Exklusive Elektro-Sportler Potente Prominente

Mit bis zu 1900 PS buhlen drei Elektro-Sportwagen auf dem Autosalon in Genf um die Aufmerksamkeit des Messepublikums. Was sie noch eint: Sie alle tragen Namen von PS-Promis.

Piech automotive

Es gibt wenige Namen, die in den vergangenen Jahren so sehr mit der deutschen Autoindustrie verbunden waren, wie der von Piëch. Ferdinand Piëch lenkte mehr als zwanzig Jahre die Geschicke von Volkswagen fast wie ein Pate. Wenn er auf Automessen Exponate inspizierte, war das bei den eigenen Marken gefürchtet. Bei der Konkurrenz hingegen waren die Visiten begehrt, weil die Aufmerksamkeit des genialen wie schrulligen und selten politisch korrekten Ingenieurs als Ritterschlag verstanden wurden. Doch seit sich der einstige Vorstandsvorsitzende, Aufsichtsratschef und Großaktionär des VW-Konzerns aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, ist es ruhig um Piëch geworden. Doch damit ist jetzt Schluss.

Auf dem diesjährigen Autosalon Genf ist der Name Piëch wieder in aller Munde. Allerdings geht es diesmal nicht um den Vater, sondern um einen seiner Söhne. Anton Piëch, studierter Sinologe und bislang in der Branche nicht in Erscheinung getreten, zieht es ins Automobilgeschäft. Und sein Entree ist so, wie man es vom Sprössling aus einer PS-Dynastie erwarten kann: ein Sportwagen. Genau genommen ein elektrischer Sportwagen, aus dem bis zum Serienstart in zwei Jahren eine ganze Modellfamilie werden soll.

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Exklusive Elektro-Sportler:: Einstand der PS-Promis

"Mark Zero" heißt die Studie, die sich in Genf im Glanz der Scheinwerfer sonnt. Sie ist einer der Stars der diesjährigen Messe, sieht ähnlich klassisch aus wie ein Porsche 911 und rangiert auch bei Preis und Performance auf Höhe des Erfolgsmodells aus Zuffenhausen. Nicht wenige Messebesucher wittern darin schon einen subtilen Seitenhieb gegen Porsche, mit deren Eigner-Familie die Piëchs eine innig gepflegte Hassliebe verbindet.

Ein großer Name allein reicht nicht

Dass ein großer Name allein nicht reicht, weiß der Filius. "Nur weil Piëch draufsteht, wird das Auto niemand kaufen", räumt er ein. Deswegen rattert er schnell die Leistungsdaten herunter: Der Mark Zero verfügt über drei E-Motoren von je 150 kW, erreicht in 3,2 Sekunden Tempo 100 und wird erst bei 250 km/h elektronisch eingebremst. Auf der Plattform des Mark One soll später auch ein SUV, ein Cabrio und ein Gran Turismo entstehen.

Der Clou bei Piëchs Flunder aber sind die Akkus. Die Batterien seines chinesischen Zulieferers seien einzigartig, sagt Piëch-Junior: Die Lithium-Ionen-Zellen, die eine Reichweite von 500 Kilometern ermöglichen sollen, lassen sich nicht nur extrem schnell laden, sodass die üblichen 80 Prozent Akkustand bereits nach weniger als fünf Minuten erreicht sind. Sondern vor allem werden sie im Betrieb nicht so heiß, sagt Piëch: Die maximale Temperaturdifferenz liege bei nur zehn Grad, beschreibt der Firmenchef und erklärt, dass der Mark Zero deshalb kein Kühlwasser um die Zellen braucht. "Der Wagen ist also luftgekühlt", sagt Piëch verschmitzt und freut sich über einen weiteren Brückenschlag in die Porsche-Welt.

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Autosalon: Das sind die Autoneuheiten aus Genf

Anton Piëch ist aber nicht der Einzige, der in diesem Jahr in Genf mit einem großen Namen um Aufmerksamkeit buhlt. Ein paar Stände neben Piëch enthüllt die Miquel Suqué Mateu als Chef der von seinem Urgroßvater gegründeten Luxusmarke Hispano Suiza einen ziemlich retro gezeichneten Elektro-Sportwagen namens Carmen. Dass die Marke seit Ewigkeiten vergessen ist und bereits mehrere vergebliche Wiederbelebungsversuche über sich ergehen lassen musste, ficht ihn nicht an. Und als dritter Newcomer im Bunde gibt in Genf der Pininfarina Battista seinen Einstand. Die italienische Designschmiede, die bislang überwiegend als Auftragsnehmerin für Designs und Kleinserienfertigung für große Konzerne arbeitete, will nun selber Autohersteller werden - und zugleich ihrem Firmengründer ein Denkmal setzten.

Piëch: "Ich konnte mir meinen Namen nicht aussuchen"

Allerdings verfolgen die Italiener einen anderen Ansatz als Piëch: Während der Mark One eher ein Auto für einen breiten Käuferstamm werden könnte, soll der Battista die neue Spitze unter den Supersportwagen definieren und zu einer Art Bugatti des Elektroautos werden. 1900 PS Leistung, eine Beschleunigung von weniger als zwei Sekunden von 0 auf 100 Km/h und mehr als 350 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit stellt Firmenchef Michael Perschke in Aussicht. Beim Preis hingegen gibt er sich zurückhaltend. Mit rund zwei Millionen Euro jedenfalls kostet der Battista weniger als der Chiron.

Ob sich die großen Namen für die Auto-Start-ups am Ende als Bürde erweisen, weil sie an den Erwartungen scheitern, die damit verknüpft sind, muss sich noch zeigen. Im Fall von Piëch fungiert der Name zumindest als effektive Starthilfe, auch wenn Piëch von der Namensdebatte am Ende der Messe etwas genervt ist, "weil das natürlich die Frage ist, die jeder stellt. Ich konnte mir meinen Namen aber nicht aussuchen", sagt der Debütant.

Piëch weiß aber sehr wohl, dass der Name ihm auch Vorteile bietet. Der Name verschafft dem Projekt eine Aufmerksamkeit, die Piëch sonst hätte teuer erkaufen müssen. Außerdem öffnet er Türen bei Zulieferern und Partnern, die für Newcomer und Start-ups verschlossen sind. Mehr als 10.000 Autos im Jahr wird Piëch auch in besten Zeiten nicht bauen. Bei derart kleinen Stückzahlen gehen große Zulieferer wie Bosch & Co. sonst nicht einmal ans Telefon.



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andyevidence82 07.03.2019
1. 1.900 ps
Ist doch langweilig, was sind schon 1.900 PS. Unter 2 Sekunden von Null auf Hundert ist mir ehrlich gesagt nicht schnell genug. Eine zehntel Sekunde von Null auf Hundert wäre schon eher was für mich. Muss mich wahrscheinlich noch ein bisschen gedulden bis die 10.000 PS Grenze geknackt ist. Der neue Buganda eBolognesa 10000 EC-3X GT, Preis, ca. 4,7 Milliarden €. Heute bestellt, im November 2027 geliefert. Alle aber schon ausverkauft. Is klar.
ogni42 07.03.2019
2. Warum immer die Angabe von PS?
Gerade bei E-Motoren sollte KW als SI-Einheit stehen. Die Batteriekapazität geben Sie ja auch nicht in PSh an.
GerhardFeder 07.03.2019
3. Das war doch klar, ...
... dass sich der Autowahn nun elektrisch fortsetzt. Bitte endlich ein Tempolimit und Fahrzeuge mit mehr als 200 kW nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr.
syracusa 07.03.2019
4.
Zitat von andyevidence82Ist doch langweilig, was sind schon 1.900 PS. Unter 2 Sekunden von Null auf Hundert ist mir ehrlich gesagt nicht schnell genug. Eine zehntel Sekunde von Null auf Hundert wäre schon eher was für mich. Muss mich wahrscheinlich noch ein bisschen gedulden bis die 10.000 PS Grenze geknackt ist. Der neue Buganda eBolognesa 10000 EC-3X GT, Preis, ca. 4,7 Milliarden €. Heute bestellt, im November 2027 geliefert. Alle aber schon ausverkauft. Is klar.
Wenn Sie dieses Gefühl einer Beschleunigung von 0 auf 100 binnen 0,1 Sekunden schon vorab mal auskosten wollen, dann ist das problemlos machbar. Sie brauchen dazu nur mit genau 100 km/h gegen eine Betonmauer zu fahren. Das geht mit so ziemlich jedem Auto. Viel Spaß dabei ...
heissSPOrN 07.03.2019
5.
"Während der Mark One eher ein Auto für einen breiten Käuferstamm werden könnte..." "Breiter Käuferstamm" - lachhaft! Da ist die Breite wohl so relativ wie der Kontostand des in Frage kommenden Käuferstamms... sollten die verbauten Akkus wirklich so innovativ sein, wäre es doch im Sinne der Umwelt sinnvoller, damit vorrangig Autos für den wirklichen Massenmarkt sprich viel genutzte Alltagsfahrzeuge auszurüsten als die Sonntagsspielzeuge weniger Spitzenverdiener.
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