Neuer Opel Corsa Nur gefühlt anders

Opel setzt riesige Erwartungen in den neuen Corsa: Er muss den Hersteller auf Sanierungskurs halten. Beim Design werden keine Experimente gewagt. Für das Fahrgefühl gilt das Gegenteil.

Opel

Die Spannung steigt: Im Oktober enthüllt Opel auf dem Autosalon in Paris den neuen Corsa. Und weil die fünfte Generation des Kleinwagens den Hersteller aus dem Tal der Tränen führen soll, schlachtet er die Premiere aus. Erst konnten Journalisten an den letzten Abnahmefahrten teilnehmen, jetzt - drei Monate vor der offiziellen Enthüllung - gibt es die ersten Fotos vom neuen Auto.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat versprochen, dass der neue Corsa "in jeder Hinsicht überraschen wird". Aber auf den Bildern sieht das anders aus - denn wirklich neu wirkt das Design nicht. Immerhin wurden im Vergleich zum Vorgänger die Glubschaugen-Scheinwerfer weggeschminkt, die Frontpartie kennt man dagegen vom Modell Adam. Der Corsa bleibt, was er war: ein unaufgeregter Kleinwagen.

Der zuständige Projektleiter Werner Joeris formuliert es so: "Wir bauen auf der bestehenden Plattform auf." Das ist nicht ungewöhnlich in der Branche. Die Entwicklung einer neuen Bodengruppe, einer neuen Fahrzeugarchitektur oder eines neuen Komponentensatzes wie etwa des modularen Querbaukastens des VW-Konzerns verschlingt oft mehr als eine Milliarde Euro und amortisiert sich oft erst nach der zweiten Fahrzeuggeneration. Dieses Geld und diese Zeit hat Opel nicht.

So musste Joeris beim neuen Corsa mit den alten Abmessungen klarkommen. An den rund 2,50 Meter Radstand und den etwa vier Metern Länge hat sich kaum etwas geändert. Nahezu gleich bleibt auch das Gewicht.

Die großen Änderungen fallen erst beim Fahren auf

Mit ein paar geschickten Eingriffen an den richtigen Stellen ist es den Opel-Ingenieuren letztlich aber doch gelungen, beim Corsa zumindest ein frisches Fahrgefühl zu erzeugen. Für das Fahrwerk wurde beispielsweise kein Bauteil aus dem Vorgänger übernommen. Und der neue Einlitermotor läuft für einen Dreizylinder ungewöhnlich leise und kultiviert.

Das Turbotriebwerk gibt es endlich auch mit einer Sechsgangschaltung und wahlweise mit 90 oder 115 PS Leistung. Der Verbrauch soll knapp über vier Liter liegen. Alternativ dazu bietet Opel einen neuen 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 100 PS sowie als Basismotorisierung wohl einen 75-PS-Benziner an. Und Dieselfreunden stellen die Hessen mutmaßlich einen 1,3-Liter-Selbstzünder mit 75 oder 95 PS zur Wahl.

Fast noch wichtiger für das "Alles wie neu"-Gefühl sind allerdings weiche Faktoren wie eine bessere Dämmung und Dämpfung. Und vor allem: ein feineres Ambiente und eine großzügigere Ausstattung. In diesen Disziplinen macht der Corsa tatsächlich einen großen Sprung. Das Innenleben wirkt deutlich vornehmer, mit viel Chrom, Klavierlack und Lederbesatz.

In der Mitte des Armaturenbretts leuchtet ein großer Touchscreen, über eine Infotainment-Software lassen sich Smartphones mühelos koppeln und verschiedene Apps runterladen. Außerdem gibt es gegen Aufpreis Extras wie Auffahrwarner, Verkehrszeichenerkennung, Spurführungshilfe und Fernlichtassistent.

Selbst wenn die fünfte Corsa-Generation kein komplett neues Auto geworden ist: Für einen neuen Eindruck von Marke und Modell reicht es. Außerdem soll sich der Preis des Autos nicht groß verändern. Das haben jedenfalls Opel-Mitarbeiter angedeutet. Genaue Zahlen gibt es im August. Wieder eine Gelegenheit, das Auto ins Gespräch zu bringen.

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insgesamt 45 Beiträge
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emantsol 09.07.2014
1. Nett
Sieht nett aus. Die sehr ähnlichen Motorisierungen (Drei- und Vierzylinder Benziner) sind mir ein Rätsel. Gibt es dafür einen Grund? Gibt es auch eine moderne Automatik?
kloppskalli 09.07.2014
2. schade, wieder ne Chance vertan
Chance vertan sich von Opel Langweiler Image zu verabschieden. Ich bin als kind immer gerne Opel (mit)gefahren..! So wird die Firma wohl untergehen - oder ist langweiliges gefragt? Ein Polo zum Beispiel sieht nicht gerade aufregend aber tausend mal gradliniger, kerniger, ernsthafter aus als dieses verspielt, zerklueftete Ulk-Design (v. hinten) - einfach nur grauenaft. Der schwarz/graue Innenraum ist auch nicht gerade innovativ. Wieso sollte man fuer so etwas geld ausgeben, wenn man nicht gerade bei Opel arbeitet?
varesino 09.07.2014
3. Danke Opel ...
eine weitere Steilvorlage für die Koreaner. Die können so etwas inzwischen besser, billiger mit mehr Gewährleistung. Und Tschüss. Gruss Varesino
marty_gi 09.07.2014
4. zu tief
der Navi-Bildschirm ist viel zu tief, dorthin zu schauen ist die totale Ablenkung. Erstaunllicherweise sieht der 5-Tuerer nun merklich besser aus als der 3-Tuerer....das ist auch mal 'ne Leistung ;-)
f36md2 09.07.2014
5. Opel Corsa
Zitat von sysopOpel Opel setzt riesige Erwartungen in den neuen Corsa: Er muss den Hersteller auf Sanierungskurs halten. Beim Design werden keine Experimente gewagt. Für das Fahrgefühl gilt das Gegenteil. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/premiere-opel-corsa-kleinwagen-mit-frischem-look-und-neuen-motoren-a-979899.html
Das bisherige und noch aktuelle Modell mit der "kleinsten" Maschine fahre ich seit drei Jahren, bin sehr zufrieden. Autobahnrasen ist ohnehin nicht meine Welt, aber der Hauptgrund war die Ausstattung mit dem herausziehbaren Fahrradhalter, das ist DIE Lösung. Einfach heraus klinken, dehalb keine große Montage, in wenigen Minuten sind ein oder zwei Räder montiert. Das kann VW nicht! Hoffentlich bietet das auch der neue Corsa, dann können wir uns über den Erwerb des Nachfolgers unterhalten. Übrigens: Parkgebühren, Parkhäuser oder Knöllchen kenne ich nicht, mein Rad ist (fast) immer dabei!
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