Dieselaffäre Porsche hat Aufklärung verzögert

Nach Informationen des SPIEGEL ließ Porsche fast eineinhalb Jahre verstreichen, bis mit der Aufarbeitung von Abgasmanipulationen begonnen wurde. Schwerpunkt stattdessen: Dieselmodelle verkaufen.

Endtopf eines Porsche Cayenne
Daniel Maurer/ DPA

Endtopf eines Porsche Cayenne


Der Sportwagenhersteller Porsche hat fast eineinhalb Jahre verstreichen lassen, bevor er mit der Aufarbeitung der Dieselkrise in Deutschland begonnen hat. Porsche begnügte sich nach der Entdeckung illegaler Abschalteinrichtungen in den USA offenbar mit halbherzigen Abgasmessungen bei seinen europäischen Fahrzeugen. Im Vordergrund stand der Verkauf weiterer Dieselmodelle.

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Aus Unterlagen der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer geht hervor, dass die Zuffenhausener erst nach einem Bericht des SPIEGEL (Nr. 24/2017) über zu hohe Stickoxidwerte bei einem neuen Cayenne mit ernsthaften Untersuchungen begannen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung schaltete sich der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil ein. Der SPD-Politiker schickte eine Mail an den damaligen VW-Chef Matthias Müller. Er wollte damals wissen, wo die Gründe für die vom SPIEGEL gemessene Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte liegen.

Porsche versandte Erklärung ans Kraftfahrt-Bundesamt nicht

"Handelt es sich um denselben Vorgang wie bei Audi? Wie lautet die rechtliche Beurteilung?" Auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wurde vorstellig und verlangte von Porsche am 19. Juni 2017 "bis 10:45 Uhr die angeforderte Erklärung über das Nichtvorhandensein illegaler Abschalteinrichtungen für den Porsche Cayenne". Porsche schickte die Erklärung aber nicht. Später ordnete das KBA Rückrufe und Nachbesserungen für diverse Porsche-Dieselmodelle an. In dieser Woche verhängte die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Bußgeld in Höhe von gut 535 Millionen Euro. Porsche hat inzwischen die Dieselproduktion eingestellt und will sich auf Elektromodelle konzentrieren.

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fdo

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Seite 1
hegoat 10.05.2019
1.
500 Mio. Euro Bußgeld. Na, geht doch. Wie leben also doch noch nicht in einer Bananenrepublik, wo Scheuer, Diess und Zetsche Schaumwein schlürfen, während der Dieselbesitzer verars...t wird.
syt 10.05.2019
2. Wer übernimmt
die Verantwotung ? Die netten Abfindungen einstecken ging doch auch ? Warum über nehmen diese Vorgestezten keine Verantwortung ? Lassen sich von der Belegschaft bezahlen,und tauchen dann ab ? Und keiner zieht sie vor den Richter ?
ichliebeeuchdochalle 10.05.2019
3.
Zitat von hegoat500 Mio. Euro Bußgeld. Na, geht doch. Wie leben also doch noch nicht in einer Bananenrepublik, wo Scheuer, Diess und Zetsche Schaumwein schlürfen, während der Dieselbesitzer verars...t wird.
Portokasse ... tut nicht weh ... gleich kein Lerneffekt. Die 500 Mio. Euro zahlen ... die Autokäufer. Es fehlt das Bußgeld in Millionenhöhe für die Manager, das diese aus eigenem versteuerten Einkommen zu zahlen hätten. Fazit: Es ist genau das, was Sie nicht sehen wollen: Eine Bananenrepublik ... in diesem Teilbereich.
tatsache2011 10.05.2019
4.
Zitat von ichliebeeuchdochallePortokasse ... tut nicht weh ... gleich kein Lerneffekt. Die 500 Mio. Euro zahlen ... die Autokäufer. Es fehlt das Bußgeld in Millionenhöhe für die Manager, das diese aus eigenem versteuerten Einkommen zu zahlen hätten. Fazit: Es ist genau das, was Sie nicht sehen wollen: Eine Bananenrepublik ... in diesem Teilbereich.
Sie irren sich, denn [Zitat] "Abgeschlossen ist der Dieselskandal für Porsche damit nicht: Das im Juli 2017 angestoßene Ermittlungsverfahren gegen einzelne Mitarbeiter der Porsche AG laufe weiter." https://www.spiegel.de/auto/aktuell/abgasskandal-porsche-akzeptiert-535-millionen-bussgeld-a-1266184.html
tatsache2011 10.05.2019
5.
Zitat von hegoat500 Mio. Euro Bußgeld. Na, geht doch. Wie leben also doch noch nicht in einer Bananenrepublik, wo Scheuer, Diess und Zetsche Schaumwein schlürfen, während der Dieselbesitzer verars...t wird.
Einige Porsche-Fahrer lassen sich das nicht gefallen, klagen und das Gericht verurteilt Porsche, den Wagen zurückzunehmen wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung des Kunden. https://www.test.de/Abgasskandal-4918330-5038098/
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