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Häuser in Autoform: Wohnen auf Rädern

Foto: Franz Neumayr

Pop-Architektur Wohnen und Schlemmen im Auto-Haus

Sie haben vier Räder, Scheinwerfer und Hutablage: In Salzburg stehen zwei Gebäude, die aussehen wie viel zu groß geratene Autos. Entworfen hat sie der österreichische Architekt Markus Voglreiter. Weil die Resonanz offenbar enorm ist, denkt er jetzt über weitere Mobilien in ganz Europa nach.
Von Tanja Rieckmann

Historische Gebäude, Stuckfassaden, Schindeldächer - damit kennt Markus Voglreiter sich aus. Der Salzburger sanierte unter anderem die Fassade von Mozarts Geburtshaus. Aber irgendwann merkte der Architekt, dass ihm das nicht reichte. Er wollte etwas richtig Abgefahrenes entwerfen. Etwas bauen, das so noch keiner gebaut hatte.

Warum nicht mal ein Auto? Eines aus Stein und Glas, versteht sich.

"Ich war halt der erste Spinner", sagt der 44-Jährige heute. Das Ganze entstand im Frust: Ein anderes Projekt war gerade abgelehnt worden, Voglreiter malte auf den Plänen herum. So entstand - Strich um Strich - das erste Auto-Haus.

Zunächst erntete Voglreiter nur Kopfschütteln, als er seine Pläne vorlegte, ein Haus mit vier Rädern, Hutablage und Scheinwerfern bauen zu wollen. Niemand mochte ihm Geld geben. Bei der Stadt Salzburg beantragte er trotzig eine Baugenehmigung - und bekam sie nach einigem Hin und Her auch.

Nun steht das Auto in einer Siebziger-Jahre-Reihenhaussiedlung in Salzburg-Gnigl. Dort fügt es sich in etwa so harmonisch in die vorhandene Bausubstanz ein wie ein Ufo in Schlumpfhausen.

Etwa 800.000 Euro investierte Voglreiter in seine immobile Mobilie, die an einen riesenhaften Smart erinnert. Gut angelegtes Geld, denn der schillernde Architekt, der sich "Stadtbaumeister" nennt (das ist eine altertümliche, aber legale Bezeichnung) ist seither weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Geschlafen wird in der Hutablage

Gleiches gilt für den gutbürgerlichen Stadtteil Gnigl, der wegen des Autos ein Anlaufpunkt für Touristen geworden ist - sehr zum Leidwesen des Auto-Haus-Mieters, eines Speditionskaufmanns. Dafür wohnt der Mann ziemlich außergewöhnlich. Das Schlafzimmer befindet sich in der Hutablage, und wenn es sein muss, können die Kinder per Leuchtzeichen mit den Scheinwerfern vom Spielplatz gegenüber nach Hause gelotst werden.

"Es war mir zunächst nicht bewusst, welch großen Stellenwert das Auto in unserer Gesellschaft hat", sagt Voglreiter, der sich noch immer erstaunt gibt angesichts des medialen Interesses. Ob das nun Koketterie oder ehrliche Verwunderung ist - der leidenschaftliche Porsche-Fahrer hat sich mit seinem Einfall ein weites Geschäftsfeld eröffnet.

Ein Restaurant in Autoform

Denn dem Wohnhaus folgte ein weiteres Auto-Bauprojekt. Voglreiter entwarf das Restaurant "The Car. Das Auto" in Obertrum bei Salzburg. Es ist viel größer als der Gnigl-Smart und erinnert an einen VW New Beetle. Man kann hier einen Tisch im Vorderreifen reservieren, an der Bar inmitten der Karosserie sitzen oder auf der Dachterrasse unter freiem Himmel speisen - wenn das Schiebedach geöffnet ist.

Voglreiter scheint einen Nerv getroffen zu haben. "Das Lokal wurde regelrecht gestürmt", behauptet der Stadtbaumeister. Läuft das Geschäft weiter so gut, soll "The Car" als Franchiseunternehmen in ganz Europa Fahrt aufnehmen.

Das könnte freilich noch dauern. Anfragen aus Italien, der Schweiz und Spanien hatte Voglreiter nämlich auf Eis gelegt, ebenso wie Pläne für Raststätten oder ein McDonald's-Schnellrestaurant in Autoform. Der Grund war ein Projekt von ganz anderer Größenordnung.

Auf CNN hatte der Scheich Hamed Bin Zayed al-Nahyan aus Abu Dhabi nämlich einen Bericht über die Auto-Häuser gesehen. Kurz darauf gab er bei Voglreiter den Bau eines 120 Meter hohen 5-Sterne-Hotels mit 320 Betten in Autoform in Auftrag. Der Bau sollte das Herzstück eines geplanten Autoparadieses mit Vergnügungspark, Teststrecke und Ausstellungszentrum werden.

Große Pläne in Nahost

Der Stadtbaumeister flog zur Präsentation nach Nahost, im Gepäck auch Pläne für die Privatgarage des Scheichs. Die allein wäre ein umfängliches Projekt gewesen, denn Nahyan besitzt 500 Autos. Wenig später kam allerdings dummerweise die Finanzkrise dazwischen. Das Milliardenprojekt wurde gestoppt und auf unbekannte Zeit verschoben.

Voglreiter nahm sich daraufhin eine Auszeit. Jetzt aber, sagt er, soll es bald wieder losgehen mit weiteren Häusern in Autoform. Ehe jedoch weitere Raststätten und Restaurants folgen, will er zunächst die eigene Wohnsituation neu modellieren. Seine eher gewöhnliche Villa wurde ihm fad. "Ich baue mir jetzt erst einmal selbst ein Auto-Haus."

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