Pilotprojekt in Brandenburg Auto-Blackbox soll Raser bremsen

Jugendliche Autofahrer sollen in Zukunft mit einem elektronischen Begleiter ausgestattet werden, der ihr Fahrverhalten minutiös protokolliert. Das Brandenburger Pilotprojekt soll die Zahl der Unfälle senken - Teilnehmer zahlen zudem niedrigere Versicherungsprämien.


Das Gerät funktioniert im Prinzip wie eine Blackbox im Flugzeug. Nach einem Unfall könne die Staatsanwaltschaft so besser die Ursache ermitteln, sagte Staatssekretär Rainer Bretschneider vom brandenburgischen Landesverkehrsministerium am Mittwoch in Potsdam. "Wir rechnen daher mit der Selbstdisziplinierung der Fahrer", erklärte er. Das Projekt soll im Januar starten.

Freiwilligen Teilnehmern winken im Gegenzug Rabatte bei der Kfz-Versicherung. Damit könnten schon nach einem Jahr die Anschaffungskosten von 400 Euro für das Gerät ausgeglichen werden, erklärte die am Projekt beteiligte Signal-Iduna-Versicherung.

Blackbox an Bord: Tester Nils Bruchmann in Potsdam mit einem sogenannten virtuellen Begleiter für junge Fahrer
AP

Blackbox an Bord: Tester Nils Bruchmann in Potsdam mit einem sogenannten virtuellen Begleiter für junge Fahrer

Normalerweise bezahlen junge Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren die höchsten Prämien mit bis zu 250 Prozent des Regelsatzes, weil sie statistisch gesehen die meisten Unfälle verursachen. "Wir haben zu viele Tote unter jungen Verkehrsteilnehmern", klagte Bretschneider.

Das Ministerium hofft deshalb, dass möglichst viele Jugendliche das erweiterte Navigationsgerät in ihren Autos installieren. Es speichert im Minutenabstand Position und Strecke, aus den Daten wird dann die Geschwindigkeit errechnet. Wer an dem Projekt teilnehmen will, muss die Daten regelmäßig auf ein Internet-Portal übertragen. "Dort sind sie nur für die Fahrer selbst einzusehen", betonte der Staatssekretär. "Wir wollen keine gläsernen Fahranfänger." Nur bei einem Unfall hätten auch Ermittler Zugriff.

Versuch zunächst auf zwei Jahre befristet

Andreas Röse vom TÜV Rheinland sagte, erste Studien hätten bereits gezeigt, dass ein virtueller Begleiter Einfluss auf das Bewusstsein des Fahrers habe. Auch der erste Testteilnehmer versicherte, er baue sich das Gerät zur eigenen Kontrolle ein.

"Wenn ich weiß, dass alles aufgezeichnet wird, fahre ich hoffentlich nicht zu schnell", sagte Nils Bruchmann. Er feiert Anfang Januar 2009 seinen 18. Geburtstag und darf im Rahmen des Projektes "Führerschein mit 17" schon seit einem Jahr unter Aufsicht eines erwachsenen Begleiters Autos lenken.

Das Gerät kann auch als Navigationshilfe und Freisprechanlage für das Handy genutzt werden. "Schon allein diese Technik fördert ein zuverlässigeres Fahren", erläuterte TÜV-Mann Röse. Staatssekretär Bretschneider räumte ein, dass sich die gefährlichsten Raser von der Idee wohl nicht beeindrucken ließen. Er hoffe aber, dass das Verantwortungsgefühl vieler Führerscheinneulinge angesprochen werde. "Auch Eltern könnten nach dem Motto Druck machen: Wir zahlen die Versicherung, wenn du diese Technik nutzt", schlug er vor.

Zunächst soll der Versuch zwei Jahre laufen. Um auswertbare Daten zu erhalten, müssen mindestens 500 Fahrer mitmachen. Mit ersten Ergebnissen wird 2011 gerechnet. "Dann werden wir sehen, ob solche Geräte die Verkehrssicherheit erhöhen können", sagte Bretschneider.

Sven Kästner, AP



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