Pirelli-Kalender von Karl Lagerfeld Nackte Mythen

Der Pirelli-Kalender, früher mal frivoler Wandbehang für Fernfahrerkneipen oder Werkstätten, hat inzwischen Kunst-Status erreicht. Das Kalendarium für 2011 heißt "Mythology", wurde von Karl Lagerfeld fotografiert und heute in einem Theater in Moskau vorgestellt. 

Pirelli Kalender 2011, Karl Lagerfeld

"Ich bin Polytheist, ich bevorzuge diese Mythologie ohne Hölle, ohne Sünde, ohne Vergebung." So erklärt Karl Lagerfeld die Idee für den Pirelli-Kalender 2011, den er in diesem Jahr erstmals fotografierte. In seinem Studio in der Rue de Lille in Paris versammelte der Mann mit dem weißen Zopf insgesamt 20 Fotomodels sowie die Schauspielerin Julianne Moore, um auf insgesamt 36 Aufnahmen für den Kalender 24 Götter, Halbgötter und Helden der klassischen Antike und ihrer Mythen darzustellen. Entstanden sind strenge Schwarz-Weiß-Fotografien, auf denen die Models außer etwas Schmuck, Blätter auf den Brüsten, Waffen, Schilden oder Plexiglas-Formen vor den Genitalien nichts weiter tragen.

Wie bereits die 37 Ausgaben zuvor, wird es auch diesen Pirelli-Kalender nicht zu kaufen geben. Der italienische Reifenhersteller verschenkt das Werk an Geschäftskunden und Freunde des Hauses, zur Auflage werden keine Angaben gemacht. Außerdem wählt Pirelli seit Jahrzehnten stets Top-Fotografen für die Produktion der Kalenderbilder aus - und die wiederum arbeiten mit Top-Models zusammen, so dass nicht nur einfach ein weiterer Fotokalender entsteht, sondern durchaus so etwas wie ein Stil-Almanach der jeweiligen Zeit.

Fotostrecke

9  Bilder
Pirelli-Kalender 2011: Göttinnen wie Gott sie schuf
Erstmals fotografierte nun Karl Lagerfeld - 1938 in Hamburg geboren und als Modemacher, Fotograf, Parfumkreateur und jüngst auch Filmemacher berühmt - den Kalender. Er habe, sagte Lagerfeld in einem Interview über den Auftrag von Pirelli, für die Aufnahmen "nur gute Bekannte ausgewählt, weil ich Personen wollte, die bei mir keinerlei Befangenheit empfinden." Denn natürlich sollten Nacktfotos entstehen, allerdings ohne anrüchige Note. Lagerfeld: "Das, was mir an den mythischen Figuren gefällt, ist, dass sie keine Netzstrümpfe und Spitzen brauchen, um den Betrachter anzuregen. Bilder mit Pfennigabsätzen und Strumpfhaltern konnte Helmut Newton besser als ich." Der allerdings hat nie einen Pirelli-Kalender fotografiert.

jüp

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insgesamt 30 Beiträge
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bundespiepmatz 30.11.2010
1. Kein Fotograf
Herr Lagerfeld mag vielleicht das nötige Kleingeld für die Studioblitzanlage und die Modelle haben, doch ein guter Fotograf ist er meiner Meinung nach nicht. Ich habe selten so gelacht über diese albernen Knipsbildchen.
franzdenker 30.11.2010
2. Künst.
Zitat von sysopDer Pirelli-Kalender, früher mal frivoler Wandbehang für Fernfahrerkneipen oder Werkstätten, hat inzwischen Kunst-Status erreicht. Das Kalendarium für 2011 heißt "Mythology", wurde von Karl Lagerfeld fotografiert und*heute in einem Theater in Moskau vorgestellt.* http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,731951,00.html
Kunst ist relativ ... wie man am Pirelli-Kalender anschaulich bestaunen kann.
Ronald Dae 30.11.2010
3. Doch schon mal gesehen ...
Wer kam denn auf die Idee Griechische Mythologie als Thema zu verwenden? Sehr erweckend finde ich das nicht, eher abgeschmackt. Tse, tse, tse. Technisch und kompositorisch finde ich es OK, wenn auch teilweise zu mittelachsig. Über das Ästhetische hinaus passiert aber nix - also hat es auch keinen Belang. Schade. Ronald http://www.daedalus-v.de
rennix, 30.11.2010
4.
Die Bezeichnung "Fotograf" halte ich bei Lagerfeld für übertrieben. Art Director passt da eher. Der Herr lässt sich im Studio alles ausleuchten und von einem ausgebildeten Fotografen alle Kameraeinstellungen vornehmen. Er muß dann nur noch auf den Auslöser drücken. Voila! Ein echter Lagerfeld!
Pressesprecherin 30.11.2010
5. Händler bleib bei deinen Reifen
Leider künstlerisch nicht sehr überzeugend. Ein Deko-Artikel auf dem Kopf ergibt noch kein "mythologisches" Bild-Motiv. Wirkt ein bisschen wie eine schlechte Helmut-Newton- Kopie. Nur 25 Jahre zu spät. Aber für einen Reifenhersteller ist das sicher genug.
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