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Tata Nano: Billig brennt besser

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Probleme mit Tatas Nano Billigheimer in Flammen

Klein, billig, revolutionär - und ziemlich feuergefährlich: Regelmäßig brennen auf Indiens Straßen Tata Nanos aus. Keiner der Kleinstwagen war älter als ein Jahr, die wenigsten hatten eine Laufleistung von mehr als 250 Kilometern. Hersteller Tata Motors hält das für Zufall.
Von Volker Müller

Er hat es sogar auf die Bühne des Saarbrücker Staatstheaters geschafft. Zu Klängen von Franz Schubert und Karl Aage Rasmussen avancierte Indiens Auto-Ikone, der Tata Nano, am Samstag zum Opernstar in der Aufführung des indischen Epos "Sakuntala". Die Theatermacher und ihr Sponsor, der deutsche Tata-Vertriebspartner Green Rent, durften sich freuen: Ihr Exemplar des billigsten Serienautos der Welt verhielt sich unauffällig.

So viel Glück haben nicht alle Nano-Besitzer: Regelmäßig brennen in Indien Nanos aus. Häufig hatten sie nicht einmal 500 Kilometer zurückgelegt, manch einer gar nur hundert Kilometer. Erst am Donnerstag vergangener Woche war wieder ein Exemplar fällig - peinlicherweise schon auf dem Weg vom Werk im westindischen Sanand zum Autohändler. "Ich sah im Rückspiegel Rauch aus dem Heck kommen, hielt an - und wenige Minuten später stand der Wagen in Flammen", berichtet Rajubhai Thakore vom Autospediteur Cargo Motors.

Wenige Tage zuvor war ein Softwareingenieur in Bombay in Lebensgefahr geraten, als sein Nano bei Tempo 40 Feuer fing. Der Mann hatte den Wagen gerade beim Händler entgegengenommen und führte ihn stolz seiner Familie vor. Nur durch Glück kamen die Insassen rechtzeitig aus ihrem Auto heraus. Vermutete Ursache: ein Kurzschluss in der Elektrik. Damit sind inzwischen fünf Nanos durch Feuer zerstört worden.

"Es gibt keine Probleme mit den Fahrzeugen"

Die genauen Ursachen sind noch unbekannt. Dennoch schließt Tata Motors ein systemisches Problem, etwa einen Konstruktionsfehler, kategorisch aus: "Es gibt kein Problem mit dem technischen Design. Der Wagen hat alle internationalen Zertifikate erhalten", teilt Tata-Sprecher Debasis Ray mit. "Inzwischen sind mehr als 30.000 Nanos in Indien ausgeliefert, manche von ihnen fast ein Jahr alt. Es gibt keine Probleme mit den Fahrzeugen." Eine Rückrufaktion sei unnötig.

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Tata-Nano-Tuning: Exzentrik im Kleinformat

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Intern scheint Tata Motors sich seiner Sache nicht ganz so sicher zu sein. Eine firmeneigene Untersuchungskommission soll die Ursachen der Brände herausfinden. Zu ihr gehört auch der technische Vater des Nanos, Girish Wagh. Er leitet von Beginn an das Nano-Projekt und hat den kaum 3,1 Meter langen Kleinstwagen zusammen mit global tätigen Zulieferern entwickelt - unter ihnen deutsche Konzerne wie Bosch, ZF Friedrichshafen oder Conti und Freudenberg. Sie nehmen jedoch nicht an der Untersuchung teil: "Wir beobachten die Vorgänge, sind aber nicht Teil der Kommission", sagt ein Bosch-Sprecher in Indien auf Anfrage.

Immerhin: Schon im vergangenen Jahr hatten drei teilweise ausgebrannte Nanos zu Änderungen geführt. Nach einem mutmaßlichen Fehler in der Lenkung sowie dem Sicherungskasten wechselte Tata den Zulieferer und ließ die Nanos in den Werkstätten vorsorglich untersuchen.

Vom Pech verfolgt

Der Nano hat seit seiner Vorstellung auf dem Genfer Autosalon im März 2008 international für Furore gesorgt. Mit einem offiziellen Preis von 100.000 Rupien, umgerechnet circa 1700 Euro, für das Basismodell ist der Nano das billigste Serienauto der Welt. Es soll vor allem Motorradfahrer und Kunden im einkommensschwächeren Hinterland Indiens ansprechen.

Denen bietet es eine Menge: Trotz seiner kompakten Abmessungen ist der Innenraum deutlich geräumiger als bei Fahrzeugen der nächstgrößeren Klasse. Der gerade einmal 623 Kubikzentimeter große Motor mit 33 PS bietet ordentliche Fahrleistungen und verbraucht keine fünf Liter Benzin je 100 Kilometer. Der Export einer modifizierten Version nach Europa und in die USA ist für das Jahr 2011 geplant.

Tata wird beim Nano allerdings vom Pech verfolgt. So geriet etwa das für umgerechnet 300 Millionen Dollar in Westbengalen errichtete Nano-Werk zur Investitionsruine. Militante Proteste von Bauern, die über zu niedrige Preise bei den Landenteignungen klagten, zwangen den Autokonzern im Jahr 2008 zum Umzug nach Gujarat.

Davon haben sich weder Firmenkasse noch Zeitplan bisher erholt. Insgesamt haben 200.000 Kunden bislang einen Nano bestellt. Neue Bestellungen nimmt der Konzern derzeit nicht mehr an - ihm fehlt die Fertigungskapazität. Bis zum Jahresende soll erst die Hälfte ausgeliefert sein. Das neue Werk in Gujarat wird erst im kommenden Monat seinen Betrieb aufnehmen.

Korrektur: Der Hubraum des Tata Nano beträgt 623 Kubikzentimeter, nicht 623 Kubikmeter. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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