Probleme beim Autoradio-Einbau Schicht im Schacht

Altes Radio raus aus dem Schacht, neues ratzfatz hinein - das funktioniert bei vielen modernen Autos nicht mehr. Während das Auswechseln von Hifi-Geräten früher eine Sache von wenigen Minuten war, ist inzwischen eine umfangreiche Technikvorbildung erforderlich.


In den Elektronikmärkten zählen sie immer noch zum Standardsortiment: Autoradios für den nachträglichen Einbau. Das Interesse der Autofahrer hält sich jedoch zunehmend in Grenzen. "Der Car-Audio-Markt ist insgesamt rückläufig", bestätigt Maik Hildebrandt, Sprecher des Herstellers Pioneer in Willich (Nordrhein-Westfalen).

Autoradio: Jeder Hersteller hat inzwischen sein eigenes Format
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Autoradio: Jeder Hersteller hat inzwischen sein eigenes Format

Wie stark dieser Rückgang in jüngster Zeit ist, zeigen die Zahlen der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) in Frankfurt am Main: "Im Jahr 2005 wurden in Deutschland rund 2,44 Millionen Autoradios verkauft, 2006 gab es einen Rückgang um 8,3 Prozent auf 2,24 Millionen", sagt gfu-Sprecher Roland Stehle. Die Prognose für 2007 liegt bei 2,06 Millionen, was einem weiteren Rückgang um etwa 8 Prozent entspricht.

Die Zurückhaltung hat aber nichts mit sinkender Lust am Musikhören im Auto zu tun. Vielmehr sind es die Hürden, die vor dem Austausch eines veralteten Gerätes stehen: "Es ist tatsächlich so, dass eine Nachrüstung heute in vielen Fahrzeugen komplizierter geworden ist", erklärt Jutta Monden von Siemens VDO in Schwalbach im Taunus.

Einst war es Standard, dass sich im Armaturenbrett ein genormter Einbauplatz befand - der sogenannte DIN-Schacht. Darin konnte jedes Radio eingesetzt werden, dahinter befanden sich leicht zu erkennende Anschlusskabel. "Seit einigen Jahren verwenden die Autohersteller vermehrt auch Doppel-DIN-Schächte", sagt Joachim Siedler, Sprecher des Herstellers Blaupunkt in Hildesheim. Darin finden dann Radio und Navigationsgerät Platz. Allerdings lässt sich nicht einfach eines der Geräte entfernen. Sie bilden eine Einheit, zu der auch eine ans Innenraumdesign angepasste Kunststoffverkleidung gehört.

Software-Plattform statt Kurzwellen-Kiste

"Diese großflächigen Kunststoffverkleidungen erschweren zusätzlich den Austausch", meint Bastian Roet vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Denn wer die alte Radioeinheit entfernt und ein Nachrüstmodell anschließt, hat dann ein Armaturenbrett vor sich, das optisch kaum mehr etwas mit dem ansehnlichen Originalzustand zu tun hat. "Für solche Fälle gibt es sogenannte Nachrüstrahmen", sagt Joachim Siedler. Schwierig wird eine optische Anpassung jedoch bei Fahrzeugen, in denen das Originalradio eine gerundete Front hat.

Eine weitere Tücke lauert bei den Anschlüssen. "Nicht alle Hersteller haben hier die gleiche Belegung wie bei den Standardsteckern", warnt Bastian Roet. Es ist dann nicht möglich, ein neues Radio nach altbekanntem Schema einzubauen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Elektronik der Fahrzeuge immer komplexer wird - und auch schon mal allergisch auf Fehler beim Radioeinbau reagieren kann.

In absehbarer Zeit hat sich das Thema Nachrüstradio womöglich ohnehin erledigt. "In Zukunft wird der Weg hin zu sogenannten Software-Plattformen gehen", sagt Jutta Monden. Die Infotainment-Geräte im Auto werden dann verstärkt über Bluetooth, USB oder andere Schnittstellen verbunden sein. Den Platz eines neuen Radios übernehmen dann endgültig die aktuellen Ausführungen von iPod und Co.

Heiko Haupt, gms



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