Pirelli-Kalender 2010 Natürlich nackt

Die Fotografie ist ebenso Moden unterworfen wie Kleidung oder Musik. Jüngster Trend, den der US-Fotograf Terry Richardson für den neuen Pirelli-Kalender 2010 umsetzte: Natürlichkeit. Angeblich wurde auf den Fotos des heute präsentierten Bilderwerks nichts retuschiert.

Von Jürgen Pander


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Pirelli-Kalender 2010: Gummi auf nackter Haut
Die Geheimniskrämerei vorab gehört ebenso dazu wie die pompöse Premiere und die Tatsache, dass dieser Kalender nicht verkauft, sondern ausschließlich an Geschäftskunden und Freunde der Reifenfirma Pirelli verschenkt wird. An diesem Donnerstag Mittag also wurde in Old Billingsgate, dem direkt an der Themse gelegenen ehemaligen Fischmarkt von London, die Premiere des Pirelli-Kalenders 2010 gefeiert. "The Cal", wie das Werk im Marketingslang des Unternehmens heißt, wurde in diesem Jahr vom US-Fotografen Terry Richardson in Brasilien produziert. Elf Models bat Richardson vor seine Kamera - sonst allerdings brauchte er fast nichts.

"Ein großer Fotograf", erläutert Richardson, "erfasst den Moment. Deshalb habe ich ohne zusätzliche Geräte und ohne Assistenten fotografiert. Meine Technik ist der Verzicht auf Technik." So entstanden die insgesamt 30 auf den Kalenderseiten abgedruckten Bilder auf vergleichsweise minimalistische Art. Damit sieht sich Richardson in der Ästhetik der Anfänge des Kalenders. Die Fotografien für das Jahr 2010 wirken ähnlich direkt und ungekünstelt wie die Aufnahmen im ersten Kalender von 1964, den Robert Freeman fotografierte oder im Kalendarium von 1965 von Brian Duffy.

"Spielerischer, reiner Eros", so heißt es in der Mitteilung von Pirelli, solle im aktuellen Kalender zum Ausdruck kommen. Es gehe um den "Charme der natürlichen Weiblichkeit" - im Prinzip also darum, worum es schon immer ging: Sehr schöne Frauen mit sehr wenig am Leib aufs Foto zu kriegen. Als Requisit kommen übrigens auch mal wieder Autoreifen zum Einsatz, insofern knüpft der neue "Cal" nahtlos an die Frühwerke dieser Reihe an.

Verkauft wird der Pirelli-Kalender dann übrigens doch. Auf den einschlägigen Internet-Marktplätzen setzt seit Jahren unmittelbar nach der Veröffentlichung ein recht schwunghafter Handel ein. Eine Sammlung der Jahrgänge 1970 bis 2009 wird zum Beispiel für rund 2200 Euro angeboten. Manch' guter Freund des Hauses Pirelli hat vielleicht doch nicht soviel übrig für Fotografie - oder einfach nicht mehr genug Platz an der Wand.



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