SUV Karlmann King Unsichtbar hässlich, unfassbar teuer

Der SUV Karlmann King fällt auf der Peking Motorshow nicht nur wegen seiner Größe auf. Ausgerechnet sein Tarnkappendesign wird zum Hingucker.

Tom Grünweg

Aus Peking berichtet


Der Plan von Designer Chenqunyi ist aufgegangen. Er wollte endlich mal wieder einen Wagen bauen, der aus der Masse der SUV hervorsticht. "Und da musste ich mir bei Form und Format eben etwas einfallen lassen", sagt er und zuckt fast entschuldigend mit den Schultern.

Sein Geländewagen Karlmann King, entworfen für das chinesische Unternehmen IAT, ist so ziemlich das martialischste Gerät, das außerhalb einer Militärmesse je ins Rampenlicht gerollt wurde. Mit 1500 Designern und Ingenieuren zählt IAT zu den größten Entwicklungsdienstleistern in China und arbeitet für alle großen chinesischen Automobilhersteller.

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Die Neuheiten der Peking Motor Show: China will es lang-lang

Das Design ist inspiriert vom Tarnkappenbomber F-17. Deshalb trägt das auch Stealth-SUV (Stealth wie Tarnkappe) genannte Auto im Format eines Kleinlasters (sechs Meter Länge, 2,50 Meter Höhe) eine mattschwarze Karosserie mit messerscharfen Kanten und schwarzen Scheiben, die wie Diamanten geschnittenen sind. Das sieht zwar gleichermaßen fürchterlich wie furchterregend aus, aber genau deshalb kann man kaum den Blick von diesem Koloss abwenden. Der Tarnkappentrick, der Dinge unsichtbar werden lässt? Gescheitert.

Auch der Preis von 1,5 Millionen Euro ist wenig dezent

Wer ganz genau hinschaut, entdeckt zwei interessante Details, die auf Messegäste aus dem Westen irritierend wirken: ein für Ausstellungsstücke unübliches Preisschild. Und, ganz klein, die deutsche Fahne auf dem Kennzeichenhalter.

"Das ist keine Studie, sondern wir planen eine Kleinserie von zehn Exemplaren," rechtfertigt Chenqunyi das Preisschild. Selbst bei dem Preis von mindestens 1,85 Millionen Dollar (etwa 1,5 Millionen Euro) pro Auto wird er nicht rot.

Und die deutsche Fahne soll nicht nur auf den Namensgeber für den Wagen hinweisen, der von Karl dem Großen inspiriert sei. Sondern sie sei auch ein dezenter Hinweis auf die Herkunft des Autos. Während üblicherweise China als verlängerte Werkbank des Westens gilt, lässt Chenqunyi das Stealth-SUV bei einem Partner in Deutschland bauen, sagt er zumindest. "Nur den Namen kann ich natürlich nicht nennen." Warum denn nicht?

Unter den Füßen der Passagiere liegt Fell

Es gibt viele Fragen, auf die Chenqunyi keine Antworten hat oder geben mag. Ist der Wagen tatsächlich gepanzert oder sieht er wie so viele andere martialische Geländewagen in China nur so aus? Hat die Fertigung bereits begonnen, wie einer der Verkäufer sagt? Warum dauert es dann doch noch ein Jahr bis zur Auslieferung, wie Chenqunyi einräumt? Und wie steht es um den Antrieb und die Fahrleistungen? Zumindest den V10-Motor unter der Haube lassen sich die Macher dann doch entlocken - angeblich mit 8,6 Litern Hubraum.

So kantig und abstoßend der Gigant von außen wirkt, so einladend will er innen sein. In der ersten Reihe erinnert er zwar an einen Panzer-Spähwagen, so dunkel und eng ist das Cockpit. Da helfen auch die Alcantara-Bezüge auf Sitzen und Konsolen, die gelben Nähte, die hölzernen Türtafeln und ein paar in Gold lackierte Schalter und Hebel nichts.

Hinter der Trennscheibe im Fond haben die Chinesen eine Luxuslounge für zwei Personen eingerichtet: Dort zieht sich ein Bildschirm über die gesamte Fahrzeugbreite, unter den Füßen der Passagiere liegt das Fell eines afrikanischen Wildtiers, über ihren Köpfen hängen Hunderte LED, die einen Sternenhimmel simulieren. Dazu kommt eine beleuchtete Hausbar mit vergoldeten Champagnerflaschen drin, ein Schränkchen fürs Sonntags-Service aus feinster Keramik und riesige Ledersessel, die auf Knopfdruck zur Liege werden.

E-Autos führen ein Schattendasein

Die "zahllosen Interessenten", von denen die IAT-Mitarbeiter erzählen, kommen beileibe nicht nur aus China. "Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt und werden unser Auto deshalb auch exportieren," sagt Chenqunyi. Dabei helfe, dass IAT international gut vernetzt sei. Außer dem Stammsitz in Peking unterhält die Firma Büros, Labors und Studios in den USA, Europa und demnächst sogar in Deutschland. Um zu beweisen, dass IAT auch seriöse Autos entwickeln kann, hat Chenqunyi deshalb ein halbes Dutzend Designmodelle mitgebracht, die lange nicht so polarisieren wie der Stealth-Bomber auf Rädern.

Auch das ist ein Grund, weshalb der grobe Gigant dem feinsinnigen Designer kein schlechtes Gewissen macht. Im Schatten des Batmobils stehen auf der Messe auch zwei Elektroautos - nur dass sich für die komischerweise keiner interessiert.



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Sphynx25 28.04.2016
1. Ich kaufe...
eine "1". Das gute Stück hieß F-117.
wind_stopper 28.04.2016
2. Perfekt
Ist doch das perfekte Automobil fuer geschmacksverkalkte neureich dekadente Yuppies! Bin Mir sicher, das Ding wird ein Erfolg ...
Georg_Alexander 28.04.2016
3. Tss..tss..
Ich hatte da noch eine Idee: Warum bauen wir nicht Autos im klassischen Panzerdesign? Wer fährt nicht mal gern mit 'nem Leopard II über die Bahn? Der Fairness halber sollten die Panzerplatten aber durch Sperrholz ersetzt werden und das Rohr sollte aus Pappe bestehen, damit wenigstens annähernd Waffengleichheit herrscht. Ich bin mir ganz sicher, dass es mind. die 10 'Batmen' gibt, denen solch ein Fahrzeug nicht peinlich ist.
pigtime 28.04.2016
4.
Also die F-17 war kein Tarnkappenbomber, die F-117 schon.
monolithos 28.04.2016
5.
Endlich mal ein anderes Design! Wenn das Ding auch tatsächlich für das Radar aus dem Gebüsch unsichtbar ist, wird das ein Renner.
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