhin zu bezweifeln, dass die Parkhausbetreiber die Zusammenarbeit mit ParkU suchen, können sie doch eine vergleichbare App ohne großen finanziellen Aufwand selbst in Auftrag geben. Die wenigen Grundbesitzer in der Innenstadt, die einen Stellplatz auf eigenem Grund haben, werden nicht begeistert sein, wenn ihr Fahrzeug im Halteverbot stehen muss, weil der ParkU-Nutzer noch nicht geräumt hat. Ganz zu schweigen von den Stellplatzbesitzern, die sich bei der nächsten Eigentümerversammlung über die hohe Fluktuation von unbekannten Fahrzeugen in ihrer Tiefgarage beschweren. Bei allem Zweifel dennoch eine lobenswerte Initiative, die Parkplatznot zu lindern.
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