Abgasskandal Kraftfahrt-Bundesamt ruft 60.000 Porsche zurück

Dreister Abgasbetrug bei zwei Porsche-Modellen: Behörden rufen die Luxusgeländewagen Cayenne und Macan zurück, weil sie gleich mehrere Software-Manipulationen entdeckt haben.
Porsche Macan auf der Offroad-Teststrecke am Porsche-Werk in Leipzig

Porsche Macan auf der Offroad-Teststrecke am Porsche-Werk in Leipzig

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Kanzlerin Angela Merkel hatte sich am Mittwoch noch vor die Autoindustrie gestellt. Es sei nicht im Interesse der Regierung, "durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken", sagte sie im Bundestag. Die Autobosse forderte Merkel zugleich auf, "verloren gegangenes Vertrauen selber wieder gut" zu machen. Vielleicht hätte die Kanzlerin noch einmal Rücksprache mit ihren Beamten vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) halten sollen, bevor sie die Hersteller so öffentlichkeitswirksam in Schutz nahm. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

Zwei Tage zuvor hatte die Flensburger Behörde ein Schreiben an den zum VW-Konzern gehörenden Sportwagenbauer Porsche verschickt. Gegen zwei seiner Diesel-Modelle haben die Beamten einen amtlichen Rückruf erlassen. Dabei handelt es sich nach Informationen des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks um das aktuelle Modell des Macan 3.0 Liter V6 mit einer Stückzahl von 53.000 und den Cayenne 4.2 Liter V8, bei dem in 6800 Exemplaren Software manipuliert wurde. "Aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen kann es im Betrieb der Fahrzeuge zu erhöhten NOx-Emissionen kommen", so ein Sprecher des Verkehrsministeriums gegenüber SPIEGEL und BR. Beide Modelle haben die Schadstoffklasse Euro 6, die von Konzernen und Regierung beworben werden, um im Austausch gegen ältere Diesel für bessere Luft zu sorgen.

Beim Macan fanden die Prüfer des KBA fünf illegale Abschalteinrichtungen, die bewirken, dass das Abgasreinigungssystem nur im Labor voll funktioniert - aber nicht auf der Straße. Im Verkehrsministerium ist man über die Anzahl der Software-Manipulationen ebenso verärgert wie über den Umstand, dass beim Macan bereits 2016 ein Softwareupdate vorgenommen wurde, um die Abgaswerte zu verbessern. Damals hatte der Stuttgarter Autohersteller die jetzt beanstandeten Manipulationen nicht eingestanden. Porsche erklärte, man habe diesen Februar die Behörden über "Unregelmäßigkeiten" informiert.

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck

Es ist nicht das erste Mal, dass Porsche Manipulationen an der Abgasreinigung eingestehen musste. Unter anderem verhängte der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt nach einer SPIEGEL-Enthüllung einen Verkaufstopp für den Porsche Cayenne mit 3-Liter-Motor, der Rückruf startete im Herbst des vergangenen Jahres. Damals wurde eine Technik festgestellt, die erkannte, dass ein Fahrzeug auf einem Abgasprüfstand stehe. In Tests sprang dann eine "Aufwärmstrategie" an, die im realen Verkehr nicht aktiviert wurde. Aufgrund des Abgasskandals hat Porsche aktuell keine Fahrzeuge mehr mit Diesel im Programm. In diesem Jahr werde der Hersteller auch keinen Diesel ins Programm nehmen.

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck. Schon vor zwei Wochen musste der Konzern bei seiner Tochter Audi gestehen, illegale Abschalteinrichtungen bei den Modellen A6 und A7 verwendet zu haben. Beide wurden mit Umweltprämien von bis zu 10.000 Euro beworben, wenn Kunden den Wagen kaufen und ihren alten Diesel dafür verschrotten lassen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht genauso wie die Kanzlerin in diesen Umtauschaktionen einen Weg, um Dieselfahrverbote in den Städten zu verhindern. Sie lehnen Nachrüstungen von älteren Dieseln mit Stickoxid-Katalysatoren als zu teuer ab. Diesen Kurs zu rechtfertigen, fällt allerdings immer schwerer, wenn weitere aktuelle Modelle mit Software-Manipulationen auffallen.

Video: Abgastricks beim Cayenne Diesel?

SPIEGEL TV