Unfälle mit neuen Elektrostehrollern Polizei-Gewerkschaft wirbt für Helm beim E-Scooter-Fahren

Sie sind schnell, es gibt erste schwere Unfälle: Die Gewerkschaft der Polizei drängt deshalb darauf, dass die Fahrer von E-Scootern Helm tragen sollen. Wenn es freiwillig nicht klappt, eben per Helmpflicht.

E-Scooter-Fahrer in Berlin - in illegalem Tandem-Betrieb
Bernd von Jutrczenka/dpa

E-Scooter-Fahrer in Berlin - in illegalem Tandem-Betrieb


Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht sich für Helme beim Nutzen von Elektrostrehrollern stark. "Zum eigenen Schutz sollte für das Tragen eines Helms geworben werden. Wenn dies nicht funktioniert, sollte über eine Helmpflicht nachgedacht werden", sagte GdP-Vizechef Michael Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es gibt ein Vorbild: Beim Skifahren trägt nahezu jeder freiwillig auf der Piste einen Helm. Das habe ich vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten."

Mertens rechnet damit, "dass es eine nicht unerhebliche Zahl an Unfällen mit E-Rollern geben wird, ich befürchte Verletzte, vielleicht sogar Tote". Kleine Stehroller mit Elektromotor sind seit Kurzem in Deutschland zugelassen. Eine Helmpflicht gibt es bisher nicht.

Laut einer US-Studie endet fast die Hälfte aller Unfälle mit E-Scootern mit Verletzungen am Kopf. Für die Untersuchung wertete die US-Gesundheitsbehörde CDC knapp eine Million E-Scooter-Fahrten in der Stadt Austin im Bundesstaat Texas aus. Während eines Untersuchungszeitraums von zwei Monaten registrierte das CDC 190 Unfälle, bei denen sich Fahrer von E-Scootern verletzten. Dabei zogen sich 48 Prozent der Fahrer bei dem Unfall Kopfverletzungen zu, bei der Hälfte davon handelte es sich zudem um schwere Verletzungen.

Umstritten sind auch die Verkehrsregeln für die neuen Flitzer: Auf der Straße dürfen sie nicht, auf dem Gehweg sind sie nicht erlaubt, auf dem Radweg müssen sie sich den Platz mit den Radfahrern teilen, was schon zu ersten Unfällen geführt hat: In Düsseldorf hatte sich unlängst ein Fahrer schwer verletzt, als er mit einem Fahrrad kollidiert war.

Europas größter Versicherer, die Allianz, rechnet durch die Einführung der E-Scooter auf deutschen Straßen mit einem Anstieg der Unfallzahlen - sowohl bei Kollisionsunfällen als auch bei Alleinunfällen. "Wie schon beim Pedelec zu beobachten, sind die Benutzer völlig ungeübt mit dem neuen Gefährt und seinen fahrdynamischen Eigenschaften", schreiben die Experten der Allianz.

Deshalb, fordert die Versicherung, solle die Polizei E-Scooter-Unfälle als eigene Kategorie in ihre Statistiken aufnehmen. "Nur so können die Sicherheitsexperten von Beginn an Fehlentwicklungen und typische Unfallmuster erkennen und frühzeitig Gegenmaßnahmen empfehlen."

oka/dpa



insgesamt 136 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Yorch 10.07.2019
1. Wir nutzen seit 2 Jahren Roller auf dem Firmengelände, unfallfrei
Wir nutzen seit 2 Jahren elektrische Roller auf unserem Firmengelände um ca. 400m zwischen den Hallen zurückzulegen. Pro Tag ca. 10-20 Fahrten, bisher hat sich noch niemend wirklich langgelegt. Aber viele fast, und das hat meist einen einfachen Grund: Nicht beide Hände am Lenker gehabt. Wer also versucht, in einer Hand eine Einkaufstüte oder sonstwas zu halten oder die Richtung anzuzeigen, legt sich ziemlich schnell hin. Ich verstehe nicht, wieso es bei unserer auch so tollen Vorschrift keine Blinker gab. Das ist mit heutiger LED Technik wirklich kein Problem mehr.
pizzerino 10.07.2019
2.
Eigentlich sollten die Krankenkassen eine Helmpflicht fordern, nicht die GdP. Immerhin geht es hier um massive Folgekosten.
formix 10.07.2019
3.
190 Unfälle bei 1 Mio Fahrten macht 0,019% Unfallrate. Klingt ziemlich sicher, damit zu fahren.
Benno Groß 10.07.2019
4. Übertrieben
Leute bewegen sich, Leute bauen Unfälle, egal ob mit dem Rad, dem Scooter oder zu Fuß. Es wäre geradezu eine Sensation wenn es mit den Rollern unfallfrei zuginge, stattdessen gibt es zu jedem Sturz und zu jedem alkoholisierten Fahrversuch bundesweite Schlagzeilen, obschon Vergleichbares mit dem Rad täglich dutzendfach passiert. Ohne Helmpflicht, ohne die rollerspezifische Pflichtversicherung mit Kennzeichen und ohne Tempolimit auf 20 km/h, wie es beim Scooter gilt. Ich halte die Dinger für vergleichsweise sichere, weil langsame, Verkehrsmittel.
retterdernation 10.07.2019
5. Die 100 Prozent Prognose ...
meine kühnsten Erwartungen haben diese Roller in Berlin um Längen übertroffen. Zumeist unerfahrene Touristen stellen sich auf diese Killermobile und schon geht das Abenteuer los. Für einen selbst, für seine Umwelt sowieso. Denn mit Geschwindigkeiten, die sich auf den ersten Metern auf Porscheniveau bewegen, rast man durch die Hauptstadt. Mit akrobatisch anmutenden Bremsen ausgestattet. Besonders fies wird es - wenn auf den doch recht großen Fahrgeräten Spaßvögel ihre neu erlernten Kunststücke vollbringen. Dazu stehen diese E-Rolle wie vorhergesagt - überall wild auf den Gehwegen herum. Romantik für den Spätpubertären nennt man das. Also für Zwerge im Kopf ... auf Kosten der Allgemeinheit. Die 100 Prozent Prognose ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.