Porsches VW-Deal Piëch führt die Familie zusammen

Mit dem Einstieg von Porsche bei VW wächst zusammen, was einst zusammengehörte: Der Stuttgarter Konzern trägt noch heute den Namen des Österreichers Ferdinand Porsche. 1934 baute der geniale Autokonstrukteur den Volkswagen. Sein Enkel Piëch sorgt nun für die Familienzusammenführung.


Wiedeking, Piëch (im Februar bei der Schaffermahlzeit in der Bremer Rathaushalle: Zusammenführen, was zusammen gehört
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Wiedeking, Piëch (im Februar bei der Schaffermahlzeit in der Bremer Rathaushalle: Zusammenführen, was zusammen gehört

Hamburg - Im Hintergrund ziehen die Nachfolger des 1951 gestorbenen Porsche bei beiden Autofirmen immer noch die Strippen. Wenn der Einstieg bei VW klappt, wird die Familie Porsche in Zukunft im selben Atemzug mit Auto-Dynastien wie Ford, Agnelli (Fiat) oder Toyoda (Toyota) genannt werden. Und die Zusammenarbeit zwischen VW und Porsche könnte weit über die heutigen Projekte hinausgehen.

1931 hatte Porsche sich in Stuttgart nach beruflichen Erfolgen bei Daimler als Konstrukteur selbstständig gemacht. Als die Nazis in den dreißiger Jahren von der deutschen Autoindustrie einen Volkswagen verlangten, hatte Porsche keine Berührungsängste und baute das Auto: vier Sitzplätze, sparsamer Heckmotor, robust, einfach zu warten. Hitler war begeistert, 1938 begann der Bau der Fabrik in Wolfsburg, die noch heute Heimat von Volkswagen ist.

Nach dem Krieg übernahmen die Briten die Fabrik, ab Ende der vierziger Jahre wurde der Volkswagen ein Welthit und Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Ferdinand Porsche fing in Stuttgart als Konstrukteur neu an, konnte sich aber auf Lizenzeinnahmen aus Wolfsburg stützen. Porsche begann mit dem Bau von Sportwagen auf der Basis des Käfers. Bis heute berühmt ist der Typ 356, in dem sich James Dean zu Tode fuhr. Auch der heute noch erfolgreiche Porsche 911 ging auf das Bauprinzip des Käfers mit dem luftgekühlten Heckmotor zurück.

Nach dem Tod von Ferdinand Porsche behielten seine Nachkommen das Sagen in der Firma, während VW zunächst ein Staatskonzern war und später zu einer Volksaktie wurde. Beide Autobauer arbeiteten immer wieder zusammen: Etwa beim Volksporsche genannten Typ 914, von dem bis 1975 119.000 Stück verkauft wurden. Oder beim Porsche 924, der von einem Audi-Motor angetrieben wurde.

Zurzeit arbeiten beide bei zwei anderen großen Projekten zusammen: Der Porsche-Geländewagen Cayenne wird als Rohkarosse im VW-Werk Bratislava zusammengeschweißt. VW verkauft auf derselben Plattform seinen Geländewagen Touareg. Das Auto wurde im Wesentlichen von Porsche entwickelt und wird in beiden Varianten gut nachgefragt. Außerdem wollen Porsche und VW zusammen einen Hybridantrieb entwickeln. In der gesamten Autoindustrie gibt es einen Trend zu Gemeinschaftsentwicklungen, um so Kosten zu sparen. Denkbar, dass Porsche und VW weitere gemeinsame Projekte angehen. So könnte VW etwa ungenutzte Kapazitäten im Inland zu Lohnfertigung für Porsche anbieten.

Pischetsrieder freut sich

Aber schon jetzt hat das Geschäft Vorteile für beide Seiten: Porsche begründet den Milliardendeal damit, dass VW ein bedeutender Entwicklungspartner sei und als Lieferant für 30 Prozent des Porsche-Absatzvolumens verantwortlich. "Wir wollen damit in unserem eigenen Interesse die Unabhängigkeit des Volkswagen-Konzerns sicherstellen, erklärte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. 30 Prozent des Porsche-Absatzes hängen von der Zusammenarbeit ab.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder begrüßte die Pläne umgehend. Ihm ist klar, das der Volkswagen-Konzern spätestens nach dem Fall des VW-Gesetzes ein Ziel für Firmenjäger würde. Sie könnten den ertragsschwachen Koloss übernehmen, Perlen wie Audi oder Skoda herauslösen und teuer weiterverkaufen.

Pischetsrieder weiß aus seiner Zeit als BMW-Chef, wie wichtig eine stabile Aktionärsstruktur ist. Beim blau-weißen Konzern stand die Unternehmerfamilie Quandt auch in schwierigen Zeiten zu ihrer Rolle als Hauptaktionär und machte so den heutigen Erfolg erst möglich. Gleichzeitig setzt Pischetsrieder auch bei VW selbst an und saniert zurzeit mit einem Milliarden-Sparprogramm den Konzern, um durch bessere Ergebnisse den Aktienkurs zu heben. Bis 2008 sollen sieben Milliarden Euro gespart werden, in Deutschland stehen bis zu 10.000 Jobs zur Disposition. Damit soll der Gewinn um vier Milliarden Euro wachsen.

Das würde auch Porsche-Chef Wiedeking als Hauptaktionär freuen. Laut SPIEGEL-Berechnungen würde allein die heutige Dividende von VW Porsche ebenso viel einbringen wie eine Anlage des geplanten Investitionsbetrages von drei Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt.

Im Hintergrund hat wohl der frühere VW-Chef und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch die Fäden für das Geschäft gezogen. Den Familien Porsche und Piëch gehören 100 Prozent der Porsche-Stammaktien. Ferdinand ist im Aufsichtsrat beider Firmen, bei VW als Vorsitzender. Eigentlich wollte er nach seinem Abschied als VW-Chef 2002 nach eigenen Angaben um die Welt segeln. Stattdessen ordnet er die deutsche Autoindustrie neu und hebt den Namen Porsche wohl endgültig in die Oberliga der Branche.

Claus-Peter Tiemann/AP



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